Stadtzürcher SP soll auf Gratis-Alkohol verzichten

Keystone-SDA Regional
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Zürich,

Die SP Stadt Zürich berät am Donnerstag über ein Verbot von Gratis-Alkohol an Versammlungen. Bürgerliche Parteien können mit dem Vorstoss nichts anfangen. Die Suchthilfe-Organisation Blaues Kreuz spricht hingegen von einer wichtigen Debatte.

Soll die SP Stadt Zürich keinen Gratis-Alkohol an Versammlungen abgeben? Ein  Parteimitglied hat eine Debatte über den Umgang mit Alkohol ausgelöst. Im Bild die Versammlung über die...
Soll die SP Stadt Zürich keinen Gratis-Alkohol an Versammlungen abgeben? Ein Parteimitglied hat eine Debatte über den Umgang mit Alkohol ausgelöst. Im Bild die Versammlung über die... - KEYSTONE/GAETAN BALLY

Den Antrag gegen Gratis-Alkohol brachte Benjamin Kobelt von der Kreispartei 9 ein. Wie der «Tages-Anzeiger» kürzlich berichtete, konnte er seine Kreispartei bereits vom Verbot überzeugen. Dabei fordert der Politiker mit Suchtvergangenheit kein komplettes Verbot von Alkohol – der Verkauf von Bier und Wein zur Deckung der Veranstaltungskosten geht für ihn in Ordnung.

Es ist ein Kompromiss. Wie Kobelt in seinem Antrag ausführt, ist der Kauf eine zusätzliche Hemmschwelle für trockene Alkoholiker. Das sieht auch das Blaue Kreuz so. «Herr Kobelt hat eine wichtige Debatte begonnen», schreibt Mediensprecher Martin Bienlein auf Anfrage von Keystone-SDA. Der Antrag lasse über die Probleme des Alkohols und über dessen dauernde Präsenz und Verfügbarkeit nachdenken.

Ähnlich wie der Antragssteller argumentiert auch das Blaue Kreuz mit dem Selbstschutz für Alkoholiker. «Viele Menschen mit einer früheren oder bestehenden Alkoholabhängigkeit vermeiden Orte und Veranstaltungen, an denen Alkohol angeboten wird. Dies, damit sie nicht getriggert werden», schreibt Bienlein. Orte und Veranstaltungen ohne Alkohol seien für sie wichtig.

Gar nichts halten hingegen die Präsidenten der bürgerlichen Parteien von dem Antrag. «Schön, dass die SP keine grösseren Sorgen hat», antwortet FDP-Präsident Filippo Leutenegger knapp auf Anfrage. SVP-Präsident Domenik Ledergerber (SVP) schreibt, dass ein solches Anliegen bei seiner Partei kein Thema sei. «Wir setzen auf Eigenverantwortung statt Bevormundung. Erwachsene Menschen können selber entscheiden, ob sie Alkohol konsumieren möchten oder nicht», so Ledergerber. Ein generelles Verbot sei unnötig.

Auch einen Seitenhieb an die SP liefert Ledergerber: «Während die SP offenbar damit beschäftigt ist, ihren Mitgliedern vorzuschreiben, was sie an Parteiversammlungen trinken dürfen, konzentrieren wir uns auf die Sorgen unserer Schweizer Bürger und die politischen Herausforderungen in der Schweiz.»

Wird der Konsum von Alkohol in der Gesellschaft ausreichend kritisch beäugt?

Die Mitte zeigt sich skeptisch. Kantonalpräsidentin Tina Deplazes sagt: «Ein generelles Verbot halte ich nicht für den richtigen Weg.» Parteianlässe sollten Orte des respektvollen Austauschs sein, so Deplazes. Wer Alkohol trinken möchte, soll dies in einem angemessenen Rahmen tun können – und wer darauf verzichte, soll genauso selbstverständlich dazugehören.

«Alkohol gehört in unserer Kultur für viele Menschen dazu, aber er sollte nie im Mittelpunkt stehen. Mir ist wichtig, dass immer alkoholfreie Alternativen angeboten werden und dass verantwortungsvoll mit Alkohol umgegangen wird», sagt die Präsidentin der Mitte.

Ob der Antrag durchkommt, ist übrigens offen. Die Geschäftsleitung der SP Stadt Zürich stellt einen Gegenantrag. Sie will eine Arbeitsgruppe einsetzen, die Parteianlässe inklusiver gestalten soll. Den Antrag, sofort Gratis-Alkohol abzuschaffen, lehnt sie ab.

In der Begründung zeigt die Geschäftsleitung Verständnis für den Antrag. «SP-Veranstaltungen sollen für alle Mitglieder zugänglich sein, einen Raum bilden, in welchem sich alle wohl fühlen», heisst es.

Doch: «Die Geschäftsleitung der SP Stadt Zürich ist der Meinung, dass die Thematik der Inklusion mit einer umfassenden und tiefgreifenden Auseinandersetzung behandelt und ganzheitlich betrachtet werden muss. Dementsprechend erachtet sie ein pauschales Verbot von zur Verfügung gestellten oder verkauften Getränken an Parteiveranstaltungen als den falschen Weg.»

Es müsse darum gehen, die Situation grundlegend zu betrachten, daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen und die SP im Umgang mit Inklusion vorwärts zu bringen, schreibt die Geschäftsleitung.

Es mache keinen Sinn, überall Alkohol anzubieten, findet der Mediensprecher des Blauen Kreuzes. Die Organisation setze sich aber nicht für ein allgemeines Alkoholverbot ein. «Weniger ist besser», sei die Empfehlung. Er erinnert aber auch daran, dass «Alkohol kein normales Konsumgut» sei.

Und er gibt Empfehlungen für genussvollen Konsum von alkoholfreien Getränken ab: «Es muss nicht Orangensaft und Wasser sein. Es gibt genügend alkoholfreie Alternativen wie alkoholfreies Bier oder fermentierte Getränke, die keinen Alkohol enthalten, etwa Kombucha oder Sparkling Tea. Der Markt von alkoholfreien fermentierten Getränken ist in den letzten Jahren explodiert.»

Kommentare

User #2143 (nicht angemeldet)

Komisch und wiedersprüchlich die gleichen SP Mitglieder und Politiker der Stadt Zürich und der SP Schweiz wollen Cannabis legalisieren und Drogen wie Heroin gratis an Süchtige abgeben.

User #5819 (nicht angemeldet)

Werden dafür Seifen verteilt?

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