So war die erste Street Parade in Zürich
Als die erste Street Parade 1992 durch die Zürcher Innenstadt zog, sorgte sie für Kritik, besonders auch unter Umweltaktivisten. Sie organisierten eine Gegendemonstration.

Manche Zürcherinnen und Zürcher überkam an jenem 5. September 1992 geradezu Schnappatmung angesichts der rund 1000 Jugendlichen, die zu Techno-Bässen für «Toleranz und Liebe» durch die Innenstadt tanzten.
Der Underground der Zürcher Partyszene trat mit glitzernden Weltraumkostümen, schrillen Taucheranzügen, Lackhosen oder Wikingerhelmen ans Tageslicht. Ein Ärgernis war die Strassen-party, die als erste Zürcher Street Parade in die Geschichte einging, besonders auch für Umweltaktivisten.
Der Spass musste in ihren Augen, wenn schon nicht gestoppt, so doch zumindest gestört werden. Als der Umzug die Bahnhofstrasse erreichte, gingen rund 50 vermummte «Gegendemonstranten» in Stellung und begannen, gegen die Parade anzumarschieren.

Auf einem Transparent verkündeten sie ihre Botschaft: «Lieber Stadtrat, warum Techno ja – Ozon nein?» Die Stadtpolizei fackelte nicht lange und rückte gegen die Umweltaktivisten an, bis sie die Flucht ergriffen.
Manche Techno-Fans zeigten sich konsterniert über die plötzliche Polizeiaktion. Über Lautsprecher wurde informiert, dass die Polizei die Parade soeben geschützt habe.
Aus den Reihen des Umzugs wurde applaudiert. Der Staat hatte die Party gerettet.
Ozon als Bedrohung
Der Protest hatte einen globalen, politischen Hintergrund: Nach dem «Waldsterben» in den 1980er-Jahren stand in den 1990er-Jahren das Thema «Ozon» ganz oben auf der Agenda der noch relativ jungen Umweltpolitik und des Umweltaktivismus.
Im Juni 1992 versammelten sich Vertreterinnen und Vertreter aus 178 Ländern in Rio zur ersten UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung.
Hinweis
Dieser Artikel ist zuerst im «Tagblatt der Stadt Zürich» erschienen.










