Felix Blumer: «2026 wird wohl zum neuen Jahrhundertsommer!»

Felix Blumer
Felix Blumer

Winterthur Stadt,

Felix Blumer, ehemaliger Meteorologe bei «SRF Meteo», befasst sich nicht nur mit dem Wetter, sondern auch mit den Folgen. Und die sind 2026 dramatisch.

Felix Blumer SRF Meteo
Felix Blumer von SRF Meteo - Nau

Das Wichtigste in Kürze

  • Kolumnist Felix Blumer arbeitete von 2005 bis 2025 als Meteorologe bei «SRF Meteo».
  • «Hitze und Trockenheit bringen uns an den Anschlag», schreibt Blumer.
  • Bei der Prävention im Klimabereich sei die Schweiz nicht auf der Höhe.

Lange Zeit galt der Sommer 2003 als der Jahrhundertsommer. Seine Höchstwerte lagen für die folgenden 22 Jahre völlig ausser Reichweite.

Jetzt macht aber der meteorologische Sommer 2026 ernst. Er spielt auf jeden Fall in der gleichen Liga wie der Sommer 2003.

Womöglich zieht er sogar am Sommer 2003 vorbei – und übernimmt den nicht nur schmeichelhaften Namen: Jahrhundertsommer!

Fakten zum aktuellen Hitzesommer

In Basel wurden am 30. Juli 39,7 Grad gemessen. Das war in der Deutschschweiz die höchste Temperatur, die je offiziell gemessen wurde.

Schon am 27. Juni gab es in Basel und Würenlingen genau 39 Grad. Das waren damals noch die höchsten Werte überhaupt in der Deutschschweiz und gleichzeitig die höchsten Junitemperaturen, die in der Schweiz je aufgezeichnet wurden.

Hitze in Basel
Am 30. Juli zeigte das Thermometer in Basel 39,7 Grad. Heisser war es in der Deutschschweiz bis jetzt noch nie. - zvg

Überdies war in Basel die erste Sommerhälfte noch nie so heiss wie 2026. In Magadino gab es mit 37,3 Grad ebenfalls einen neuen lokalen Höchstwert. Und auch die 13 Hitzetage in Folge in Glarus Ende Juni bedeuteten dort einen neuen lokalen Höchstwert.

Schon jetzt ist klar: Auch für den ganzen Sommer gibt es in Glarus einen neuen Höchstwert an Hitzetagen. Bis jetzt waren es 21 im Sommer 2003. In diesem Sommer waren es schon 25 bis Ende Juli!

Hast du Mühe mit den hohen Temperaturen?

Funktionieren die Schutzmassnahmen?

Jahrelang wurde gebetsmühlenartig postuliert, dass wir nur das CO2 reduzieren müssten – und alles werde gut!

Damit ich nicht falsch zitiert werde: Selbstverständlich müssen wir in der Schweiz das CO2 reduzieren! Keine Frage.

Allerdings haben unsere CO2-Bemühungen auf die Sommertemperaturen der nächsten Jahre schlicht keinen Einfluss.

Einfach um die Dimensionen richtig einzuordnen. Die Schweiz stösst ein Promille des globalen CO2 aus, wobei dies nur die halbe Wahrheit ist. Rechnet man alle importierten Produkte hinzu, sind es rund drei Promille.

Da beginnt aber schon die Crux: Bei den importierten Gütern ist unser Einfluss auf die Produktion marginal. Bestenfalls können wir durch die Auswahl und den Konsum der Produkte den CO2-Austoss marginal steuern.

Stellen wir den helvetischen CO2-Zahlen die globalen Werte gegenüber, dann dürften uns die Augen aufgehen: Seit der Jahrhundertwende stieg der globale CO2-Wert von 370 ppm auf rund 427 ppm (durchschnittlicher Jahreswert auf dem Mauna Loa/Hawaii). Das sind gut 15 Prozent. Da verschwindet unser Promille.

Und dazu noch ein Gedanke: In Europa wird in den kommenden Jahren der grösste Temperaturanstieg erwartet, obwohl der EU-Raum das einzige grossflächige Gebiet mit einem rückläufigen CO2-Ausstoss ist.

Grafik
Jährliche CO2-Zuwachsrate auf dem Mauna Loa auf Hawaii in parts per million (ppm). Nicht einmal in den Corona-Jahren 2020 und 2021 stoppte die CO2-Zunahme (NOAA, Global Monitoring Laboratory). - zvg

Was können wir tun?

Wir sollten akzeptieren, dass es wärmer wird. Wir sollten uns nicht auf eine Verhinderungsstrategie konzentrieren, sondern auf eine Anpassungsstrategie.

Wenn eine Hitzewelle auf uns zurollt, sollten wir nicht nur Warnungen verbreiten. Es muss ein Konzept bestehen, wo sich ältere Leute hinwenden können.

Sollten wir die Prävention im Klimabereich verbessern?

Wo sind die Sammelpunkte, wo sind klimatisierte Räume mit einer Betreuung für die vulnerable Bevölkerung?

Da ist uns Frankreich weit voraus: Sie haben aus der Hitzewelle 2003 ihre Konsequenzen gezogen. Ging man Ende Juli auf die Websites der Kantone, so fand man keine konkreten Hilfsangebote gegen Hitze. Es gab nur Informationen zur Waldbrandgefahr und zu den Feuerverboten zu lesen.

Clever bauen und gestalten?

Die Massnahmen beginnen bereits vor der eigenen Haustür. Muss ein Velounterstand aus Beton sein? Ein Holzunterstand täte es auch und stahlt erst noch deutlich weniger Wärme ab.

Rasengittersteine
Links: Rasengittersteine sind eine sehr gute Lösung! Rechts: Asphalt, der sich extrem erhitzt. - zvg

Muss ein Hauseingang tatsächlich schön schwarz asphaltiert sein? Die Wärmeabstrahlung ist so fast maximal. Viel besser sind Rasengittersteine.

Sie haben gleich drei Vorteile: Die Wärmeabstrahlung ist geringer. Vom Gras verdunstet die Feuchtigkeit. Verdunstung reduziert die Temperatur.

Velotunterstand aus Beton
Velounterstand mit nahezu maximaler Wärmeabstrahlung. - zvg

Und: Das Wasser kann besser aufgefangen werden. Hochwasserspitzen werden gelindert. Und das Regenwasser kann bei guter Drainage wieder genutzt werden.

Velounterstand
Es ginge auch anders. Velounterstand aus Holz, umgeben von viel Grün. Nur der Boden hätte noch Steigerungspotential. - zvg

Verdichtetes Bauen: Problem mit Windzirkulation

Verdichtetes Bauen ist aus klimatologischer Sicht auch ein Unwort. Schon seit Jahrzehnten kennt man den Begriff der städtischen Wärmeinsel. Städte heizen sich stärker auf als die Umgebung.

Vor allem in der Nacht ist dieser Faktor entscheidend. Nach einem heissen Sommertag strahlen Strassen und Mauern noch stundenlange Wärme ab.

Bei verdichtetem Bauen ist eine vernünftige Windzirkulation meist nicht mehr möglich, und die Hitze bleibt die ganze Nacht in den Städten gefangen. Eine Erholung ist kaum mehr möglich.

Lange und hohe Reihenhäuser verschärfen noch den Effekt, stoppen sie doch die Zirkulation zusätzlich.

Ein entsprechendes Beispiel ist das Lochergut in Zürich, das den Fallwind vom Üetliberg her stoppt. Und damit die nächtliche Auskühlung von Teilen der Innenstadt verhindert.

Felix Blumer
Ex-SRF-Wetterfrosch und Nau.ch-Kolumnist Felix Blumer. - zvg

Zur Person

Felix Blumer (65) ist Klimatologe. 1994 promovierte er an der ETH Zürich mit dem Thema «Höhenabhängigkeit des Niederschlages im Alpenraum». Von 1997 bis 2005 war er Kommunikationschef der «Nationalen Alarmzentrale» – und von 2005 bis 2025 arbeitete er bei «SRF Meteo». Seit 2005 führt er seine eigene Firma, die «Blumer Communication & Consulting GmbH». Blumer berät vor allem Energieunternehmen und Notfallschutzorganisationen in Wetter- und Klimafragen.

Kommentare

User #2951 (nicht angemeldet)

Der auffälligste Zyklus ist der etwa 11-jährige Schwabe-Zyklus nach Samuel Heinrich Schwabe. Aufeinanderfolgende Maxima der Sonnenfleckenrelativzahl folgen in diesem zeitlichen Abstand aufeinander.

User #3165 (nicht angemeldet)

Dennoch gibts es historische Beweise die das widerlegen.

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