Pakistan: Umstrittene Wahlen in Kaschmir gehen unter Protesten weiter
In der pakistanisch verwalteten Unruheregion Kaschmir gehen Regionalwahlen nach mehr als zweimonatigen Protesten mit Toten und Verletzten in eine zweite Phase. Seit dem Morgen können Einwohner im Wahlkreis der Hauptstadt Muzaffarabad abstimmen, wie die Wahlbehörde mitteilte. Zudem öffneten umstrittene Wahlbüros in ganz Pakistan.

Nach Angaben der britischen BBC war am Freitag erneut mindestens eine Person bei Protesten in Kaschmir getötet worden. In den vergangenen Tagen protestierten ungewöhnlicherweise auch Menschen in den Städten Islamabad und Lahore aus Solidarität mit den Demonstranten der Unruheregion.
Seit Anfang Juni kommt es dort zu tödlichen Protesten gegen das örtliche Wahlrecht. Das lokale Netzwerk JAAC hatte sich vor den Wahlen für eine Änderung eingesetzt und war verboten worden. Es folgten wochenlange Sitzproteste und eine weitgehende Internetsperre. In einigen Orten sind Schulen, Geschäfte und Banken geschlossen.
Das Wahlrecht dort erlaubt, dass in Pakistan lebende Flüchtlinge aus dem indischen Kaschmir auch von anderen Provinzen aus für die Lokalregierung im pakistanischen Kaschmir abstimmen dürfen.
Nach Angaben der pakistanischen Zeitung «Dawn» können etwa 440.000 Flüchtlingswähler für 12 der insgesamt 45 Sitze abstimmen – etwa 12 Prozent der Wahlberechtigten bestimmen formal 27 Prozent der Mandate. Innerhalb der Region – und damit vom Ausgang der Wahlen direkt betroffen – leben 3,4 Millionen Menschen. Beobachter sowie Demonstranten sehen in dem Wahlrecht eine Möglichkeit zur Einmischung der Regierung in Islamabad in örtliche Angelegenheiten.
Nach dem ersten Wahltag am vergangenen Montag war es zu Vorwürfen der Wahlmanipulation gekommen. Dass die Wahl infolge der Proteste in mehrere Phasen aufgeteilt wird, sehen Experten kritisch. Veröffentlichte Ergebnisse einer vorangegangenen Wahl könnten Wähler dazu bringen, für die bisherigen Gewinner zu stimmen, sagt Politikwissenschaftler Ahmad Bilal Mahboob der Deutschen Presse-Agentur.
Die Himalaya-Region Kaschmir wird von den Atommächten Indien und Pakistan beansprucht. Beide Staaten kontrollieren jeweils einen Teil des Gebiets. Seit dem Ende der britischen Kolonialherrschaft und der Teilung Britisch-Indiens im Jahr 1947 kam es dort wiederholt zu bewaffneten Konflikten zwischen beiden Ländern. Die aktuellen Wahlen finden im pakistanisch kontrollierten Teil Asad Jammu und Kaschmir statt.






