Stadtzürcher Parlament lehnt Interrail-Gutschein für 18-Jährige ab
Eine Woche lang mit dem Zug durch Europa reisen und das erst noch gratis: Das wollten SP und Grüne allen 18-Jährigen Stadtzürchern ermöglichen. Mit 63 zu 54 Stimmen hat das Parlament am Mittwoch aber die Motion für einen einwöchigen Interrail-Gutschein für Jugendliche abgelehnt.

Die Motion hätte ermöglicht, dass alle jungen Erwachsenen kostenlos eine längere Interrail-Reise machen können – beispielsweise nach dem Lehrabschluss oder nach der Matur. So sollte gerade bei Personen, die üblicherweise über ein sehr reduziertes Budget verfügen, eine preiswerte Alternative zu Billigflügen geschaffen werden. «Zudem fördern positive Reiseerfahrungen mit der Bahn die Bereitschaft, auch im weiteren Verlauf des Lebens auf den Zug zu setzen», heisst es in der Motion.
Bei der Umsetzung sollte darauf geachtet werden, dass der Gutschein für mehrere Jahre gültig wäre und so unabhängig von der Dauer der Erstausbildung zu einem passenden Zeitpunkt hätte eingesetzt werden können. Zusätzlich müsste sichergestellt sein, dass die Stadt Zürich nur Interrail-Abos finanziert, die auch real eingesetzt werden.
Stadtrat wollte Studie
Der Stadtrat stand dem Anliegen zwar grundsätzlich positiv gegenüber. Insbesondere stört er sich auch daran, dass die Stadtbevölkerung gerne das Flugzeug nimmt. Doch die Stadt tue bereits viel, um die Leute zum umsteigen zu bewegen.
Er wolle zuerst wissenschaftlich abklären lassen, ob der Interrail-Gutschein für alle eine wirksame und kosteneffiziente Massnahme zur Reduktion der Emissionen sei. Stadtrat Andreas Hauri (GLP) hätte den Vorstoss darum als Postulat entgegengenommen.
Sympathisch aber teuer
«Sympathisch» fanden einige Rednerinnen und Redner den Vorstoss. Doch die mutmasslich 1 Million Franken, die das pro Jahr kosten würde, fanden sie weniger gut. «Das ist kein kleines Gschänkli», sagt Karin Stepinski (Mitte). Thomas Hofstetter (FDP) störte sich daran, dass die Gutscheine im Giesskannenprinzip an alle verteilt würden.
Janina Flückiger (Grüne) versuchte noch, die Kolleginnen und Kollegen mit «emotionalen Schlüsselerlebnissen» zu überzeugen. Wenn 18-Jährige eine Zugreise durch Europa machten, wäre das eine Investition, meinte sie. Das würde die Routine aufbrechen und die Jungen vom Fliegen weg bringen.
Bei der SVP kam das nicht an. «Die Stadt Zürich ist kein Reisebüro und die Steurzahler keine Göttis», fand Markus Weidmann. Sven Sobernheim (GLP) wies darauf hin, dass gut gefüllte Fernbusse ökologischer seien als Züge.
Selbst beim linken Partner, der Alternativen Linken, kamen die Gratis-Reisen nicht gut an. Das Geld sei nicht gut investiert, sagte Susan Wiget, ein «Zückerli», das nicht alle nutzen würden. Auch wenn die AL es schlimm finde, dass der grösste Teil der Flüge in der Freizeit getätigt würden, stimme sie gegen die Motion.










