St. Gallen: Druck auf das Frühfranzösisch steigt
Im Kanton St. Gallen wächst der Widerstand gegen Frühfranzösisch. Alle Fraktionen fordern, dass Französisch erst ab der Oberstufe unterrichtet wird.

Mit einer Gesetzesanpassung wollen alle Fraktionen des St. Galler Kantonsrats die Verschiebung des Französischunterrichts in die Oberstufe durchsetzen. Die Regierung ist dafür, verweist aber auf das Harmos-Konkordat, das den Fremdsprachenunterricht einheitlich regelt.
Zuerst gab es eine Interpellation von drei FDP-Kantonsräten. Darin wurde die Regierung gefragt, ob sie bereit sei, «das heisse Eisen» Frühfranzösisch anzupacken.
Es folgte eine Motion aller vier Fraktionen (FDP, Mitte-EVP, SP-Grüne-GLP und SVP) des St. Galler Kantonsrats. Sie verlangen gemeinsam, dass das Gesetz so geändert wird, dass der Französischunterricht in die Oberstufe verschoben wird.
Die Einführung einer zweiten Landessprache stelle eine zusätzliche Belastung für Schülerinnen und Schüler dar, ohne nachweisbare langfristige Vorteile zu bieten. Hiess es als Begründung. Die Motion dürfte nächste Woche in der Junisession überwiesen werden.
Motion zur Verschiebung
Das Problem dabei: Der Kanton St. Gallen ist 2008 nach einer Volksabstimmung dem Harmos-Konkordat beigetreten, das den Fremdsprachenunterricht einheitlich regelt. Danach wird ab der dritten Klasse mit der ersten Fremdsprache (Englisch) begonnen.
Die zweite Fremdsprache (Französisch) folgt ab der fünften Klasse. Die Regierung sieht sich in einer Zwickmühle. Sie unterstützt die Motion, verweist aber gleichzeitig auf die «verfassungsrechtliche Harmonisierungspflicht» und hält in ihrer Stellungnahme fest: «Auf eine eigenständige, vom Harmos-Konkordat abweichende gesetzliche Regelung ist zu verzichten.»
Regierung zwischen den Fronten
Sie wolle sich aber in der Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektorinnen und -direktoren (EDK) für eine Verschiebung der zweiten Fremdsprache einsetzen. In einer Mitteilung forderte die FDP letzte Woche, die Regierung dürfe sich «nicht hinter dem Harmos-Konkordat verstecken», sollte es Widerstand aus anderen Kantonen geben.