Läuft Köniz Bern den Rang ab, Gemeindepräsidentin Tanja Bauer?
Am 28. September wählt Köniz BE ein neues Gemeindeparlament, einen neuen Gemeinderat – und eine Gemeindepräsidentin. Das sagt Tanja Bauer (SP) im Interview.

Das Wichtigste in Kürze
- Am 28. September finden in Köniz BE die Wahlen statt.
- Tanja Bauer (SP) wird bei der Wahl ins Gemeindepräsidium nicht herausgefordert.
- Im BärnerBär-Interview steht sie Red und Antwort.
BärnerBär: Niemand getraut sich, Tanja Bauer (SP) bei der Wahl ins Gemeindepräsidium herauszufordern. Sind die Könizerinnen und Könizer alles Angsthasen?
Tanja Bauer: Für den Gemeinderat hat man ja durchaus eine Auswahl, mit rund 30 Kandidierenden. Dass es beim Präsidium keine Kampfwahl gibt, ist aussergewöhnlich, aber wohl der Geschichte geschuldet. Vielleicht hatte man das Gefühl: Jetzt ist Ruhe eingekehrt und es kommt möglicherweise nicht gut an, wieder aufzuwühlen.
BärnerBär: Ist das aber noch demokratisch, wenn man keine Auswahl hat?
Bauer: Ich hätte mich auch einer Wahl gestellt. Ich mache gerne Wahlkampf, tausche mich gerne aus. Aber ich betrachte das auch als eine Art Vertrauensbeweis der anderen Parteien, die finden: Es läuft richtig, wir wollen konstruktiv zusammenarbeiten.
BärnerBär: Sie erhalten selbst aus rechtsbürgerlichen Kreisen Lob. Entsprechend hoch werden die Erwartungen in einer zweiten Amtszeit sein. Wird das nicht zur Belastung? Jetzt müssen Sie noch besser sein als in der ersten Amtszeit.
Bauer: Herausforderung ist für mich sehr wichtig, das mag ich. Wir haben viel zu tun, aber ich sehe das nicht als Druck, sondern freue mich darauf, anzupacken. Zusammen mit denjenigen, die dann gewählt sind.
BärnerBär: Wie sicher sind Sie denn, dass Sie gewählt werden?
Bauer: Darüber denke ich nicht viel nach, denn ich kann es ja nicht beeinflussen. Das habe ich schon letztes Mal nicht gemacht, als es deutlich nervenaufreibender war für mich. Die Bevölkerung kann bei Wahlen entscheiden. Ich bin da eigentlich sehr entspannt.
«Köniz muss sich positiv entwickeln»
BärnerBär: Köniz hatte ein negatives Image. Jetzt konnte man die Finanzen stabilisieren, die Wirtschaftsstrategie auf Kurs bringen. Wird es nun nicht immer schwieriger, weitere Erfolge zu feiern? Was wollen Sie denn in den nächsten vier Jahren in Köniz noch verbessern?
Bauer: Köniz muss sich positiv entwickeln. Wir sind eine der Gemeinden, wo Wachstum vorgesehen ist. Das heisst: Kulturland schützen, Netto-Null-Ziele erreichen, verdichten. Das konfrontiert uns mit vielen Herausforderungen, nicht erst seit meiner Amtszeit.
Die Entwicklung soll denjenigen, die schon hier leben, einen Mehrwert bringen. Wir haben mehr Mittel – die Steuereinnahmen steigen an, das hilft uns. Umgekehrt haben wir Herausforderungen beim bezahlbaren Wohnraum, der Sanierung von Schulanlagen, Erstellung von Sportanlagen, die nicht mehr ausgelegt sind auf fast 45'000 Leute.

BärnerBär: Apropos Wiederbelebung der Wirtschaft: Neu publiziert sogar der BärnerBär aus dem Business Park Liebefeld. Das neue Polizeizentrum kommt in Niederwangen zu stehen, Bundesämter sind schon länger in der Gemeinde präsent. Läuft Köniz langsam Bern den Rang ab?
Bauer: Nein. Köniz und Bern ergänzen sich: Der Siedlungsraum geht ineinander über, natürlich auch der «Arbeitsplatzraum», und ich denke, der gesamte Kanton Bern tut gut daran, sich zusammen positiv zu entwickeln.
Die Gemeinden sollten nicht gegeneinander, sondern miteinander arbeiten. Gerade mit der Stadt Bern funktioniert das gut.
BärnerBär: Köniz ist grösser als mancher Kantonshauptort, aber wird längst nicht so prominent wahrgenommen wie Solothurn oder Schaffhausen. Oder ist das auch ganz gut so?
Bauer: Köniz ist in vielerlei Hinsicht schwer zu fassen, weil es «weder noch» ist. Man glaubt mir jeweils nicht, dass hier über 44'000 Personen wohnen: «Wo hat die all die Leute versteckt?» Wir funktionieren eher wie eine kleine Schweiz, weil wir über drei Täler verteilt sind mit unseren Ortsteilen. Die wenigsten wissen, dass der Gurten in Köniz ist, Wabern – unser grösster Ortsteil – mit dem Eichholz, Liebefeld, Niederwangen, Thörishaus. Das ist vielleicht unsere Stärke: Wir sind vielfältig, man kann uns nicht einordnen, dann kann man uns auch weniger ein Label geben.
BärnerBär: Ein Ausblick: Sie wohnen in Wabern, bis zum Bundeshaus ist es nur ein Spaziergang der Aare entlang. Immer noch keine Lust auf den Nationalrat?
Bauer: Man unterstellt jeweils, dass ein nationales Amt ein Aufstieg sei. Aber die Gemeinde-Ebene wird völlig unterschätzt. Bei konkreten Themen wie Wohnen, Wirtschaft, Kultur, Sportanlagen, kann man im Nationalrat nicht sehr viel bewirken. Ich will bei den Leuten sein und irgendwann Ergebnisse sehen. Von daher habe ich überhaupt keine Ambitionen auf nationaler Ebene.
BärnerBär: Sie sind Gemeindepräsidentin und Grossrätin, ihr Mann ist ebenfalls für die SP im Grossen Rat. Wenn Sie an den Match der YB Frauen gehen, denken Sie schon an den nächsten Post auf Instagram. Wie viel Raum nimmt die Politik am Mittagstisch ein?
Bauer: Ich bin sicher ein politischer Mensch und war das schon, bevor ich in ein Amt gewählt wurde. Es interessiert mich, wie eine Gesellschaft funktioniert, wie wir zusammenleben: Ich denke fortwährend über solche Dinge nach. Es ist sicher so, dass die Politik bei uns auch ganz natürlicherweise als Thema vorkommt.
Wenn man Kinder hat, ist man ganz automatisch etwas davor geschützt, dass es 100 Prozent wird. Die finden das nicht immer gleich spannend. Dann werden Themen relevant, die andere Familien auch diskutieren. Es kommt höchstens mal der Bumerang: «Mama, kannst Du nicht die Frühschule abschaffen?»