Von Graffenried zur Nachtdemo: «Aussagen waren missverständlich»
Gehört Sachschaden zu einer Party? Die SVP kritisiert den Stadtberner Sicherheitsdirektor für dessen Wortwahl. Nun reagiert dieser im BärnerBär-Interview.

Das Wichtigste in Kürze
- Bei der Nachtdemo mit Sachschaden sei es «um Fun» gegangen, sagt Alec von Graffenried.
- Die Aussage des Sicherheitsdirektors sorgt für harsche Kritik.
- Nun räumt dieser ein, seine Aussagen seien missverständlich gewesen.
Für den Stadtberner Sicherheitsdirektor Alec von Graffenried ging es um «eine Party, um Fun». Doch diese Einordung der unbewilligten Kundgebung am Wochenende sorgte umgehend für Kontroversen. Nun relativiert er im Interview mit dem BärnerBär und räumt ein: «Meine Aussagen waren missverständlich.»
In der Nacht auf Sonntag hatten sich beim Gaswerkareal mehrere hundert Personen zu einer Demo versammelt. Via Sulgenauquartier und Bahnhof zogen sie zur Schützenmatte. Gemäss Polizeiangaben kam es zu Sachschäden in der Höhe von mehreren zehntausend Franken.
SVP: «Sicherheitsdirektor bagatellisiert»
Die Anliegen der Demonstrierenden erstreckten sich von Kritik an Angriffskriegen bis zum Verlust an «solidarischen Räumen».
«Nach meiner Einschätzung wurden wenig Inhalte transportiert», sagt von Graffenried gegenüber der «Berner Zeitung». Doch Kritik hagelt es primär wegen der Aussage, es sei eine «Party» gewesen mit Einzelnen, die «ausgetickt» seien.

«Der Sicherheitsdirektor bagatellisiert trotz Sachschaden», schimpft die Stadtberner SVP. Wie schon nach den Ausschreitungen bei der Gaza-Demo im Herbst beantragt sie eine Diskussion im Stadtrat.
Und hofft, dass «zumindest Alec von Graffenried die persönlichen Konsequenzen aus seinen Worten zieht.» Denn dieser sei nicht mehr tragbar.

BärnerBär: Die SVP spricht von Bagatellisierung, wenn man die Kundgebung als «Party» mit einzelnen austickenden Teilnehmenden bezeichne. Haben Sie Verständnis dafür, dass Ihre Aussagen so verstanden werden können?
Alec von Graffenried: Meine Aussagen waren missverständlich. Ich lehne Gewalt in jeder Form ab und verurteile die entstandenen Sachbeschädigungen in jedem Fall. Es ist verwerflich, wenn eine Minderheit so austickt.
Bezüglich der Mehrzahl der Teilnehmenden hatte ich darauf hingewiesen, dass es sich um einen Umzug mit Partycharakter im Sinne einer «Sauvage» gehandelt habe und solche Umzüge finden ab und zu statt. Dies jedoch ohne, dass eine Minderheit im Schutze der friedlichen Teilnehmenden Straftaten begeht, wie das am Samstag passiert ist.

BärnerBär: Ist die Vorhaltung korrekt, dass die Demonstranten von der Polizei lediglich «eskortiert» wurden?
Alec von Graffenried: Die Demo war nicht angekündigt und somit unbewilligt. Die Kantonspolizei Bern war vor Ort und es ist stets ein Abwägen ihrerseits, ob eine Kundgebung aufgelöst werden soll oder nicht. Die Polizei hat aber nicht «lediglich eskortiert», sie hat auch sensible Gebäude wie Botschaften geschützt.
BärnerBär: Was ist Ihre Antwort auf die indirekte Rücktrittsforderung («ist nicht mehr tragbar») durch die SVP?
Alec von Graffenried: No comment, aber Kritik einzustecken gehört zum Job.








