Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) erwägt ein Angebot für eine Corona-Auffrischungsimpfung an alle Bürgerinnen und Bürger.
Spahn erwägt Corona-Auffrischimpfung für alle
Spahn erwägt Corona-Auffrischimpfung für alle - AFP/Archiv

Das Wichtigste in Kürze

  • SPD-Gesundheitsexperte Lauterbach geht von mehr Impfdurchbrüchen aus.

«Eine Booster-Impfung ist von den Zulassungen gedeckt, sie verstärkt und verlängert den Impfschutz», sagte er den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND) vom Freitag. Hausärzte halten Auffrischungsimpfungen für jeden für unnötig. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach geht unterdessen davon aus, dass die Zahl der Infektionen bei vollständig Geimpften steigen wird.

Spahn sagte, die Länder würden bereits schrittweise mit den sogenannten Booster-Impfungen in den Pflegeeinrichtungen und für besonders gefährdete Menschen beginnen. Ausserdem könnten sich diejenigen noch einmal impfen lassen, die bislang nur Vektorimpfstoffe bekommen hätten. «In einem zweiten Schritt können wir dann darüber nachdenken, auch allen anderen eine Auffrischimpfung anzubieten», sagte Spahn weiter. Für die Auffrischungsimpfungen setzt Spahn dem RND-Bericht zufolge vor allem auf die Arztpraxen.

Der Hausärzteverband hält diesen Schritt jedoch nicht für nötig. «Betagte und gefährdete Personen sollten die Auffrischungsimpfung ein halbes Jahr nach ihrer zweiten Impfung erhalten», sagte Verbandschef Ulrich Weigeldt der Düsseldorfer «Rheinischen Post». «Booster-Impfungen für alle sind aus medizinischer Sicht derzeit nicht nötig», fügte er jedoch hinzu.

Gesundheitsminister Spahn rief eindringlich dazu auf, die Impfkampagne zu verstärken. Nötig sei eine Impfquote bei den über 12-Jährigen von deutlich über 70 Prozent. «Der September ist der entscheidende Monat», sagte Spahn den RND-Zeitungen. Wer dann nicht geimpft sei, dem fehle der volle Schutz für die Herbst- und Wintermonate.

Spahn geht zudem davon aus, dass private Veranstalter, Hotels oder Restaurants immer stärker dazu übergehen werden, Ungeimpfte auch mit einem Corona-Test nicht mehr einzulassen. «2G wird in vielen Bereichen ohne staatlichen Eingriff kommen, und zwar, weil Veranstalter und Gastronomen von ihrem Hausrecht Gebrauch machen», sagte er den RND-Zeitungen.

Der Gesundheitsminister schloss aus, dass es für Geimpfte oder Genesene noch einmal einen Lockdown geben wird. Spahn warnte gleichzeitig, auf den Intensivstationen gingen die Corona-Zahlen erneut hoch. «Dort liegen zu 90 Prozent Nichtgeimpfte», sagte er dem «Mannheimer Morgen».

Auch SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz sprach sich trotz steigender Corona-Zahlen gegen einen erneuten Lockdown aus. «Aus meiner Sicht darf es keinen neuen Lockdown geben. Der wäre angesichts der Impfquote schwer begründbar», sagte er der «Rheinischen Post».

Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz bei den Corona-Neuinfektionen steigt derweil weiter: Das Robert Koch-Institut (RKI) meldete am Freitag eine Inzidenz von 48,8 im Vergleich zu 44,2 am Vortag. Vor einer Woche hatte der Wert noch bei 30,1 gelegen. Das RKI registrierte den neuen Daten zufolge 9280 Neuinfektionen binnen 24 Stunden und 13 Todesfälle im Zusammenhang mit einer Covid-Erkrankung.

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach geht davon aus, dass die Zahl der Corona-Infektionen bei vollständig geimpften Menschen steigen wird. «Durchbruchinfektionen ereignen sich bei Personen, deren Corona-Impfung länger als sechs Monate zurückliegt», sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe vom Freitag. Bei allen Impfstoffen gegen das Coronavirus steige das Risiko eines Impfdurchbruchs nach sechs Monaten an, führte der Mediziner aus. In der Regel sei die Erkrankung dann aber nicht so gefährlich wie bei Ungeimpften.

Lauterbach lobte in diesem Zusammenhang die Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) für Auffrischungsimpfungen bei besonders alten Menschen und Menschen mit geschwächtem Immunsystem. «Denn es ist schlicht plausibel, dass die Wahrscheinlichkeit einer schweren Erkrankung bei diesen Gruppen im Falle eines Impfdurchbruchs höher ist.»

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