Angst

    Wegen Windrädern: Diesem Bauern droht die Enteignung

    Dina Müller
    Dina Müller

    Biel/Bienne,

    Ein Windkraftprojekt sorgt in Tramelan BE für Auseinandersetzungen zwischen örtlichen Bauern und der BKW. Diese droht nun mit einer Enteignung.

    Windrad Jura Bern Bauer
    Bauer M. wehrt sich gegen das Windpark-Projekt der BKW vor seinem Hof. - SRF Rundschau

    Das Wichtigste in Kürze

    • Vor einem Jahr wurde ein Baugesuch der BKW für sechs Windräder in Tramelan BE angenommen.
    • Drei Landbesitzer der Gemeinde wehren sich jedoch gegen das Projekt.
    • Nun hat die BKW eine Enteignung der betroffenen Bauern angekündigt.

    In Tramelan im Berner Jura soll ein Windpark gebaut werden. Insgesamt sechs Windräder sind geplant – jedes 155 Meter hoch. Damit kann Strom für die ganze Gemeinde produziert werden.

    Das Baugesuch für das Vorhaben des Berner Energieunternehmens BKW wurde vor zehn Jahren gestellt und ist seit einem Jahr rechtskräftig.

    Nun soll das Projekt umgesetzt werden – doch es kommt zu Komplikationen: Drei Landbesitzer wehren sich gegen den Bau der Windräder und der dazugehörigen Stromleitungen, wie die «Rundschau» berichtet.

    «Sensible Tiere»

    Das Hauptproblem für einen der betroffenen Bauern, M., ist der Verlauf der Stromleitungen. Gemäss Baugesuch sollen 16 Kilovolt Strom nur wenige Meter neben seinem Kuhstall fliessen.

    «Das ist ihr Erholungsraum», bringt M., der namentlich nicht genannt werden will, zu bedenken. Er befürchtet, dass Kriechstrom auf den Stall und die Tiere übergehen könnte.

    Die Tiere würden laut M. den Strom fühlen. Denn: «Kühe sind sehr sensible Tiere», so M.

    Er macht ein unglückliches Beispiel: «Ich würde das fast vergleichen mit einer Frau.»

    Bauer befürchtet Ruin

    Der Bauer zeigt grundsätzlich wenig Begeisterung für die Windanlagen.

    Die Strasse müsste dafür aufgerissen werden. Ausserdem fürchtet er Lärm und Eiswurf, sowie eine Entwertung seines Hauses inklusive der Ferienwohnungen.

    «Wir werden hier in einem Rotorenwald leben müssen», klagt M. Und: «Ich kann mich nicht ruinieren lassen, wenn sie so nah mit der Leitung gehen wollen.»

    Einigung von Bauern mit BKW scheitert

    Von Seiten der BKW stossen die Anliegen des Bauern auf wenig Verständnis. Es handle sich lediglich um «minimale Eingriffe», so Konzernleiter Robert Itschner gegenüber SRF.

    «Es geht darum, dass wir entlang eines bestehenden Strässchens ein Gräblein machen, ein Kabel verlegen und das Gräblein wieder zumachen. Und, dass wir die Strässchen während dem Bau nutzen.»

    Die BKW habe versucht, mit den Bauern eine Einigung zu suchen, so Itschner. Dies bestätigt auch M. Laut ihm sei beinahe wöchentlich Besuch auf seinem Hof gewesen.

    Die Gespräche mit M. und zwei weiteren Landbesitzern blieben jedoch erfolglos: «Wir haben festgestellt, nach sehr langen Diskussionen und intensiven Verhandlungen, dass es sich einfach nicht bewegt hat», so Itschner.

    Itschner BKW Enteignung Tramelan
    Konzernleiter der BKW, Robert Itschner, rechtfertigt den Entscheid der Enteignung der Bauern in Tramelan BE. - SRF Rundschau

    Deshalb habe man sich nach Rücksprache mit der Gemeinde dazu entschieden, den Rechtsweg zu bestreiten. Konkret: Die BKW hat eine Enteignung angekündigt.

    Enteignungsandrohung sorgt für Empörung

    M. zeigt wenig Verständnis: «Es ist brutal, dass man für ein solches Prestige-Projekt mit einer Enteignung kommt und keine Einigung versucht.»

    Die BKW sei in den Verhandlungen mit den Bauern «kompromisslos» gewesen.

    Dabei würde bereits ein kleiner Schritt von Seiten der BKW viel bedeuten: «20 Meter weiter runter, dann hätte ich schon etwas Ruhe», sagt M.

    Sollten mehr Windräder in der Schweiz gebaut werden?

    Unterstützung erhält er auch vom Bauernverband sowie von SVP-Nationalrat Thomas Knutti. Letzterer reichte gar eine Motion im Parlament ein, welche Enteignungen als Mittel zur Umsetzung von Windparkprojekten verbieten soll.

    Das Verhalten der BKW in diesem Fall sei «absurd» und «undemokratisch».

    Zeitpunkt für Einsprache verpasst

    Zur Zeit des Baugesuchs hätte M. den Verlauf der Stromleitungen noch beeinflussen können.

    «Das hat er aber nicht gemacht. Jetzt ist das halt Teil dieses bewilligten Baugesuchs», so Itschner.

    Er wirft jedoch ein: «Wenn es jetzt um Verschiebungen von wenigen Metern geht, kann man das nach wie vor diskutieren.» Man würde bestimmt eine Lösung finden.

    Es sei jedoch richtig, dass das Projekt umgesetzt werden könne. Schliesslich habe die Schweiz im Stromgesetz festgelegt, dass erneuerbare Energien ausgebaut werden sollen.

    Kommentare

    User #5899 (nicht angemeldet)

    Es ist einfach komisch. Als Gegner kannst du jede Menge harter Fakten bringen. Die Lobby putzt Dich einfach herunter und verharmlost sämtliche Argumente ins Nimmerleinsland. Ich habe bei AET, BKW, CKW Winter Tagesproduktionsdaten über bestehende Windräder verlangt. Es wird gemauert was das Zeug hält. CKW gibt auch keine Daten der Windmessmasten frei. Trotzdem sollten die Bürger akzeptieren, dass die Monster Subventionsfresser gestellt werden. Sagt man dem Transparenz der Öffentlichkeit gegenüber. Nein es ist absolute Arroganz. Man will der Bevölkerung dagegen verkaufen dass man mit 3, 4m/s guten Strom produzieren könne. Glauben macht selig. Man könnte aber auch Leistungsblätter über die Anlagen studieren. Man würde sofort erkennen dass wir angelogen wurden.

    User #4675 (nicht angemeldet)

    Es heisst nicht: Wegen diesen Windrädern, es sollte heissen: Weg mit diesen Windrädern!

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