Biel

    Nadja Günthör (SVP): «Jugend unter Dauerstress»

    Nadja Günthör
    Nadja Günthör

    Nidau,

    Die psychische Belastung der Schweizer Jugendlichen sei real. Bildung müsse fachlich wie seelisch stärken, so Nadja Günthör, Grossrätin SVP. Ein Gastbeitrag.

    Nadja Günthör
    Nadja Günthör ist SVP-Grossrätin im Kanton Bern. - zVg

    Das Wichtigste in Kürze

    • Rund ein Drittel der 15- bis 19-Jährigen zeigt Symptome wie Stress oder Depressionen.
    • Doch psychische Probleme liessen sich nicht durch Programme lösen, so Nadja Günthör.
    • Jugendliche bräuchten verlässliche Rahmen, keine Symbolpolitik.

    Wenn Jugendliche heute erschöpft zur Schule kommen, liegt das selten nur am Unterricht. Viel häufiger sind es innere Überforderung, Leistungsdruck, digitale Reizüberflutung und Zukunftsängste, die den Alltag belasten.

    147 Pro Juventute
    Viele Schweizer Jugendliche leiden unter Stress, Reizüberflutung und Zukunftsängsten. (Symbolbild) - Unsplash

    Laut Bundesamt für Statistik zeigen rund 35 Prozent der 15- bis 19-Jährigen Symptome wie Depressionen, Angststörungen oder chronischen Stress.

    Schulpsychologische Dienste vielerorts am Limit

    Die Zahl der stationären Behandlungen hat sich seit 2010 nahezu verdoppelt, 2023 waren schweizweit über 20'000 Jugendliche in psychologischer oder psychiatrischer Behandlung.

    Diese Entwicklung zeigt sich längst im Alltag der Jugendlichen. Lehrpersonen berichten von Konzentrationsschwierigkeiten, emotionalem Rückzug, Schlafproblemen und steigenden Unterrichtsausfällen.

    Leidest du unter Reizüberflutung?

    Schulpsychologische Dienste arbeiten vielerorts am Limit. Gleichzeitig steigt der Druck aus allen Richtungen: Leistungserwartungen, soziale Vergleiche, digitale Präsenz und der ständige Wunsch, «funktionieren» zu müssen, hinterlassen Spuren.

    Besonders deutlich ist die Belastung bei Jugendlichen in der Übergangsphase von der Schule in Ausbildung oder Beruf.

    Jugendliche brauchen verlässliche Rahmen

    Doch Jugendliche brauchen verlässliche Rahmen, keine Symbolpolitik. Psychische Stabilität entsteht nicht durch Programme, sondern durch klare Strukturen, erreichbare Ziele und realistische Perspektiven.

    Studien belegen: Jugendliche mit festen Tagesabläufen, messbaren Erfolgen und einem Gefühl von Sinn und Orientierung sind deutlich widerstandsfähiger.

    Eltern und Familien spielen eine zentrale Rolle bei der frühzeitigen Unterstützung ihrer Kinder. Schulen können in Zusammenarbeit mit Lehrpersonen Orientierung und Beratung anbieten, um Schüler individuell zu fördern.

    Manipulations-Strategien
    Klare Grenzen im Mediengebrauch könnten helfen, mental stabil zu bleiben, so Nadja Günthör. (Symbolbild) - zVg

    Perspektiven stärken, zum Beispiel durch praxisnahe Berufsbildung, Berufsorientierung, Mentoring oder sinnvolle Freizeitangebote, gibt Jugendlichen Halt und Selbstvertrauen. Auch bewusst gestaltete digitale Pausen, stressfreie Lernzeiten und klare Grenzen im Mediengebrauch können Überforderung reduzieren und helfen, mental stabil zu bleiben.

    Nachhaltige Bildung stärkt fachlich wie seelisch

    Die psychischen Probleme unserer Jugendlichen sind real und ernst. Sie lassen sich jedoch nicht allein durch Programme lösen.

    Stabile Strukturen, klare Zuständigkeiten, frühzeitige Unterstützung und konkrete Zukunftsperspektiven geben jungen Menschen die Chance, belastbar zu werden.

    Bildung wirkt nur dann nachhaltig, wenn sie nicht überfordert, sondern stärkt – fachlich wie seelisch. Wer junge Menschen ernst nimmt, sorgt dafür, dass sie nicht nur Leistung bringen, sondern auch mental stark werden.

    Zur Autorin

    Nadja Günthör (*1965) ist Grossrätin und Partei-Vizepräsidentin der SVP Kanton Bern.

    Kommentare

    User #2297 (nicht angemeldet)

    Jugendliche brauchen vor allem ein stabiles Zuhause mit Eltern, die sich um die Jungen kümmern und nachhaltig begleiten.

    User #4208 (nicht angemeldet)

    Immer mehr liegt halt nicht in der Natur des Menschen und macht darauf konditionierte Personen nun mal krank, so ist das. Die Gier der Konsumenten und Anbieter ist grenzenlos. Schade denn alle leiden auf ihre Weise darunter. Bei mir bspsw bröckelt deswegen, Respekt vertrauen, Hoffnung und Emphatie.

    Weiterlesen

    Nadja Günthör
    50 Interaktionen
    Günthör (SVP)
    Nadja Günthör
    104 Interaktionen
    Nadja Günthör (SVP)
    Bern Grossrat Bildungspolitik SVP
    61 Interaktionen
    Gastbeitrag

    MEHR AUS BIEL

    Filmkamera
    Biel BE
    4 Interaktionen
    Lyss BE