Zweimal Meister, jetzt der 400. Einsatz in der Bundesliga, aber nie bei den Bayern oder dem BVB: Die Fussballkarriere von Christian Gentner ist eine aussergewöhnliche. Neben vielen Höhen gab es für den Schwaben auch Tiefen. Vor allem der tragische Tod seines Vaters.
Christian Gentner steht vor seinem 400. Bundesligaspiel. Foto: Tom Weller/dpa
Christian Gentner steht vor seinem 400. Bundesligaspiel. Foto: Tom Weller/dpa - dpa-infocom GmbH
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Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Andenken an seine Bundesliga-Premiere hat sich Christian Gentner aufgehoben.

Im Haus seiner Eltern liegt das Trikot, in dem er im Februar 2005 gegen Hertha BSC erstmals in Deutschlands höchster Liga auf dem Rasen stand.

«Der damalige Trainer Matthias Sammer hat damals bei meinen Eltern angerufen, ich habe noch zu Hause gewohnt», erinnerte sich Gentner. Kurzfristig sollte er ins Teamhotel zum Mittagessen kommen. Dass der spätere fünfmalige Nationalspieler wenige Stunden danach im Alter von 19 Jahren erstmals für acht Minuten für den VfB Stuttgart auflaufen sollte, ahnte er noch nicht.

15 Jahre später steht Gentner vor einem besonderen Jubiläum. Für den 1. FC Union Berlin dürfte der Routinier am Sonntag (13.30 Uhr/DAZN) gegen seinen Ex-Club VfL Wolfsburg seinen 400. Bundesligaeinsatz feiern - als 67. Spieler überhaupt. Je einmal wurde er in dieser Zeit mit Stuttgart (2007) und Wolfsburg (2009) deutscher Meister. Niemand kann in jüngerer Vergangenheit so eine Bilanz vorweisen, der nicht beim FC Bayern oder Borussia Dortmund spielte. «Ich selbst weiss nur noch von Ludovic Magnin», sagte Gentner. Der Schweizer Magnin wurde mit Stuttgart und Bremen zwar auch zweimal Meister, ist von 400 Einsätzen im Oberhaus aber weit entfernt.

«Er kann Union zum Klassenerhalt führen», sagte Felix Magath dem «Berliner Kurier» über seinen ehemaligen Schützling. Es ist das grosse Ziel des Mittelfeldspielers mit dem Aufsteiger aus Köpenick. Den Titelgewinn mit Magath in Wolfsburg bezeichnet Gentner als bisher schönsten seiner Erfolge. Weil er immer auf dem Platz stand, einer der Führungsspieler war und voranging. Mit Aussenseiter Union nun in der Liga zu bleiben, würde ihm auch «sehr viel bedeuten». Der letzte Triumph seiner Laufbahn soll es aber gewiss noch nicht sein.

«Ich werde kein Jubiläum feiern und ich werde jetzt noch keine Bilanz meiner Karriere ziehen», sagte Gentner: «Ich habe nicht vor, am Sonntag aufzuhören, Fussball zu spielen.» Union sei sein erster Ansprechpartner, wenn es um einen neuen Vertrag geht. Dieser läuft im Sommer aus, als Fussballrentner sieht sich der Schwabe nicht. «Ich setzte mir kein Limit», sagt der Familienvater, der trotz der hohen Anzahl an Spielen bislang noch nie eine Rote Karte gesehen hat.

Wie viele Einsätze folgen? «500 Spiele sind nicht planbar und das ist auch keine Zielsetzung. Im Fussball solltest du nicht langfristig planen», sagte Gentner. Einen Wechsel ins Ausland - auch das gab es für den Ex-Kapitän der Stuttgarter bislang noch nicht - schliesst er nicht aus. Vor allem Australien habe ihn schon immer gereizt.

Seine Zukunft sieht Gentner zweifelsfrei im Fussball-Geschäft. «Ich würde gerne die Trainerlizenz machen. Ob ich wirklich Trainer werden will, da habe ich mich aber noch nicht festgelegt», sagte er. Gut möglich, dass es ihn als Funktionär zurück nach Stuttgart zieht, für den VfB stand er 278-mal in der Bundesliga auf dem Rasen, ausserdem für Wolfsburg (99) und für die Unioner (22). Fussball sei schon immer «der Mittelpunkt der Familie» und besonders wichtig gewesen. Daran hat auch ein Schicksalsschlag im Dezember 2018 nichts geändert.

Noch im Stadion verstarb sein Vater Herbert im Anschluss an das Heimspiel des VfB gegen Hertha BSC. «Es ist leider Gottes in aller Öffentlichkeit passiert. Es ist Teil meiner Karriere», sagte Gentner kurz vor seinem Jubiläum: «Auf so etwas ist man nicht vorbereitet. Wir als Familie haben das aber sehr, sehr gut gelöst bekommen.»

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