Berner FDP-Grossrätin Sandra Hess: «UKW weg – und dann?»
In der kommenden Frühjahrssession behandelt der Regierungsrat die Situation zur UKW-Abschaltung. FDP-Grossrätin Sandra Hess äussert sich dazu im Gastbeitrag.

Das Wichtigste in Kürze
- Die UKW-Technologie sei veraltet, der Betrieb zu teuer, die Zukunft digital, so heisst es.
- Doch moderne Informationssysteme stiessen schnell an ihre Grenzen, erinnert Sandra Hess.
- Die FDP-Grossrätin mahnt: Krisenkommunikation dürfe kein digitales Glücksspiel sein.
Erinnern Sie sich noch an das Rauschen zwischen den Sendern? An ausziehbare Antennen und die Suche nach der richtigen Frequenz?
Das UKW-Radio war über Generationen der verlässlichste Weg zu Nachrichten aus nah und fern. Ein paar Batterien im Küchenradio oder die Zündung im Auto genügten, und man wusste, was Sache ist.
Diese Gewissheit verschwindet gerade aus dem Äther. Die UKW-Abschaltung ist im vollen Gange. Die Technologie sei veraltet und der Betrieb zu teuer, heisst es. Die Zukunft ist digital.
Doch es regt sich politischer Widerstand. Dabei geht es einmal nicht um die SRG, sondern um etwas Grundsätzliches: Wie erreicht uns der Staat bei einem Blackout, wenn das Handy stumm und das WLAN tot ist?
Wenn Strom und Funkmasten ausfallen, nützt eine Alarm-App nichts
Nach den schweren Unwettern im April 2025 zeigte sich, wie rasch unsere modernen Informationssysteme an ihre Grenzen stossen. Wenn Strom und Funkmasten ausfallen, nützt die beste Alarm-App nichts.

Die FDP-Fraktion des Grossen Rates wollte deshalb vom Regierungsrat wissen, welche Risiken er für die Erreichbarkeit der Bevölkerung im Kanton Bern sieht, wenn digitale Kanäle versagen und das UKW-Netz abgeschaltet ist.
Die Antwort der Berner Regierung ist ernüchternd: Krisenkommunikation sei Sache des Bundes. In Bundesbern werde derzeit eine «Multikanalstrategie zur Information, Warnung und Alarmierung der Bevölkerung» entwickelt. Die Zukunft heisse «Cell Broadcast» – Kurznachrichten direkt aufs Handy.
Gleichzeitig solle jedoch auch das bewährte Notfallradio (IBBK) abgeschaltet und die Verantwortung für die Sirenenalarmierung an die Kantone übertragen werden.
Sicherheit sollte nicht auf Hoffnung basieren
Mit anderen Worten: Wir bauen bewährte Sicherheitsnetze ab und verlassen uns stattdessen auf Technik, die beim ersten Stromausfall selbst den Geist aufgibt. Das ist nicht modern, das ist eine Wette – darauf, dass Blackouts nur kurz dauern und Mobilfunk immer funktioniert.
Doch Sicherheit sollte nicht auf Hoffnung basieren. Sicherheit bedeutet: Wenn ein System ausfällt, funktioniert ein anderes. UKW ist nicht modern, aber robust.

Digitalisierung ist gut und notwendig. Doch bei aller Euphorie über technologische Quantensprünge sollte man nicht vergessen, dass auch das modernste System nur so stark ist wie seine Stromversorgung.
Wer das letzte stabile Netz kappt, bevor sich das neue bewährt hat, handelt nicht mutig, sondern fahrlässig. Und im Ernstfall wird sich niemand fragen, ob die Technologie modern ist – sondern nur, ob sie funktioniert. Am Thema werde ich dran bleiben, denn Krisenkommunikation darf kein digitales Glücksspiel sein.
Zur Autorin
Sandra Hess (*1972), wohnhaft in Nidau, ist seit 2018 FDP-Grossrätin, Präsidentin der FDP.Die Liberalen Kanton Bern und Vizepräsidentin Berner KMU. Von 2014 bis 2015 war sie ausserdem Stadtpräsidentin von Nidau.











