Kunst

Cattaruzza: «Kunst lebt von Menschen, nicht von Prestigebauten»

Beat Cattaruzza
Beat Cattaruzza

Bern,

Am 14. Juni wird darüber abgestimmt, wer der Kunst ein Gesicht geben soll: Kunstschaffende und ihre Werke – oder Mäzene und teure Betonpaläste. Ein Gastbeitrag.

Beat Cattaruzza, Berner Grossrat (GLP).
Beat Cattaruzza, Berner Grossrat (GLP). - zVg

Mit dem Zentrum Paul Klee und dem Kunstmuseum verfügt die Stadt Bern über zwei renommierte Kunsthäuser. Letzteres besteht aus dem Stettlerbau von 1879 und dem Atelier-5-Anbau von 1983. Beide, Stettler- und Atelier-5-Bau, sind in die Jahre gekommen und müssen erneuert werden. So weit besteht Einigkeit.

Die Verantwortlichen des Kunstmuseums und der Milliardär Hansjörg Wyss möchten den Atelier-5-Bau nicht sanieren, sondern abreissen und durch einen Neubau ersetzen lassen. Hier scheiden sich die Geister.

Mit Schwarzmalerei für den Ersatzneubau

Sanieren oder ersetzen? Mein Ratskollege Daniel Arn macht daraus eine Schicksalsfrage: Bei einem Nein zum Ersatzneubau stehe die Zukunft des Kunstmuseums auf dem Spiel. Noch mehr: es drohe ihm gar die Schliessung!

Die Befürworterinnen und Befürworter des Ersatzneubaus unterstreichen ihr schwarzmalerisches Narrativ mit Bildern von veralteten Haustechnikanlagen, bröckelndem Verputz und schmutziger Steinwolle.

raubkunst
Das Kunstmuseum Bern. - keystone

Diese Bilder mögen in hartem Kontrast zu den schönen Museumsräumen stehen, aber im Grunde beweisen sie nur eines: dass das Kunstmuseum erneuert werden muss. Und so weit besteht ja Einigkeit (siehe oben).

Der richtige Weg ist die Sanierung

Reine Angstmacherei ist hingegen, das Ende des Kunstmuseums heraufzubeschwören, wenn es statt des Ersatzneubaus eine gründliche Sanierung gibt.

Noch vor wenigen Jahren setzte sich das Kunstmuseum selber für eine Sanierung ein. Dass diese nicht zustande kam, lag einzig an einem Formfehler bei der Projektvergabe.

Aber die Sanierung ist weiterhin möglich. Und sie ist viel günstiger als der Ersatzneubau – sogar, wenn die Mäzenengelder wegfallen und falls die Kostenprognose von 147 Millionen Franken eingehalten würde.

Überhaupt: Es ist eine alte Taktik, den Gebäudeunterhalt so lange zu vernachlässigen, bis die Bauschäden unübersehbar werden, und dann eine Maximalforderung (Ersatzneubau!) zu stellen. Das Stimmvolk wird es durchschauen.

Wer gibt der Kunst in Bern ihr Gesicht?

Wenn eine Sanierung möglich ist, worum geht es dann wirklich? Um die Frage, wer der Kunst in Bern ein Gesicht gibt! Kunst lebt von Menschen, die Kunst schaffen. Sie und ihre Werke sollen das Gesicht der Kunst sein.

Hast du das Kunstmuseum Bern schon mal besucht?

Darum lehne ich den Kredit für das Projekt «Eiger» ab. Denn es steht für etwas anderes: für noch mehr Prestige und Repräsentationsbauten.

Geld spielt (k)eine Rolle

Geld spielt dabei offenbar keine Rolle, wie sich auch am Budget der Befürworterinnen und Befürworter zeigt: Es ist vermutlich die teuerste kantonale Abstimmungskampagne, die es in Bern je gegeben hat.

Doch die staatlichen Mittel sind begrenzt. Wir sollten sie in kunstschaffende Menschen investieren statt in millionenteure Betonpaläste.

Machen wir darum den Weg frei für mehr Kunst statt mehr Prestige: Bitte lehnen Sie am 14. Juni den Kredit für das Projekt «Eiger» (Projektierungskredit für das Kunstmuseum Bern) ab.

Zum Autor

Beat Cattaruzza (1966*) ist Künstler, Berner Grossrat (GLP) sowie Vizestadtpräsident und Finanzvorsteher von Nidau.

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Kommentare

User #3437 (nicht angemeldet)

Der Cattaruzza ist wohl ein Relikt aus dem vergangenen Jahrhundert,

User #3437 (nicht angemeldet)

haben sich diese Nein-Stimmer mal selbst kritisch hinterfragt? Sowas von kleingeistig

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