Stadt Zürich

So raffiniert sind Betrugsmaschen der Cyberkriminellen!

Ginger Hebel
Ginger Hebel

Zürich,

Gehackte Konten, gefälschte Mahnungen, KI-Stimmen: Cyberkriminelle setzen auf immer raffiniertere Methoden, um an Geld und persönliche Daten zu kommen.

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Gefälschte Mails und Mahnungen sind derzeit im Umlauf. (Symbolbild) - PD

«Ich habe keinen Moment an der Mahnung gezweifelt», sagt «Tagblatt»-Leser Marko Keller. Wenn er an den Brief zurückdenkt, ärgert er sich noch immer.

Der 45-Jährige fand eine Mahnung von Zalando in seinem Briefkasten und bezahlte rund 250 Franken. Dann stellte sich heraus: Das Schreiben war von Betrügern gefälscht.

«Die Mahnung sah täuschend echt aus. Und da ich regelmässig bei Zalando bestelle, hielt ich sie für richtig», erzählt er. Mit seiner Erfahrung ist er nicht allein.

Mehrere Zürcher Haushalte erhielten in den vergangenen Wochen und Monaten Mahnungen im Namen von Zalando oder anderen Online-Händlern – obwohl sie gar nichts bestellt oder die Ware bereits fristgerecht bezahlt hatten.

Kriminelle verschicken massenhaft Zahlungsaufforderungen und hoffen, dass Empfänger den Betrag ungeprüft überweisen. Zalando rät deshalb zur Vorsicht.

«Wir stehen mit unseren Kundinnen und Kunden immer offiziell und schriftlich nachverfolgbar in Kontakt», sagt Clemens Kucharski von Zalando. Wer Zweifel an einer Nachricht habe, solle sich direkt über die offizielle Zalando-Webseite an den Kundendienst wenden.

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Cyberkriminelle verschicken massenhaft Zahlungsaufforderungen und hoffen, dass Empfänger den Betrag ungeprüft überweisen. (Symbolbild) - keystone

Gefälschte Mahnungen sind nicht die einzige Masche. Auch eine «Tagblatt»-Leserin wurde kürzlich Opfer eines Betrugsversuchs.

Sie stellte einen Bulgari-Ring auf Ricardo zum Verkauf. Bereits nach 30 Minuten war der Ring verkauft. Doch der potenzielle Käufer wusste gar nichts von dem Geschäft.

Es stellte sich heraus, dass das Ricardo-Konto des Käufers mutmasslich von Betrügern gehackt worden war. Auch Schweizer Online-Marktplätze wie tutti.ch und anibis.ch sind von Betrugsversuchen betroffen.

«Die Betrugsmaschen werden auf sämtlichen Online-Plattformen immer vielfältiger und raffinierter. Umso wichtiger sind wirksame Sicherheitsmassnahmen und die Sensibilisierung der Nutzerinnen und Nutzer», sagt Ricardo-Sprecherin Mojca Fuks.

Ricardo investiert nach eigenen Angaben jährlich mehrere Millionen Franken in die Cybersicherheit. Das Unternehmen setzt unter anderem auf Identitäts- und Telefonnummern-Verifizierung, Multi-Faktor-Authentifizierung und künstliche Intelligenz zur Erkennung verdächtiger Aktivitäten.

Trotzdem bleiben Betrüger erfinderisch. Besonders häufig versuchen sie, Käufer oder Verkäufer über WhatsApp oder SMS von der Plattform wegzulocken.

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Mehrere Zürcher Haushalte erhielten in den vergangenen Wochen und Monaten Mahnungen im Namen von Zalando oder anderen Online-Händlern. (Symbolbild) - keystone

Anschliessend sollen diese über Links oder QR-Codes Kreditkarten-, Twint- oder E-Banking-Daten eingeben – angeblich, um eine Zahlung zu erhalten. Dabei gilt eine einfache Regel: Um eine Zahlung zu erhalten, müssen Verkäufer niemals sensible Daten eingeben.

Ricardo empfiehlt deshalb, ausschliesslich über die Plattform zu kommunizieren, starke Passwörter zu verwenden und die Multi-Faktor-Authentifizierung zu aktivieren.

Raffinierte Methoden

Die Kantonspolizei Zürich beobachtet, dass Cyberkriminelle ihre Methoden laufend anpassen. «Grundsätzlich ändern sich zwar die Erscheinungsformen der Betrugsdelikte. Im Kern geht es den Tätern aber immer darum, an Geld oder persönliche Daten zu gelangen», hält sie fest.

Die Zahlen zeigen die Dimension des Problems: Cyberbetrug gehört mit über 10’000 registrierten Straftaten zu den häufigsten Cyberdelikten in der Schweiz. Dazu zählen gefälschte Online-Shops, Support-Betrügereien, nicht gelieferte Waren auf Kleinanzeigenplattformen und der Missbrauch gestohlener Identitäten.

Eine neue Methode sind sogenannte SMS-Blaster: Täter verschicken damit massenhaft Phishing-SMS direkt an Smartphones in ihrer Umgebung.

Die Nachrichten führen auf täuschend echte Kopien offizieller Webseiten – etwa mit der Aufforderung, eine Parkbusse oder ein Paketproblem zu bezahlen. Derzeit häufen sich gemäss Polizei auch manipulierte QR-Codes an Schweizer Parkuhren.

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Oft kann KI Stimmen haargenau imitieren. - depositphotos

Auch Phishing-Mails im Namen der Post sind im Umlauf. Ein Paket konnte offenbar nicht geliefert werden, da kein Zoll bezahlt wurde.

In Tat und Wahrheit sind die Kriminellen nur auf die Kreditkartendaten und den SMS-Code aus. Mit diesen Daten kaufen Sie online zum Schaden des Betrogenen ein.

Immer häufiger missbrauchen Betrüger zudem Behörden und Banken. Gefälschte E-Mails im Namen des Bundesamts für Sozialversicherungen versprechen angebliche Ergänzungsleistungen und verlangen nach mehreren Schritten persönliche Daten wie AHV-Nummer und Bankverbindung.

Machst du dir Sorgen wegen zunehmender Cyberkriminalität?

Mit diesen Angaben können missbräuchliche Zahlungen ausgelöst oder weitere Betrugsdelikte begangen werden. Auch Kundinnen und Kunden der Zürcher Kantonalbank werden mit Phishing-Mails ins Visier genommen.

Unter dem Vorwand einer notwendigen Aktualisierung sollen sie Zugangsdaten und Aktivierungsunterlagen preisgeben. Neu hinzu kommen KI-generierte Stimmen.

Kriminelle imitieren am Telefon täuschend echt Familienmitglieder oder Bankmitarbeitende und bitten um dringende finanzielle Hilfe. Der Fall von Marko Keller zeigt, wie professionell die Täter inzwischen vorgehen.

«Ich hätte nie gedacht, dass ich auf so etwas hereinfalle», sagt er rückblickend. Genau darauf setzen die Betrüger: Ihre Nachrichten wirken so echt, dass selbst erfahrene Online-Nutzerinnen- und Nutzer getäuscht werden.

Die wichtigste Regel bleibt deshalb: Unerwartete Rechnungen, Mahnungen oder Zahlungsaufforderungen immer direkt beim Unternehmen oder der Behörde überprüfen – bevor Geld überwiesen oder persönliche Daten preisgegeben werden.

Hinweis

Dieser Artikel ist zuerst im «Tagblatt der Stadt Zürich» erschienen.

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