Stadt Bern will an Nachhaltigkeitstagen weiterhin Fleisch servieren
Eine links-grüne Motion will Fleisch, Fisch und Meeresfrüchte aus dem Gastroangebot der Berner Nachhaltigkeitstage streichen. Der Gemeinderat hält dagegen.

Das Wichtigste in Kürze
- Eine Motion im Stadtrat verlangt einen Fleischverzicht an den Berner Nachhaltigkeitstagen.
- Der Gemeinderat lehnt dieses Ansinnen nun ab.
- Angesichts der Essgewohnheiten der Bevölkerung brauche es auch Fleisch als Option.
«An Nachhaltigkeitstagen Fleisch anzubieten, untergräbt die Glaubwürdigkeit des gesamten Formats», findet Stadtrat Tobias Sennhauser.
Der Tierschützer hat deshalb eine Motion eingereicht. Mitunterzeichnet ist sie von seiner Fraktion (AL/PDA/TIR), Grünen und Grünliberalen.
Schon der Titel der Motion lässt keinen Zweifel an der Stossrichtung des Vorstosses: «Fleisch servieren an Berner Nachhaltigkeitstagen – ernsthaft?», heisst es da.

Die Forderungen sind dann konsequenterweise: Die Kriterien für das Gastroangebot der Berner Nachhaltigkeitstage sollen Fleisch, Fisch und Meerestiere explizit ausschliessen.
Zudem sollen an allen Veranstaltungen der Nachhaltigkeitstage vegane Optionen angeboten werden müssen.
Fleisch und Nachhaltigkeit: ein Widerspruch?
Die Berner Nachhaltigkeitstage finden seit 2022 jährlich jeweils im September statt. Für das Eröffnungsfest wird jeweils der Bahnhofplatz gesperrt.
Danach werden während zwei Wochen in den Quartieren Workshops, Führungen und Ausstellungen angeboten. Dabei geht es unter anderem um Mobilität oder Kleidung, aber eben auch um nachhaltige Ernährung.
Mit Verweisen auf die entsprechenden wissenschaftlichen Publikationen zeigen die Motionärinnen und Motionäre dem Gemeinderat auf: Fleisch ist nicht nachhaltig. Zu viel Ressourcenverbrauch, zu viele Emissionen. Eine Belastung für Umwelt, Gesundheit und Biodiversität.

Desgleichen Fisch und Meeresfrüchte: Überfischung, Beifang von Delfinen und Schildkröten, Aquakulturen, die die Umwelt mit Antibiotika und Überdüngung belasten.
Eine pflanzenbasierte Ernährung dagegen trage zum Klimaschutz, zur Biodiversität und zur öffentlichen Gesundheit bei.
Das Angebot von Fleisch und Fisch an den Berner Nachhaltigkeitstagen stehe im Widerspruch zu den eigenen Nachhaltigkeitszielen der Stadt Bern.
Gemeinderat hält «ernsthaft» an Fleisch fest
Ausser im letzten Punkt widerspricht der Gemeinderat dieser Auslegeordnung auch gar nicht, im Gegenteil. Trotzdem lehnt er die Motion ab.
Die Stadtregierung verweist darauf, dass beim Eröffnungsfest 2025 das gesamte kulinarische Angebot aus vegetarischen und veganen Speisen bestanden habe. Auch auf soziale Kriterien sowie kurze Lieferketten habe man geachtet.
Bei anderen Veranstaltungen gab es hingegen auch (Bio-)Fleisch. Zum Beispiel im Rahmen eines dreigängigen Menüs mit fachlichen Inputs und Diskussionsrunden zwischen den Gängen.
Es sei nun mal Tatsache, dass die Mehrheit der Bevölkerung tierische Produkte auf dem Speiseplan habe. Und: «Die Sensibilisierung der Bevölkerung ist Teil der Veranstaltung.»
Zwischen den Zeilen soll dies wohl heissen: Man kann schlecht die Bevölkerung sensibilisieren wollen und dann lediglich Verpflegung anbieten für diejenigen, die bereits sensibilisiert sind.
Die im Motions-Titel aufgeworfene Frage beantwortet der Gemeinderat deshalb sinngemäss mit «ja, ernsthaft»: An den Berner Nachhaltigkeitstagen Fleisch anzubieten, sei klar mit den Zielsetzungen vereinbar.








