Kurz vor dem Start in die finale Olympia-Qualifikation sorgt der Deutsche Schwimm-Verband rund um eine Führungsposition für Aufsehen. Nur einen Tag nach der Bekanntgabe des neuen Leistungssportdirektors gibt es überraschend die Kehrtwende.
Nur einen Tag nach der Bekanntgabe des neuen Leistungssportdirektors gab es beim Deutschen Schwimm-Verband überraschend die Kehrtwende. Foto: Peter Endig/dpa-Zentralbild/dpa
Nur einen Tag nach der Bekanntgabe des neuen Leistungssportdirektors gab es beim Deutschen Schwimm-Verband überraschend die Kehrtwende. Foto: Peter Endig/dpa-Zentralbild/dpa - dpa-infocom GmbH

Das Wichtigste in Kürze

  • Bei der Neubesetzung des Leistungssportdirektor-Postens hat der Deutsche Schwimm-Verband eine überraschende Kehrtwende vorgenommen.

Einen Tag nach der Bekanntgabe des ehemaligen Wasserball-Nationalspielers Dirk Klingenberg als Interimsmanager in diesem Amt verkündete der Verband einen «Kurswechsel». Hintergrund sei «ein frivoler Bericht aus der Vergangenheit Klingenbergs». Das sei, obwohl kein juristisches Fehlverhalten vorliege, mit «den hohen moralischen Ansprüchen des Spitzenverbandes nicht vereinbar», hiess es in der Mitteilung.

«Wir haben uns gemeinsam mit Herrn Klingenberg offen zu den entstandenen Diskussionen ausgetauscht und sind auch gemeinsam zu dem Schluss gekommen, dass er im Sinne des Verbandes den Posten des Sportdirektors nicht antreten wird», sagte DSV-Präsident Marco Troll wenige Tage vor dem Start der finalen Olympia-Qualifikation der Beckenschwimmer. Details zum Bericht wurden nicht genannt.

Klingenberg zeigte sich enttäuscht. «Ich bedauere es nun sehr, dass der DSV nur 24 Stunden nach meiner Besetzung diesen Vorgang wieder rückgängig gemacht hat», sagte er. «Ich muss die Entscheidung so zur Kenntnis nehmen, möchte aber ausdrücklich darauf hinweisen, dass ich mich in keinster Weise zu keinem Zeitpunkt in meiner langjährigen Karriere als Sportler, Manager oder Berater einem Vergehen juristisch schuldig gemacht habe, dass solch ein Handeln durch den DSV legitimieren würde.»

Bei der Verkündung von Klingenberg hatte der Verband das seit Wochen offene Geheimnis der Freistellung des vorherigen Leistungssportdirektors Thomas Kurschilgen erstmals bestätigt. Wie der Posten nun besetzt werden soll, ist offen.

Klingenberg war auf die Empfehlung einer Unternehmensberatung ausgewählt worden. Diese soll den Verband auch in einer als «Zukunftsprozess DSV 2026» bezeichneten strategischen Neuausrichtung beratend unterstützen. «Um die geplanten Prozesse möglichst wirkungsvoll und reibungslos in Gang zu setzen, sollte jeder Schuss sitzen. Deswegen wollen wir uns noch einmal etwas Zeit nehmen und Alternativen zum ersten Personalvorschlag prüfen, um auch für diese Übergangslösung eine bestmögliche Aufstellung zu gewährleisten», sagte Michael Rosenbaum, Geschäftsführer der Unternehmensberatung.

Nachdem die Neubesetzung der Kurschilgen-Nachfolge in diesem Fall nicht glückte, ist der Druck auf den Verband gewachsen. Und das in ohnehin turbulenten Zeiten.

Denn abseits der Neubesetzung der Personalie des Leistungssportdirektors beschäftigt die DSV-Verantwortlichen auch der Fall um den ehemaligen Freiwasser-Bundestrainer Stefan Lurz. Missbrauchsvorwürfe gegen diesen haben den Verband erschüttert. Die Staatsanwaltschaft Würzburg ermittelt wegen des Vorwurfs des sexuellen Missbrauchs von Schutzbefohlenen. Er selbst bestreitet die Vorwürfe.

Nun soll der Sport im Fokus stehen. Bis zum 18. April geht es in mehreren Wettkämpfen um die letzten Olympia-Tickets. Acht deutsche Schwimmer mit Wellbrock an der Spitze haben sich bereits für den grossen Höhepunkt qualifiziert.

Mehr zum Thema:

Olympia 2021