Nico Hischier: «Wir müssen uns nicht verstecken»
2026 ist für die Eishockey-Profis speziell. Nico Hischier sagt: «Für einen Athleten sind Olympische Spiele ein riesiges Erlebnis, ich freue mich enorm.»

Nico Hischier befindet sich in einer intensiven Phase. Da ist einerseits die laufende NHL-Saison, in der er mit seinem Team, den New Jersey Devils, um einen Platz in den Playoffs kämpft. Und da ist andererseits das Schweizer Nationalteam, auf das im Jahr 2026 besondere Höhepunkte warten.
Umso willkommener waren auch für ihn zuletzt die Festtage, die er mit ein paar Strandtagen in Florida verband, um die Batterien wieder zu laden. Das Jahresende ist immer auch die Gelegenheit für einen Rückblick, und da fällt das Fazit des Wallisers positiv aus.
«2025 war ein gutes Jahr. Ich bin sehr dankbar für die Gesundheit, die ist allgemein im Leben, aber auch in unserer Sportart sicher nicht selbstverständlich. Zudem konnte ich wieder super Dinge erleben – mit der WM, aber auch, indem wir uns mit New Jersey erneut für die Playoffs qualifizieren konnten. Das war cool.»
Vom Spieler zum Hardcore-Fan
Ein spezielles Ereignis war sicher die WM, die mit der zweiten Silbermedaille für die Schweizer endete – und mit der Knieverletzung von Hischier, die ihn während des Turniers ausser Gefecht setzte.
«Ich konnte mich mit der veränderten Situation zum Glück relativ rasch abfinden. Aber natürlich ist es ganz anders, wenn man plötzlich auf der Tribüne sitzt und zuschaut und dem Team nicht mehr auf dem Eis helfen kann. So wird man irgendwie zum Fan, und weil man die Jungs so gut kennt, ist man am Ende ein Hardcore-Fan, leidet beim Zuschauen fast mehr mit, als wenn man selber spielt. Rückblickend kann ich sagen, dass es eine spannende Erfahrung war.»
Aufgrund des vorzeitigen WM-Endes hätten wohl alle verstanden, wenn Hischier, der als Captain der Nati ins Turnier gestartet war, nach Hause oder irgendwohin in die Ferien verreist wäre. Doch stattdessen blieb er beim Team und begann auch mit der Reha.
«Ich habe mich ja nicht zu Beginn des Turniers, sondern mehr oder weniger mittendrin verletzt. Es war für mich nie ein Thema, von der WM abzureisen. Ich wollte die verbleibenden Tage mit den Jungs verbringen und zeigen, dass ich trotzdem hier bin, auch wenn ich nicht spielen kann.»
Nico Hischier
Geboren: 4. Januar 1999
Grösse: 186 cm
Gewicht: 88 kg
Stock: links
Bei New Jersey Devils/NHL seit: 2017
Vertrag bis: 2027
Bisherige Klubs: Halifax Mooseheads (JMJHL), EHC Visp (NLB), SC Bern (NL)
Es war ein starkes Zeichen von Hischier und für den Zusammenhalt und den Spirit im Team. «Wir sagen nicht nur immer, dass wir eine coole Gruppe sind und eine coole Zeit zusammen haben, das ist wirklich der Fall», so Hischier. Diese Atmosphäre sei ein Grund dafür, dass viele Spieler jedes Jahr in die Nationalmannschaft kommen.
2024 brauchte Hischier Zeit, um die Finalniederlage gegen Tschechien zu verarbeiten, damals war er beim entscheidenden Spiel mittendrin. Nun, nachdem der Gold-Traum gegen die USA platzte, war die Verarbeitung für ihn aufgrund seines Fehlens in den Final-Spielen etwas anders.
Er sagt: «Wenn man selber spielt, denkt man schnell mal darüber nach, was man in welchen Situationen vielleicht hätte anders machen können, um den Match zu gewinnen.» Nun sei es extrem hart gewesen, alle nach der zweiten Finalniederlage so zu sehen, vor allem auch, weil sie wussten, dass es das letzte Spiel von Andres Ambühl war.
«Es war sehr emotional, doch ich wollte relativ schnell eine andere Rolle einnehmen, zu den enttäuschten Kollegen gehen, mit ihnen reden und versuchen, sie ein wenig aufzustellen.»
Tempi passati. Denn nun stehen die Olympischen Spiele an, die auch für den Walliser ein Highlight sind. Er sagt: «Ich freue mich enorm! So etwas habe ich noch nie erlebt und für einen Athleten sind Olympische Spiele ein riesiges Erlebnis.» Und wie an jedem Turnier gehört die Schweiz nach ihren erfolgreichen letzten Jahren auch in Italien zum Favoritenkreis.
Hischier gibt sich bescheiden und relativiert: «Ich würde eher sagen: Wir sind ein gutes Team, ein sehr gutes Team, und wir müssen uns vor niemandem verstecken. Das Level ist enorm gestiegen, das Eishockey hat sich so entwickelt, dass fast jeder gewinnen kann. Auch wenn es logischerweise Favoriten gibt und sich Olympische Spiele und Weltmeisterschaften auch ein wenig unterscheiden.»
«Es gibt ein paar Monster-Teams»
Gerade die Kanadier, am 13. Februar der zweite Vorrundengegner der Schweizer, verfügen mit ihren NHL-Stars über ein unglaublich starkes Kader, aber auch die anderen Nationen sind nicht zu unterschätzen. «Es gibt ein paar Monster-Teams», findet auch New-Jersey-Captain Hischier.
«Das ist ein Fakt und anders als bei einer WM, wo beispielsweise die Kanadier meistens mit einem sehr guten Team antreten, aber noch eine viel bessere Aufstellung haben könnten. Aber wir müssen uns nicht verstecken und können vielleicht unseren Team- und Kampfgeist als Vorteil nützen. Am Ende ist der Sport unberechenbar.»
Olympia wird so zum nächsten Höhepunkt in der Ära von Nationaltrainer Patrick Fischer, die nach der Heim-WM in Zürich und Fribourg endet. Bei Hischier sorgt der Entscheid des Headcoaches für gemischte Gefühle, wie er erklärt. «Einerseits akzeptiert man es, es ist sein Entscheid. Andererseits bin ich schon auch ein wenig traurig. Was Fischi mit dem Team kreiert und für unser Eishockey gemacht hat, ist unglaublich.»
Er könne stolz auf sich sein, «und ich habe Freude für ihn, für alles, was er erreicht und erlebt hat». Es sei eine coole Zeit gewesen, und er denke, dass der bevorstehende Abgang vielleicht auch noch eine Extramotivation für die zwei kommenden Turniere sein könnte.
Und weiter: «In diesen Jahren haben wir auch eine spezielle Beziehung zu ihm aufgebaut und wissen, dass wir einander auch in Zukunft sicher sehen werden. Wenn man will, kann man ihn immer anrufen und vielleicht auch mal etwas zusammen trinken gehen. Fischi ist ein sehr authentischer Mensch und cooler Charakter. Ich hatte es sehr gut mit ihm.»
Immer gerne in der Nati
Dass die Spieler mit Jan Cadieux den Nachfolger Fischers bereits kennen, wertet Hischier positiv. «Es war ein Entscheid, hinter dem wir Spieler sicher stehen können. Und es hilft natürlich, wenn er jetzt schon involviert ist», erklärt der Walliser, der in der Nationalmannschaft zu den Leistungsträgern und Leader-Persönlichkeiten gehört. Aufgrund des Trainerwechsels umso wichtiger ist nun auch die wohl grösste und einzigartige Hinterlassenschaft von Patrick Fischer, nämlich dass alle Spieler gerne kommen.
«Für mich war eigentlich immer klar, dass ich sehr gerne dabei bin, wenn ich mich körperlich und mental genügend fit fühle, um eine WM zu bestreiten», erklärt denn auch Nico Hischier. Während der Stürmer an den Olympischen Spielen dabei ist, ist seine Teilnahme an der WM 2026 im eigenen Land noch längst nicht sicher. Nicht weil er etwas Besseres geplant hat, sondern weil er hofft, dass er in jener Zeit noch mit den New Jersey Devils in den Playoffs der NHL engagiert ist.
Nati-Trainer Patrick Fischer über Nico Hischier
«Bei Nico wusste man schon in jungen Jahren, dass er extrem talentiert ist. Dies gilt einerseits für den spielerischen Bereich, andererseits war er schon früh extrem reif. Er verfügte bereits mit 17 oder 18 Jahren über ein ausgeprägtes Team-Feeling. Er schaute auf die anderen, wollte, dass es allen gut geht und war auf eine ruhige Art und Weise der Captain. Es ist eine Eigenschaft, über die andere vielleicht erst mit 24, 25 oder 26 Jahren verfügen.
Die Saison 2024/25 war lang und hart, Nico zog sich dann an der WM die Knieverletzung zu und hätte in die Ferien gehen können. Aber er wollte bei der Mannschaft bleiben, die Jungs unterstützen, hat an allen Ecken und Enden geholfen und beispielsweise im Hintergrund das Erinnerungsbuch für Andres Ambühl organisiert. Das ist Nico. Er stellt sich in den Dienst der Mannschaft und führt durch seine Taten.»
Wenn er die Heim-WM bestreiten könnte, würde das im Gegenzug heissen, dass seine Saison mit den Devils bereits vorbei wäre, was natürlich nicht nach dem Geschmack des Stürmers wäre. «Doch wenn dies dennoch der Fall wäre und ich auch gesund bin und alles drumherum stimmt, bin ich sicher sehr gerne dabei», erklärt Hischier, der in dieser Saison bislang der produktivste Schweizer in der besten Eishockeyliga der Welt war.
Ob es die Devils in die Playoffs schaffen, ist aktuell fraglich. Das Team hatte mit zahlreichen Verletzungen zu kämpfen und befindet sich auf der Suche nach Konstanz. Wie immer ist dagegen der Stellenwert von Hischier, einem Schlüsselspieler im Team.
«Ich werte meine Saison nicht aufgrund von Skorerpunkten, bin im Grossen und Ganzen aber zufrieden, wie ich momentan spiele. Ich versuche einfach, in jedem Spiel dem Team etwas zu geben und zu helfen, auch wenn es mir nicht immer gelingt», sagt er und ergänzt, dass er als Captain das Team wieder aufzubauen probiere.
Wie das? «Ich suche die Konversation mit dem Team. Wichtig ist, dass man gerade in solchen Situationen den Stock nicht zu fest in die Hand nimmt, sondern relaxt ist und versucht, das Spiel zu vereinfachen. Nicht zu kompliziert zu spielen, sondern zurück zu den Grundregeln geht, einen ganz einfachen Spielplan verfolgt und versucht, diesen 60 Minuten durchzuziehen.»

Das tönt ebenso einfach und ebenso logisch wie die Antwort auf die Frage, was sich Nico Hischier fürs Jahr 2026 wünschen würde, wenn er könnte. Da antwortet der Walliser: «Das wäre sicher eine Medaille an den Olympischen Spielen und der Gewinn des Stanley Cup, dazu kommen die Gesundheit und auch die Zufriedenheit.»
Der Triumph im Stanley Cup würde bedeuten, dass die anderen Schweizer ohne den Stürmer der New Jersey Devils Patrick Fischer zum Abschied WM-Gold bescheren müssten. Deshalb habe er die WM nicht erwähnt, erklärt Hischier schmunzelnd und fügt dann an:
«Sollte es 2026 mit dem Stanley Cup nicht klappen, würde ich mir selbstverständlich den WM-Titel wünschen. Die Ziele gehen mir definitiv nicht aus.»
















