Von Graffenried zur Nachtdemo: «Aussagen waren missverständlich»

Matthias Bärlocher
Matthias Bärlocher

Bern,

Gehört Sachschaden zu einer Party? Die SVP kritisiert den Stadtberner Sicherheitsdirektor für dessen Wortwahl. Nun reagiert dieser im BärnerBär-Interview.

Pyros Spontankundgebung Gaswerk-Areal
Mit Pyros und antifaschistischen Parolen zog die Spontankundgebung in der Nacht auf Sonntag am Bahnhof vorbei. - Screenshot barrikade.info

Das Wichtigste in Kürze

  • Bei der Nachtdemo mit Sachschaden sei es «um Fun» gegangen, sagt Alec von Graffenried.
  • Die Aussage des Sicherheitsdirektors sorgt für harsche Kritik.
  • Nun räumt dieser ein, seine Aussagen seien missverständlich gewesen.

Für den Stadtberner Sicherheitsdirektor Alec von Graffenried ging es um «eine Party, um Fun». Doch diese Einordung der unbewilligten Kundgebung am Wochenende sorgte umgehend für Kontroversen. Nun relativiert er im Interview mit dem BärnerBär und räumt ein: «Meine Aussagen waren missverständlich.»

In der Nacht auf Sonntag hatten sich beim Gaswerkareal mehrere hundert Personen zu einer Demo versammelt. Via Sulgenauquartier und Bahnhof zogen sie zur Schützenmatte. Gemäss Polizeiangaben kam es zu Sachschäden in der Höhe von mehreren zehntausend Franken.

SVP: «Sicherheitsdirektor bagatellisiert»

Die Anliegen der Demonstrierenden erstreckten sich von Kritik an Angriffskriegen bis zum Verlust an «solidarischen Räumen».

«Nach meiner Einschätzung wurden wenig Inhalte transportiert», sagt von Graffenried gegenüber der «Berner Zeitung». Doch Kritik hagelt es primär wegen der Aussage, es sei eine «Party» gewesen mit Einzelnen, die «ausgetickt» seien.

Alexander Feuz Thomas Fuchs
Die Stadtberner SVP mit Fraktions-Co-Präsident Alexander Feuz (links) und Parteipräsident Thomas Fuchs (rechts) kritisiert den Sicherheitsdirektor Alec von Graffenried (GFL). - gr.be.ch / stadtrat.bern.ch

«Der Sicherheitsdirektor bagatellisiert trotz Sachschaden», schimpft die Stadtberner SVP. Wie schon nach den Ausschreitungen bei der Gaza-Demo im Herbst beantragt sie eine Diskussion im Stadtrat.

Und hofft, dass «zumindest Alec von Graffenried die persönlichen Konsequenzen aus seinen Worten zieht.» Denn dieser sei nicht mehr tragbar.

Alec von Graffenried
Der stadtberner Sicherheitsdirektor Alec von Graffenried äussert sich während der Stadrats-Debatte über die Ausschreitungen während der unbewilligten Demonstration zum Krieg in Gaza. - keystone

BärnerBär: Die SVP spricht von Bagatellisierung, wenn man die Kundgebung als «Party» mit einzelnen austickenden Teilnehmenden bezeichne. Haben Sie Verständnis dafür, dass Ihre Aussagen so verstanden werden können?

Alec von Graffenried: Meine Aussagen waren missverständlich. Ich lehne Gewalt in jeder Form ab und verurteile die entstandenen Sachbeschädigungen in jedem Fall. Es ist verwerflich, wenn eine Minderheit so austickt.

Bezüglich der Mehrzahl der Teilnehmenden hatte ich darauf hingewiesen, dass es sich um einen Umzug mit Partycharakter im Sinne einer «Sauvage» gehandelt habe und solche Umzüge finden ab und zu statt. Dies jedoch ohne, dass eine Minderheit im Schutze der friedlichen Teilnehmenden Straftaten begeht, wie das am Samstag passiert ist.

Axa-Versicherung Sachbeschädigung
Beim Gebäude der Axa-Versicherung an der Laupenstrasse kam es zu grossen Sachschäden. - Screenshot barrikade.info

BärnerBär: Ist die Vorhaltung korrekt, dass die Demonstranten von der Polizei lediglich «eskortiert» wurden?

Alec von Graffenried: Die Demo war nicht angekündigt und somit unbewilligt. Die Kantonspolizei Bern war vor Ort und es ist stets ein Abwägen ihrerseits, ob eine Kundgebung aufgelöst werden soll oder nicht. Die Polizei hat aber nicht «lediglich eskortiert», sie hat auch sensible Gebäude wie Botschaften geschützt.

BärnerBär: Was ist Ihre Antwort auf die indirekte Rücktrittsforderung («ist nicht mehr tragbar») durch die SVP?

Alec von Graffenried: No comment, aber Kritik einzustecken gehört zum Job.

Kommentare

User #4678 (nicht angemeldet)

Immer dasselbe Spiel, gedeckt durch die linksgrünen Regierungsmitglieder. Sachbeschädigungen und Gewalt gegen Beamte. Dabei weiss man schon lange woher die Verursacher kommen und wo man sie holen könnte. Aber nein man zahlt ihnen sogar noch Geld zum Unterhalt Ihres Lokales, den Schandfleck von Bern.

User #5705 (nicht angemeldet)

Waren nicht missverstanden sondern gezielt gemeint

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