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    SVP will Entsorgungs-Coupons zurück – Stadt Zürich warnt vor Kosten

    Clarissa Rohrbach
    Clarissa Rohrbach

    Zürich,

    Die SVP erzwingt in Zürich eine Volksabstimmung zur Wiedereinführung der Entsorgungs-Coupons. Die Stadt warnt vor den Kosten.

    Abfall
    Die Menge an illegal entsorgtem Abfall hat gemäss Entsorgung und Recycling Zürich seit 2017 um 57 Prozent zugenommen. - CLA

    Das Wichtigste in Kürze

    • Die SVP will in Zürich die Wiedereinführung der Entsorgungs-Coupons.
    • Mit einer Volksinitiative hat die Partei nun eine Abstimmung an der Urne erzwungen.
    • Die Stadt Zürich warnt bei einer Wiedereinführung der Entsorgungs-Coupons vor hohen Kosten.

    Selten hat ein Thema in der Stadt Zürich eine solche Kontroverse ausgelöst: Als Stadträtin Simone Brander die Entsorgungscoupons auf den 1. Mai 2025 abschaffte, gab es einen Aufschrei.

    Zuvor erhielt jeder Haushalt vier Gutscheine, mit denen man 400 Kilogramm Sperrmüll gratis in den Recyclinghöfen Werdhölzli und Looächer entsorgen konnte. Nun kosten 100 Kilogramm Sperrgut 22,70 Franken.

    Im Gemeinderat reichten Parteien von links bis rechts Vorstösse ein, um die Coupons zu retten, doch Brander blieb hart. Nun hat die SVP mit einer Volksinitiative eine Abstimmung an der Urne erzwungen. Von 3618 eingereichten Unterschriften sind mindestens 3089 gültig.

    Die Stadt schaffte die Coupons mit Blick auf ihr neues Entsorgungsregime ab. Neu hält ein Mobiler Recyclinghof werktags zwischen 15 und 19 Uhr an 32 Standorten in den Quartieren.

    Simone Brander
    Simone Brander ist Vorsteherin des Tiefbau- und Entsorgungsdepartements. - keystone

    Dort kann die Bevölkerung Sperrgut kostenlos entsorgen. Die Anfahrt mit dem Auto ist allerdings verboten. Stattdessen stehen Handwagen zur Verfügung, mit denen die Anwohnenden ihr Sperrgut zu Fuss entsorgen sollen. Damit sollen der Autoverkehr und der Abfall vermindert werden.

    Entsorgungs-Coupons
    Entsorgungs-Coupons von Entsorgung und Recycling Zürich (ERZ). - keystone

    Für die SVP ist dies absurd. «Der Mobile Recyclinghof ist nicht schlecht, um kleinere Sachen zu entsorgen, doch für grossen Sperrmüll ist er untauglich», sagt Ueli Bamert, Co-Präsident der SVP Stadt Zürich und Kantonsrat.

    Er sieht im Vorgehen der Stadt eine «staatliche Umerziehung». «Wir wehren uns gegen den utopischen Versuch von Stadträtin Brander, der Bevölkerung das Autofahren zu verleiden.» Jeder solle selber entscheiden, wie er sich fortbewegen will.

    bamert parkplatz kompromiss
    «Der Mobile Recyclinghof ist nicht schlecht, um kleinere Sachen zu entsorgen, doch für grossen Sperrmüll ist er untauglich», so Ueli Bamert, Co-Präsident der SVP Stadt Zürich und Kantonsrat. - keystone

    Die Unterschriftensammlung habe gezeigt, dass die Coupons einem Bedürfnis entsprächen. Ausserdem laufe die Strategie des Stadtrats ins Leere: Es mehrten sich Berichte über Sperrmüll auf Strassen und Trottoirs.

    «Die Coupons hatten sich etabliert. Die Initiative erleichtert der Bevölkerung das Leben und macht die Stadt wieder sauber und sicher.»

    Coupons waren nie gratis

    Aus Sicht der Stadt würde eine Wiedereinführung der Coupons eine millionenschwere Umverteilung von Entsorgungsgebühren bedeuten.

    «Die Coupons waren nie gratis und wären es auch in Zukunft nicht. Diesen Service bezahlen die Haushalte und Betriebe über Abfallgebühren», sagt Maria Colon, Sprecherin von Entsorgung + Recycling Zürich (ERZ).

    Der Stadtrat sei offen für eine Weiterentwicklung des Entsorgungsangebots, doch Coupons würden dem Umweltschutzgesetz und dem Netto-Null-Ziel widersprechen.

    Sperrgut
    Sperrgut muss korrekt entsorgt werden. (Symbolbild) - keystone

    Der Mobile Recyclinghof habe sich bewährt. Die Menge entsorgten Sperrguts steige. Im laufenden Jahr wurden pro Durchführung von 496 Nutzende 6052 Kilogramm entsorgt, 2025 waren es noch 373 Nutzende und 4418 Kilogramm.

    Gleichzeitig hat seit der Abschaffung der Coupons die Menge an Abfall in den Recyclinghöfen Looächer und Werdhölzli stark abgenommen.

    Im Mai 2025 wurden rund 600 Tonnen entsorgt, im April, als die Coupons noch gültig waren, waren es rund 1600 Tonnen, also mehr als doppelt so viel.

    Soll Zürich die Entsorgungscoupons wieder einführen?

    Gerade weil 53 Prozent der Einwohner kein Auto besitzen, geht die Stadt davon aus, dass die Anlieferungen beim Mobilen Recyclinghof teilweise den Gang zu den Recyclinghöfen ersetzen. Die Abholungen von illegal entsorgtem Abfall haben zwar seit 2017 um 57 Prozent zugenommen.

    «Es lässt sich aber kein direkter Zusammenhang mit der Verfügbarkeit von Entsorgungscoupons feststellen», sagt Colon. Gründe für illegale Entsorgung seien eher fehlende Zeit oder Transportmöglichkeiten.

    Hinweis

    Dieser Artikel ist zuerst im «Tagblatt Zürich» erschienen.

    Kommentare

    User #6142 (nicht angemeldet)

    SVP hat am 27.09. schon verloren, danke Schweiz.

    User #5735 (nicht angemeldet)

    Ich habe alle Zelte in Zürich abgebrochen. Dabei sehr viel entsorgt. Mit damals noch gültigen Entsorgungsmarken. Den Rest aus Zürich abtransportiert inkl. meines gesamten Vermögens zum Schluss noch den Mittelfinger gezeigt. Und Tschüss.

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