Nadja Günthör (SVP): «Verfassung ersetzt keine Lehrkräfte»

Nadja Günthör
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Nidau,

Der Grosse Rat hat die Berner Bildungsinitiative klar abgelehnt. Dieser Entscheid ist richtig und konsequent, findet Nadja Günthör in ihrem Gastbeitrag.

Nadja Günthör
Nadja Günthör ist SVP-Grossrätin im Kanton Bern. - zVg

Gute Bildung ist entscheidend für die Zukunft unseres Kantons. Gerade deshalb lohnt es sich, genau hinzuschauen, wenn unter dem wohlklingenden Schlagwort «Qualität» neue Forderungen gestellt werden.

In der ersten Woche der Frühlingssession hat sich der Grosse Rat mit der sogenannten Berner Bildungsinitiative befasst – und sie klar abgelehnt. Damit folgte das Parlament auch dem Regierungsrat, der sich ebenfalls gegen das Anliegen ausgesprochen hatte.

Dieser Entscheid ist richtig und konsequent.

Die Initiative verlangt, den Qualitätsanspruch in der Bildung ausdrücklich in der Kantonsverfassung zu verankern. Auf den ersten Blick klingt das überzeugend. Wer könnte schon gegen Qualität in der Schule sein?

Doch genau hier zeigt sich das Problem: Ein grundsätzlich berechtigtes Anliegen wird mit dem falschen Instrument verfolgt. Eine Verfassung legt die Grundordnung eines Staates fest. Sie ist jedoch kein Ort für bildungspolitische Detailfragen. Der schulische Alltag lässt sich nicht durch zusätzliche Verfassungsbestimmungen verbessern.

Entscheidend für gute Bildung seien motivierte Lehrpersonen, funktionierende Strukturen und ein Bildungssystem, das sich flexibel weiterentwickeln kann, findet Nadja Günthör. - keystone

Gute Bildung entsteht dort, wo täglich unterrichtet wird – in den Klassenzimmern, im Austausch zwischen Lehrkräften und Schülerinnen und Schülern, in engagierten Teams und Schulleitungen, die Verantwortung übernehmen.

Entscheidend sind motivierte Lehrpersonen, funktionierende Strukturen und ein Bildungssystem, das sich flexibel weiterentwickeln kann. Bildungspolitik muss auf neue Herausforderungen reagieren: auf gesellschaftliche Veränderungen, auf pädagogische Entwicklungen, auf konkrete Probleme im Schulalltag.

Werden solche Fragen in der Verfassung festgeschrieben, bindet dies die Hände der Verantwortlichen und erschwert notwendige Anpassungen. Reformen, die Schulen besser machen könnten, werden so unnötig verlangsamt.

Hinzu kommt: Der Anspruch auf Qualität ist längst kein blinder Fleck. Auf Bundesebene bestehen bereits entsprechende Grundlagen, die den Rahmen für gute Bildung vorgeben.

Ein zusätzlicher Verfassungsartikel im Kanton Bern würde daran wenig ändern – ausser neue juristische Hürden und starre Vorgaben zu schaffen, die Schulen hemmen und den Handlungsspielraum der Politik wie auch der Regierung unnötig einschränken.

Bist du zufrieden mit dem Schulsystem im Kanton Bern?

Umso erleichternder ist es, dass der Grosse Rat diese Initiative abgelehnt hat. Symbolpolitik allein schafft keine bessere Schule. Doch entschieden ist die Frage noch nicht. Im Herbst 2026 wird die Initiative vors Volk kommen, und dann entscheiden die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger, ob dieser Weg wirklich eingeschlagen werden soll.

Bis dahin bleibt Zeit und Verantwortung, sachlich darzulegen, weshalb diese Initiative zwar gut gemeint, aber letztlich gefährlich ist.

Gute Bildung entsteht nicht durch starre Verfassungsartikel, sondern durch Menschen, die sie täglich tragen: engagierte Lehrkräfte, funktionierende Schulen und ein System, das beweglich bleibt, um auf neue Anforderungen reagieren zu können.

Gerade diese Beweglichkeit ist eine Stärke unserer Bildung – und sie gilt es zu bewahren.

Zur Autorin

Nadja Günthör (*1965) ist Grossrätin und Partei-Vizepräsidentin der SVP Kanton Bern.

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