Italien steht bei dieser EM für schönen Fussball und Erfolg. Die Mischung aus Routiniers und Talenten soll die Azzurri nach Meinung der Fans bis ins EM-Finale führen. Doch im Vergleich zu den grossen Turnier-Favoriten fehlt der Squadra Azzurra vor allem eines.
Giorgio Chiellini
Giorgio Chiellini im Zweikampf mit Haris Seferovic beim Länderspiel gegen die Schweiz. - dpa-infocom GmbH

Das Wichtigste in Kürze

  • Österreich oder die Ukraine, Belgien und dann Frankreich: Der mögliche Weg bis ins EM-Endspiel im Wembley-Stadion steht für Italiens Fussball-Nationalmannschaft nach Ansicht der Medien in dem Land schon vor dem Ende der Gruppenphase fest.

Doch während sich die Zeitungen mit den Gegnern in der K.o-Phase beschäftigen, konzentriert sich die Mannschaft von Roberto Mancini erst einmal auf das letzte Gruppenspiel gegen Wales am Sonntag (18.00 Uhr/ZDF und Magenta TV). «Wir sind im Achtelfinale, jetzt wollen wir Gruppensieger werden», sagte Kapitän Giorgio Chiellini «uefa.com». «Dann sehen wir weiter.» Für Platz eins in der Gruppe A würde bereits ein Zähler genügen.

Dass der Weg bis ins Endspiel bei Platz zwei in der Vorrunde leichter werden könnte, beschäftigt das Team nicht. «Wir spielen, um zu gewinnen. Das ist unser Prinzip, daran halten wir fest», sagte Mancini. Stürmer Andrea Belotti ergänzte: «Es ist normal, dass stärkere Mannschaften kommen. Aber das wird so oder so passieren.»

«Keine Angst vor solchen Teams»

Der zweite EM-Titel nach 1968 scheint für die Squadra Azzurra nach den mitreissenden Auftritten in der Vorrunde so oder so möglich. Angst vor Duellen mit grossen Teams hat die Mannschaft jedenfalls nicht. «Es werden schwierigere Spiele und stärkere Gegner kommen, aber wir sind bereit», sagte Chiellini. Offensivspieler Federico Chiesa ergänzte: «Wir sind an einem Punkt, wo wir keine Angst vor solchen Teams haben müssen, im Gegenteil, wir wollen gegen sie spielen.» Doch wie gross ist die Chance auf den Titel tatsächlich, wo liegen Stärken und Schwächen der bislang so stark aufspielenden italienischen Elf?

Vergleicht man die Marktwerte der EM-Teilnehmer, dürfte es für Italien maximal zum Einzug ins Viertelfinale reichen. Ein grosser Star fehlt im Team, Profis wie Domenico Berardi oder Manuel Locatelli von Sassuolo Calcio sind international weitgehend unbekannt. Doch was schon vor dem Turnier betont wurde, haben die bisherigen Auftritte bewiesen: Die italienische Stärke liegt im Teamgeist, Mancini hat der Elf Struktur und einen Plan gegeben. «Es gibt eine positive Energie im Team, die über die elf Spieler auf dem Platz hinausgeht», sagte Chiellini. «Diese Mannschaft entwickelt sich von Spiel zu Spiel.»

Die Azzurri scheinen auf allen Positionen gleich stark besetzt, und das auch über die erste Elf hinaus. Es gibt keinen Spieler im Kader, der nicht zu ersetzen wäre. «Es gibt ein grosses Gleichgewicht. Jeder, der in die Mannschaft kommt, kann sich gut einbringen», sagte Chiellini, der gegen Wales wohl verletzt fehlen und damit wie eine Reihe von Stammspielern eine Pause erhalten wird. Auf sechs bis sieben Positionen könnte Mancini seine Startelf verändern - mit Spannung wird erwartet, wie das Ersatz-Team auftritt. «Wir brauchen frische Spieler», sagte der 56-jährige Mancini, der auch ein Comeback des lange verletzten Marco Verratti ankündigte.

Mancinis grosser Anteil am Erfolg ist unbestritten. Der 56-Jährige übernahm das Team am Tiefpunkt nach der verpassten WM 2018, formte eine Elf aus erfahrenen Routiniers und jungen Talenten und etablierte einen neuen Offensiv-Stil. Seit 29 Spielen ist das Team unter ihm ungeschlagen, zuletzt gelangen zehn Siege in Serie mit 31:0 Toren. Mancini sagte aber, dass ihm die Defensivstärke, für die Italien lange bekannt war, genauso wichtig sei: «Die Defensive ist immer fundamental. Aber es braucht eine Balance. Wir haben versucht, die Mentalität zu ändern und offensiver zu spielen.»

Den Achtelfinal-Einzug bereits sicher, so ging Italien auch bei der EM 2016 in das letzte Vorrunden-Spiel. Der damalige Coach Antonio Conte rotierte, prompt gab es ein 0:1 gegen Irland. Für den weiteren Turnierverlauf hatte das jedoch keine Auswirkungen: Italien gewann das Achtelfinale gegen Spanien und scheiterte im Viertelfinale erst im Elfmeterschiessen an Deutschland. Einen Stimmungsdämpfer zum Vorrunden-Abschluss hat das aktuelle Team ohnehin nicht eingeplant: «Wir wollen gut spielen und gewinnen», kündigte Mancini an.

Die voraussichtlichen Aufstellungen:

: 21 Donnarumma - 2 Di Lorenzo, 19 Bonucci, 15 Acerbi, 13 Emerson - 5 Locatelli, 8 Jorginho, 6 Verratti - 14 Chiesa, 9 Belotti, 10 Insigne

: 12 Ward - 14 Roberts, 22 Mepham, 6 Rodon, 4 B. Davies - 16 Morrell, 7 Allen, 10 Ramsey - 11 Bale, 13 Moore, 20 D. James

: Ovidiu Haţegan (Rumänien)

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