Könizer David Holenstein wird Gemeindepräsident von Andwil SG

Matthias Bärlocher
Matthias Bärlocher

Köniz,

Ja, das geht: Gemäss Findungskommission war Holenstein schlicht der beste Kandidat. Jetzt ist er offiziell gewählt und schlägt ein neues Kapitel auf.

Andwil SG
Andwil liegt nördlich von Gossau SG und hat rund 2000 Einwohner. - Screenshot andwil.ch

Das Wichtigste in Kürze

  • David Holenstein wird neuer Gemeindepräsident von Andwil SG.
  • Das Ungewöhnliche daran: Holenstein lebt in Köniz BE.
  • Im Interview erklärt er, wie es dazu kam und wie es nun weitergeht.

Ein Gemeindepräsident tritt zurück, in einer Ersatzwahl muss jemand neues gewählt werden. So weit, so unspektakulär. Nur dass es hier um die Gemeinde Andwil SG geht und der neue Gemeindepräsident David Holenstein aus Köniz BE heisst.

Mit einem Glanzresultat wurde Holenstein, Mitglied der SVP Köniz, am 8. März gewählt. Er war der einzige Kandidat – aber ein sehr guter, wie die eigens eingesetzte überparteiliche Findungskommission feststellte.

Andwil David Holenstein
David Holenstein stellt sich in Andwil SG als Kandidat für das Gemeindepräsidium vor. «Der Saal war bis auf den letzten Platz belegt», heisst es auf der Gemeindewebsite. - Screenshot andwil.ch

Denn obwohl Holenstein vor zwei Jahrzehnten nach Bern zog, ist er für die Andwiler quasi ein Einheimischer: Aufgewachsen in Magdenau in der Gemeinde Degersheim SG, hatte er schon als Kind seinen Blick nach Andwil schweifen lassen.

Auch beruflich sei Holenstein gut qualifiziert, stellte die Findungskommission fest, denn Holenstein kennt die Gemeindearbeit. Bei verschiedenen Sankt Galler Gemeinden hat er in diversen Funktionen gearbeitet, unter anderem als Gemeindeschreiber. Drei Jahre lang war er zudem bei der Schweizergarde im Vatikan.

Seiner Frau zuliebe zog er nach Bern, arbeitete als Fachspezialist beim Stadtingenieur der Stadt Bern. Heute ist Holenstein Leiter des Eigentumsmanagements der Gemeinde Köniz.

David Holenstein Köniz
David Holenstein beim Schloss Köniz. - zvg

BärnerBär: Aber jetzt mal ehrlich: Wie kommt man auf die Idee, am anderen Ende der Schweiz einen Job anzunehmen – und dann auch noch mit doch eher speziellen Herausforderungen?

David Holenstein: Ich bin Heimweh-Sankt Galler. Ich war bereits als Gemeindeschreiber und Grundbuchverwalter im Kanton Sankt Gallen tätig. Mein Herz schlägt grün-weiss.

Als vollamtlicher Gemeindepräsident im Kanton Sankt Gallen mit einem Pensum von 80 Prozent hat man die zentrale Führungsposition inne und ist für wunderschöne Aufgaben verantwortlich.

Nebst der eigentlichen Leitung der Gemeinde, mit Gemeinderatssitzungen, Bürgerversammlungen und der Umsetzung der Legislaturziele gehört auch das Ressort Finanzen dazu. Das heisst, ich werde die oberste Finanzverantwortung und die Führung der Mitarbeitenden übernehmen.

Im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit vertrete ich die Gemeinde auch nach aussen und pflege Kontakte. Der Gemeindepräsident wirkt auch mit bei der Verkehrs- und Raumplanung. Bei verschiedenen Kommissionen hat er den Vorsitz, wie bei der Bau-, Einbürgerungs- und Elektra-Kommission.

David Holenstein SVP Köniz
Im Herbst 2025 kandidierte David Holenstein noch für die SVP Köniz bei den Gemeindewahlen. - Screenshot linkedin.com

BärnerBär: Wie haben Ihre Frau und Ihre drei Teenager-Söhne reagiert, als Sie ihnen diesen Plan erzählt haben?

David Holenstein: Sie haben mich im Vorhaben vollumfänglich unterstützt. Träume sollen wahr werden! Mit 48 Jahren und Kindern im bald erwachsenen Alter darf auch mal ein neues Kapitel aufgeschlagen werden.

BärnerBär: Sie treten Ihr Amt im August an – ab dann hätte Köniz sozusagen zwei Gemeindepräsidenten. Holen Sie sich bis dahin schon einmal Tipps bei der Könizer Gemeindepräsidentin Tanja Bauer (SP)?

David Holenstein: Ja, klar. Ich habe Tanja in den letzten Jahren genau beobachtet und von ihr viel gelernt. Zum Beispiel das freie Sprechen und das «Verkaufen» der Gemeinde.

Ich werde alles geben, um Andwil vorwärtszubringen und Gemeindepräsident für alle Andwilerinnen und Andwiler sein. Ich habe natürlich auch Tipps vom Zollikofer Gemeindepräsident Daniel Bichsel (SVP) eingeholt.

Gemeindepräsidentin Tanja Bauer
Tanja Bauer (SP) ist seit 2022 Gemeindepräsidentin von Köniz. - Daniel Zaugg

BärnerBär: Wie muss man sich das rein organisatorisch vorstellen: Sind Sie dann eigentlich Wochenaufenthalter in Andwil oder Wochenendaufenthalter in Köniz?

David Holenstein: Ich werde im August meinen Wohnsitz nach Andwil verlegen und oft auch die Wochenenden in Andwil verbringen. Ich besuche ja auch gerne Anlässe in der Gemeinde und werde es als grosser FCSG-Fan mit den Heimspielen des FC St. Gallen verbinden.

Als Familie sind wir oft in meiner alten Heimat unterwegs und der schöne Berner Dialekt meiner Frau und meiner Kinder kommt immer sehr sympathisch rüber. Übrigens wird mein ältester Sohn ab dem Herbst an der Universität Sankt Gallen (HSG) studieren.

David Holenstein Andwil
Am 8. Februar 2026 überzeugte David Holenstein mit seiner Präsentation, einen Monat später wurde er mit 551 von 705 Stimmen zum Gemeindepräsidenten gewählt. - Screenshot andwil.ch

BärnerBär: Was kann Andwil von Köniz lernen?

David Holenstein: Köniz ist ein Vorbild betreffend Raumplanung: Mit der revidierten baurechtlichen Grundordnung kann die Gemeinde Köniz ihre Entwicklungsziele umsetzen und die Siedlungsentwicklung nach innen fördern. Mit den neuen, modernen und übersichtlichen Planungsinstrumenten kann den heutigen und künftigen Bedürfnissen der Wohnbevölkerung, der Wirtschaft und der Landwirtschaft Rechnung getragen werden.

BärnerBär: Was kann Köniz von Andwil lernen?

David Holenstein: Den sorgfältigen Umgang mit den Finanzen. In den letzten 20 Jahren konnte der Steuerfuss immer wieder gesenkt werden. Die Gemeinde Andwil zeichnet sich durch die niedrigen Steuern, hohe Wohnqualität, gute Verkehrsanbindung und eine zentrale Lage aus.

BärnerBär: Und was wollen Sie als Andwiler Gemeindepräsident als Erstes umsetzen?

David Holenstein: Zuerst mal sich einen Überblick verschaffen und die Gemeinde noch besser kennenlernen. Der Bevölkerung erstmal zuhören und die jeweiligen Bedürfnisse aufnehmen und im Gemeinderat besprechen und die richtigen Schlüsse daraus ziehen. Die Verwaltung stärken und mitziehen.

Eine wichtige Herausforderung wird sein: Die Umsetzung der Raumplanung mit der Anpassung vom Baureglement mit dem Ziel der Optimierung der Innenverdichtung und Vereinfachung der Vorschriften.

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