Trumps «Friedensrat»: Blaupause für Alternativ-UN?

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Bern,

Präambel, 13 Kapitel, zahlreiche Unterpunkte und eine entscheidende Frage: Will Donald Trump mit seinem «Friedensrat» die diplomatische Welt auf den Kopf stellen?

Donald Trump
Donald Trump grinst. - keystone

Ein offenkundig vom US-Präsidenten an diverse Regierungen weltweit verschicktes Papier sorgt für Aufregung, Verwirrung und Sorge um die internationale Nachkriegs-Ordnung.

Im Mittelpunkt der Diskussion über die «Charta für den Friedensrat», die der «Times of Israel» nach eigenen Angaben vorliegt, steht die Befürchtung, Trump könnte mit dem Papier die Blaupause für eine von ihm geplante Alternative für die Vereinten Nationen vorgelegt haben.

Diplomaten lesen aus der «Charta» bereits eine unverhohlene Kampfansage an die UN – zumal der US-Präsident aus seiner Verachtung für internationale Organisationen keinen Hehl macht und etwa im Streit um Grönland mit der Androhung von Zöllen auf die Macht des Stärkeren setzt.

Laut «Times of Israel» war die «Charta» den Einladungen beigefügt, mit denen Dutzende Staats- und Regierungschefs gebeten wurden, gemeinsam mit Trump dem «Friedensrat» (Board of Peace) für den Gazastreifen beizutreten. Dieser Rat soll laut Trumps Friedensplan für das palästinensische Gebiet mit der Überwachung eines Nachkriegs-Managements beauftragt sein. Doch in den 13 Kapiteln der «Charta» kommt das Wort Gaza nicht vor.

Vielmehr heisst es dort ganz allgemein in der Präambel, man bedauere, «dass zu viele Ansätze der Friedensförderung dauerhafte Abhängigkeiten begünstigen und Krisen institutionalisieren, anstatt die Menschen aus ihnen herauszuführen». Die Vertragsparteien würden die «Charta» in dem Entschluss verabschieden, «eine Koalition williger Staaten zu bilden, die sich zu praktischer Zusammenarbeit und wirksamem Handeln verpflichten».

Gleich im ersten Kapitel ist unter der Überschrift «Auftrag» festgehalten: «Der Friedensrat ist eine internationale Organisation, die sich für Stabilität, die Wiederherstellung verlässlicher und rechtmässiger Regierungsführung sowie die Sicherung dauerhaften Friedens in von Konflikten betroffenen oder bedrohten Gebieten einsetzt.»

Staaten können sich laut «Charta» allerdings unbefristet einen Sitz im Friedensrat sichern, wenn sie innerhalb eines Jahres eine Milliarde US-Dollar zum Etat beisteuern. Wer will, kann die Formulierungen als Alternative zur gültigen UN-Charta lesen.

Hauptpunkt der Kritik an den Plänen Trumps ist, dass der «Friedensrat» vollständig auf seine Person zugeschnitten ist. Mitglied kann nur werden, wer vom Vorsitzenden – Trump – eingeladen wird. Festgeschrieben wird ausserdem, dass Trump die Befugnis hat, einen Nachfolger zu benennen. Ein Ersatz des Vorsitzenden könne nur «durch freiwilligen Rücktritt oder aufgrund von Geschäftsunfähigkeit erfolgen», wenn dies vom Vorstand einstimmig beschlossen werde.

Eine zeitliche Bindung an die Amtszeit Trumps als US-Präsident ist demnach nicht vorgesehen. Trump wolle sich, sagen kritische Stimmen, offenbar zum Vorsitzenden des Friedensrats auf Lebenszeit machen.

Auch die Zusammensetzung des Vorstands des «Friedensrats» liegt laut der «Charta» ausschliesslich in Trumps Händen. «Der Vorstand wird vom Vorsitzenden ausgewählt und setzt sich aus international anerkannten Persönlichkeiten zusammen», heisst es in Kapitel vier. Die Vorstandsmitglieder sollen für jeweils zwei Jahre ernannt werden. Der Vorsitzende – also Trump – «kann sie abberufen, eine Verlängerung ist ihm jedoch möglich».

Zu den eingeladenen Ländern gehört auch die Schweiz, wie der Kommunikationschef des Aussendepartements, Nicolas Bideau, am Rande des Weltwirtschaftsforums (WEF) in Davos Keystone-SDA sagte. «Die Schweiz prüft derzeit die Einzelheiten der Charta und führt Gespräche mit den betroffenen Parteien, darunter auch den Vereinigten Staaten», erklärte er. Die Schweiz stehe Initiativen zur Förderung des Friedens grundsätzlich offen gegenüber, schrieb das EDA auf Anfrage. Man prüfe den Vorschlag sorgfältig, um die Position der Schweiz festzulegen.

Deutschland vertritt eine ähnliche Haltung. Man bedanke sich für die Einladung und unterstütze jede Initiative, die zu Frieden und Stabilität im Gaza-Streifen beitrage, heisst es aus deutschen Regierungskreisen. Ob der Friedensrat diesem Ziel diene, müsse weiter geprüft werden. «Prinzipiell unterstützt Deutschland jede Massnahme, die sich im Rahmen der völkerrechtlichen Ordnung bewegt.»

Die aktuelle Zurückhaltung Berlins bei der öffentlichen Bewertung von Trumps «Charta» dürfte auch mit dem vom deutschen Kanzler Friedrich Merz am Mittwoch geplanten Treffen mit dem US-Präsidenten in Davos zusammenhängen. Dabei soll es hauptsächlich um den Streit mit den USA um Grönland gehen – und die von Trump in diesem Zusammenhang angedrohten Zölle gegen Deutschland und andere europäische Nato-Staaten.

Was Ländern droht, die sich gegen die «Friedensrat»-Vorschläge Trumps stellen, konnte Merz am Beispiel Frankreich beobachten. Wegen der zögerlichen Haltung von Präsident Emmanuel Macron, dem Gremium beizutreten, droht der US-Präsident mit Zöllen von 200 Prozent auf Wein und Champagner.

Zur Teilnahme am «Friedensrat» wurden unter anderem auch der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan, Ägyptens Staatschef Abdel Fattah al-Sisi und Argentiniens Präsident Javier Milei eingeladen. Auch Russlands Präsident Wladimir Putin bekam laut Kreml-Angaben eine Einladung, ebenso wie die chinesische Regierung.

Kommentare

User #2735 (nicht angemeldet)

Erneut erinnere ich mich im Zusammenhang mit Trump an ein Gedicht. Diesmal ist es der Erlkönig von Goethe. Der Erlkönig lockt ein Kind auf dem Pferd, sagt ihm "Ich liebe dich, mich reizt deine schöne Gestalt; Und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt". Genau wie wenn Trump etwas will, sich sein Gegenüber aber nicht willig genug zeigt. Passt hervorragend zu einem Friedensrat.

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