Rugby

Rugby-Tag: Mit aller Härte, aber immer fair!

Sébastian Lavoyer
Sébastian Lavoyer

Bern,

Am vergangenen Wochenende stand auf der Berner Allmend Rugby im Zentrum. Der BärnerBär war dabei.

Die Berner Rugby-Spielerinnen sind von den Baslerinnen nicht zu stoppen.
Die Berner Rugby-Spielerinnen sind von den Baslerinnen nicht zu stoppen. - Daniel Zaugg

Wenn sich die Rugby-Familie in Bern trifft, kann es auch einmal ruppig werden. Nicht nur auf dem Pitch, dem Spielfeld, wird gnadenlos getackelt – schon davor fliegen die Worte tief.

Während sich die Männer des Rugby Club Bern und von Rugby Union Zürich aufwärmen, unterhalten sich zwei Spieler der beiden Mannschaften freundschaftlich. Plötzlich ruft ein Berner dem Zürcher zu: «Geh dich einwärmen, du dickes Schwein.» Im Scherz, versteht sich.

So hart es körperlich zur Sache geht, zuoberst steht im Rugby das Fairplay. Man sieht und spürt es an diesem sonnigen Samstag Mitte April auf der Grossen Allmend.

Für den Rugby Day des Nordwestschweizer Rugby-Verbands hat sich die Deutschschweizer Szene versammelt – Spieler, Funktionäre, Familien.

Rugby
Für den Rugby Day des Nordwestschweizer Rugby-Verbands hat sich die Deutschschweizer Szene versammelt. - Daniel Zaugg

Am Morgen gehört das Feld den Jüngsten. Auf dem Nebenplatz spielen U8-, U10- und U12-Teams in Turnierform gegeneinander. Ranglisten gibt es keine. Tabellen auch nicht. Und weil viele Clubs zu wenige Spieler stellen können, werden die Teams kurzerhand gemischt.

«Alle Klubs melden im Voraus, wie viele Spieler kommen», erklärt Claudia Ricklin, in Bern für den Nachwuchs zuständig. «Dann schaut man, dass sie 50 bis 60 Minuten in vier bis fünf Partien spielen können.»

Entscheidend ist nicht das Resultat, sondern dass alle zum Einsatz kommen.

Bratwürste, Bier und berühmter Chor

Um 13 Uhr gehört der Hauptplatz den Frauen. Die Entente Red Wolves trifft auf den Rugby Football Club Basel.

Daneben stehen drei Pavillons, das Zentrum des Geschehens: Merchandise hier, Festbänke dort. 280 Bratwürste und 360 Biere hat der Club vorbereitet. Schon Mitte Nachmittag gehen die Vorräte sichtbar zur Neige.

Es ist ein Indikator dafür, dass dieser Rugby-Tag funktioniert – nicht nur sportlich, sondern auch als gesellschaftlicher Anlass. Die Bernerinnen gewinnen mit 31:22. Es ist erst ihr zweiter Sieg nach dem Aufstieg in die höchste Liga. Noch stehen sie am Tabellenende, doch der Abstand zu Basel schmilzt.

Nach dem Spiel der Frauen und vor jenem der Herren tritt der London Welsh Rugby Club Choir auf. Männer in weissen Hemden, viele von ihnen ehemalige Spieler, singen walisische Lieder.

Choir
Der London Welsh Rugby Club Choir begeistert am Rugby Day auf der Allmend in Bern. - Daniel Zaugg

Ihre Stimmen tragen über die Allmend, während auf dem Feld bereits die Männer ihre letzten Sprints absolvieren. Der Chor ist weit mehr als Folklore. Er steht für die Verbindung von Rugby und Kultur, für eine Tradition, die weit über den Sport hinausgeht.

Aufgetreten sind die Sänger schon vor Zehntausenden von Zuschauern – etwa im Stadio Olimpico in Rom beim Six Nations Turnier 2025. Gar ein Milliarden-Publikum erreichten die alten Herren mit ihrem Auftritt an der Schlussfeier der Olympischen Spiele 2012 in London.

«Ich habe meiner Freundin eben ein Video geschickt», sagt ein Anhänger der Zürcher Gäste zu einem anderen, «sie hat kaum geglaubt, dass die hier singen.»

Die Berner wollen wieder ganz nach oben

Dann beginnt das Spiel. Referee Paul Timmins gibt die Partie frei, der Ball fliegt per Dropkick ins Feld. Die Berner starten stark, erzielen früh einen Try – legen den Ball hinter der gegnerischen Linie ab – und verwandeln kurz darauf die Conversion, den Zusatzkick.

Interessierst du dich für Rugby?

7:0 gehen sie in Führung. Am Spielfeldrand steht Moritz Aebersold. Präsident des Rugby Club Bern und des Regionalverbands.

«Wir wollen mit Frauen und Männern wieder in die höchste Liga», sagt er. Doch der Weg dorthin ist lang. «Es reichen nicht fünf oder sechs gute Spieler. Du brauchst 30, die dieses Niveau haben können.»

Es ist ein Satz, der eigentlich alles sagt über die Realität des Rugbys in Bern. Während die Frauen auf diese Saison hin in die höchste Spielklasse aufgestiegen sind, kämpfen die Männer in der LNB um den Anschluss.

Was es braucht, um wieder ganz nach oben zu kommen, ist für Aebersold klar: mehr und besseren Nachwuchs. «Wir wollen möglichst viele Junioren zum Rugby bringen – und sie auch behalten», sagt Aebersold.

Als Vorbild dient Zürich. Dort haben mehrere Clubs gemeinsam die Rugby Academy Zürich aufgebaut und die Kräfte gebündelt.

rugby
Die Berner (in rot) bezwingen die Zürcher mit 34:21. - Daniel Zaugg

Mit gezielten Investitionen und starker Präsenz – auch in den sozialen Medien – ist es gelungen, Nachwuchsarbeit sichtbar und attraktiv zu machen. In Bern versucht man, aufzuholen. Mit Programmen wie «Rugby@School», wo Spieler in die Schulen gehen oder Lehrerinnen ausbilden.

Jährlich lädt der Club dann die Schülerinnen und Schüler zu einem Turnier auf der Grossen Allmend ein (17. Juni 2026). Egal, wie schwer der Weg, egal, wie hart das Tackle des Gegners – eines ist für Aebersold gewiss: «Rugby ist mehr als ein Spiel. Bei uns geht es um Werte, um die Gemeinschaft.»

Ein Sieg – und ein klares Ziel

Wer letzten Samstag auf der Grossen Allmend war, weiss, dass dies mehr als grosse Worte sind. Die Rugby-Gemeinschaft lebt. So gross der Einsatz, so gross der gegenseitige Respekt.

Es ist so etwas wie die Krönung, dass die Berner Männer das Duell gegen Rugby Union Zürich mit 34:21 für sich entscheiden.

Tatsache ist aber auch, dass es erst der vierte Saisonsieg ist im 13. Spiel. Bern bleibt auf Platz 7 (von acht Mannschaften). Der Weg ist noch weit, aber das Ziel ist klar.

Mehr zum Thema:

Kommentare

Weiterlesen

Saskia Maurer SCB BärnerBär
2 Interaktionen
Goalie der SC Bern Frauen
Seifenkisten
Seifenkisten
Choir
«Reisst alle mit!»

MEHR RUGBY

Josaia Raisuqe
Von Zug erfasst
bill kaulitz
4 Interaktionen
Name geheim
Argentinien besiegt

MEHR AUS STADT BERN

Polizei
1 Interaktionen
Personalmangel
Die Mobiliar Päckli
Jubiläumsjahr
Stucki Walter AG
Stucki Walter AG
CUBE
An der BEA