Schmutzige Aussichten: Dem Littering auf der Spur

Keystone-SDA
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Zürich,

Sommer, Partys, Littering: Letzteres ist ein leidiges Thema, an dem kaum jemand im öffentlichen Raum vorbeikommt. Das Schweizer Kompetenzzentrum gegen Littering (IGSU) gibt Einblicke in die Psyche des Litterers. IGSU-Projektleiterin Ina Schelling gibt zudem Tipps gegen die illegale Müllentsorgung. Das Fazit: Statt eines mahnenden Zeigefingers hilft Humor.

Littering in der Schweiz. - Keystone

Welche psychologischen Hauptmotive führen primär zu Littering?

Es gibt nicht das eine Hauptmotiv, sondern ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren. Bequemlichkeit, mangelndes Problembewusstsein, Gewohnheit, Gleichgültigkeit oder der Wunsch, zu provozieren, spielen eine Rolle. Entscheidend ist oft die Situation: Gruppeneinflüsse, Alkoholkonsum, Dunkelheit, bereits herumliegender Abfall oder fehlende soziale Kontrolle begünstigen das Verhalten.

Wie stark beeinflusst eine bereits vermüllte Umgebung das Verhalten?

Die Umgebung hat einen klaren Einfluss. Herumliegender Abfall signalisiert, dass Littering an diesem Ort üblich ist, was weiteres Vermüllen fördert. Eine saubere Umgebung stärkt hingegen die Norm der korrekten Entsorgung. Regelmässige Reinigung ist daher zentral, auch wenn sich der Unterschied nicht exakt quantifizieren lässt.

Gibt es spezifische Bevölkerungsgruppen, in denen Littering gehäuft auftritt?

Nein, Littering lässt sich nicht auf einzelne Bevölkerungsgruppen reduzieren. Wichtiger ist der Kontext: Nachtleben, Freunde, Alkohol, hohe Anonymität und der konkrete Ort (z. B. Picknickzonen, Take-away-Bereiche, Strassen). Die IGSU fokussiert deshalb auf solche Hotspots statt auf bestimmte Altersgruppen.

Welche Rolle spielen Produkt- und Materialfaktoren bei der Wahrnehmung von Abfall?

Fehleinschätzungen beeinflussen das Verhalten – etwa wenn Zigarettenkippen wegen ihrer Grösse oder der falschen Annahme, sie seien biologisch abbaubar, verharmlost werden. Das Grundproblem liegt jedoch beim Verhalten, nicht am Material: Eine Bananenschale ist im Stadtpark nicht weniger ärgerlich als Plastik.

Wie rechtfertigen Täterschaften ihr Verhalten vor sich selbst?

Durch typische Rationalisierungen wie Verantwortungsabschiebung («Es gibt zu wenige Kübel»), Normalisierung («Das machen alle»), Verharmlosung («Andere Gifte sind schlimmer») oder die Ausrede, die öffentlichen Reinigungsdienste würden schliesslich durch Steuern bezahlt.

Welche Verhaltenslenkung zeigt empirisch die nachhaltigste Wirkung?

Situationsspezifische Verhaltensanstösse, sogenannte «Nudges», wie Pfeile zum Kübel, witzige Sprüche, Trennstationen und spielerische Anreize, senkten das Littering in Studien um 31 bis 38 Prozent. Die Kombination aus persönlichen Sensibilisierungsgesprächen und humorvollen Kübeln erzielte mit fast 50 Prozent Reduktion die höchste Wirkung. Entscheidend ist ein kontinuierlicher Massnahmenmix statt Einzelaktionen.

Wie müssen Abfallbehälter gestaltet und platziert sein?

Sie müssen gut sichtbar, leicht erreichbar, intuitiv verständlich und nahe am Entstehungsort des Abfalls stehen. Hoher Kontrast, auffällige Farben und Aschenbecher in unter 6 Metern Distanz senken die Nutzungsschwelle nachweislich.

Wie effektiv sind Bussen im Vergleich zu Anreizen oder spielerischen Ansätzen?

Bussen signalisieren eine klare gesellschaftliche Grenze, sind im Vollzug aber schwierig, da die Tat beobachtet werden muss. Sie wirken am besten in Kombination mit Infrastruktur, Sensibilisierung und spielerischen Ansätzen.

Welche Kampagnenbotschaften funktionieren besser: Schuldgefühle oder positive Normen?

Positive, humorvolle und höfliche Botschaften schneiden besser ab. Ein Experiment an Bahnhöfen zeigte, dass humorvolle (- 58 Prozent) und umweltorientierte Plakate (- 64 Prozent) das Littering deutlich stärker reduzierten als autoritär-befehlende Plakate (- 25 Prozent), da letztere Trotzreaktionen auslösen können.

Wie lässt sich der Erfolg von Anti-Littering-Massnahmen langfristig messen?

Flächendeckend messen lässt sich Littering kaum. Die IGSU nutzt jährliche Befragungen zur Wahrnehmung der Bevölkerung: Hielten 2015 noch 25 Prozent der Befragten das Littering-Aufkommen für «viel» oder «eher viel», sank dieser Wert bis 2025 auf 12,5 Prozent. Für Einzelmassnahmen werden Abfallmengen vor und nach Interventionen verglichen.

Schützt Erziehung im Elternhaus nachhaltig vor Littering?

Früh erlernte Normen und die Ablehnung von Littering durch Bezugspersonen bieten eine wichtige Basis. Gute Erziehung schützt jedoch nicht garantiert, da Gruppendruck und situative Faktoren (wie Alkohol oder Anonymität) die erlernten Werte überlagern können.

Hat Littering im historischen Verlauf zugenommen?

Ja, durch steigende Mobilität, Unterwegskonsum und intensivere Nutzung des öffentlichen Raums nahm Littering Ende des 20. Jahrhunderts und besonders in den 2000er-Jahren zu. Seit 2015 zeigt die Wahrnehmung der Bevölkerung in der Schweiz jedoch eine kontinuierliche Verbesserung der Litteringsituation.

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Kommentare

User #3926 (nicht angemeldet)

Die Menschen als solche sind die Bevölkerungsgruppe, sie sind auch für das Littering verantwortlich, wer denn sonst!

User #5854 (nicht angemeldet)

Littering ist seit dem 1.August 2026 auf Stufe Eidgenossenschaft verboten und strafbar. Mehr gibt’s nicht zu sagen.

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