Männer sind am Steuer fünfmal öfter alkohlisiert als Frauen
Wenn es ums Fahren unter Alkoholeinfluss geht, überflügeln Männer Frauen stark. Sie wurden fünf Mal öfter mit 0,8 Promille oder mehr am Steuer erwischt.

Das Wichtigste in Kürze
- Männer fahren öfter alkoholisiert als Frauen.
- In den letzten 10 Jahren kamen auf eine alkoholisierte Frau durchschnittlich fünf Männer.
- Insgesamt fuhren über 100'000 Menschen in den letzten zehn Jahren angetrunken.
Wer trinkt, fährt nicht.
Ein Grundsatz, der in der Schweiz noch immer zu wenig gelebt wird. Denn: Allein 2024 setzten sich 9134 Personen mit 0,8 Promille oder mehr hinters Lenkrad – und wurden dabei erwischt.
In den letzten zehn Jahren waren es insgesamt gar 103'320 Menschen. Das entspricht mehr als 28 Personen – pro Tag!
Was bei den vom Bundesamt für Statistik erhobenen Zahlen auffällt: Es sind vor allem Männer, die sich betrunken ans Steuer setzen.
Denn: In den letzten zehn Jahren kamen auf eine betrunkene Frau am Steuer mehr als fünf Männer. In absoluten Zahlen bedeutet das: Von den 103'320 fahruntüchtigen Personen waren 86'923 Männer – und nur 16'406 Frauen.
Doch woran liegt das? Ist Alkohol am Steuer etwa ein «Männerproblem»?
Männer gehen «gewohnheitsmässig» Risiken ein
Markus Theunert, Co-Geschäftsführer von Männer.ch erklärt: «Wie alles Risikoverhalten ist es primär ein Männlichkeitsproblem, das aber naheliegenderweise mehr Männer betrifft.»

Gesellschaftliche Männlichkeitsnormen würden die Botschaft vermitteln, es gebe mehr Punkte auf der Männlichkeitsskala, wenn man sich risikoreicher verhalte.
«Das führt dazu, dass viele Männer gewohnheitsmässig Gesundheits- und Sicherheitsrisiken auf sich nehmen, die ihnen und anderen schaden.»
«Männer neigen dazu, sich mehr zuzutrauen als Frauen»
Das zeige sich auch in den Statistiken. Dort seien Männer bei so ziemlich jedem Risikoverhalten übervertreten – auch bei riskantem Alkoholkonsum.

«Männer neigen dazu, sich mehr zuzutrauen als Frauen», so Theunert. Dies, weil man Frauen beim Aufwachsen eher dazu rät, sich zurückzunehmen und nicht zu viel zu wagen.
«Das männliche Selbstvertrauen hat auch positive wie negative Seiten. Eindeutig ein Problem ist die damit verbundene Tendenz zur Selbstüberschätzung.»
Befragung: 13 Prozent der Männer und fünf Prozent der Frauen fahren alkoholisiert
Es sei auch viel Rücksichtslosigkeit und Egoismus im Spiel, wenn man unter Alkoholeinfluss ein Fahrzeug lenke. Theunert meint dazu: «Auch das wird Männern eher zugestanden.»
Diese Einschätzung und die Zahlen stützt auch eine repräsentative Dunkelfeldbefragung, erklärt Kriminologe Dirk Baier. Eine solche Befragung zeigt, wie viele Menschen alkoholisiert gefahren sind, aber dabei nicht erwischt wurden.
Zum Fahren unter Alkoholeinfluss habe sich Folgendes gezeigt, so Baier: «Männer haben dieses Verhalten im zurückliegenden Jahr zu zirka 13 Prozent gezeigt, Frauen zu ungefähr fünf Prozent.»
Alkohol am Steuer ist kein reines Männerproblem
Ein weniger grosser Unterschied also, als die BFS-Statistik zeigt. Doch auch hier liegen Männer klar vorne.
Laut dem Kriminologen aber wichtig: «Die grosse Mehrheit der Männer zeigt kein solches Verhalten.» Alkohol am Steuer sei also kein reines Männerproblem. «Das wäre eine zu stark vereinfachte Erklärung.»

Ein möglicher Grund: Es gebe fast kein kriminelles Delikt, bei dem Frauen anteilsmässig mehr Tatpersonen stellen würden als Männer.
Ein anderer liege an einer Kontrollillusion, wie Baier erklärt. «Ein Fahrzeug ist etwas Technisches. Und es gehört zum Mannsein dazu, die Technik kontrollieren und beherrschen zu können.»
«Wer fährt, trinkt nicht»
Auch nicht von einem Männerproblem sprechen will das Blaue Kreuz: «Es ist weniger ein Männerproblem als ein Alkoholproblem.»
Denn Alkohol führe zu Selbstüberschätzung und Enthemmung. Er führe dazu, dass man betrunken Dinge tue, die man sonst nicht mache.
«Wahrscheinlich fahren Männer öfters und wenn sie fahren, überschätzen sie sich», so ein Sprecher des Blauen Kreuzes. «Den meisten ist wahrscheinlich gar nicht bewusst, dass sie zu viel Alkohol getrunken haben.»
Aber die Fahrtüchtigkeit sei schon bei weniger als 0,5 Promille eingeschränkt. Deshalb müsse zwingend gelten: «Wer fährt, trinkt nicht.»
«Nulltoleranz» hat sich in der Schweiz nicht durchgesetzt
Ein Mantra, das bei der Anzahl alkoholisierter Fahrerinnen und Fahrer in den letzten Jahren zu wenig verankert ist.
Das Blaue Kreuz meint dazu: «Bei alkoholisierten Freunden und Partnern schreiten wir zu wenig ein und sagen ‹Halt, Du fährst nicht mehr›.»
Dabei sollte der «bewusste Alkoholverzicht in Lebenssituationen, in denen man sich und andere gefährdet» Standard sein. «Trotzdem hat sich die Nulltoleranz in der Schweiz noch nicht durchgesetzt.»














