Kanzler Karl Nehammer von der Österreichischen Volkspartei wirbt für eine verstärkte Zusammenarbeit mit Deutschland innerhalb der Europäischen Union.
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Karl Nehammer von der Österreichischen Volkspartei. - Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Österreich soll verstärkt werden.
  • Nehammer will mit Hilfe aus Berlin «Schuldenunion» in der EU verhindern.
  • Die Schulden haben aufgrund der Corona-Pandemie stark zugenommen.

Österreich bietet Deutschland eine engere Zusammenarbeit innerhalb der Europäischen Union an. «Ich denke, eine strategische Partnerschaft zwischen Deutschland und Österreich innerhalb der EU ist von grosser Bedeutung.» Das sagte Österreichs Kanzler Karl Nehammer von der österreichischen Volkspartei der «Welt» (Freitagsausgabe).

Nehammer weiter: «Wir sollten sie ausbauen.» Er denke beispielsweise an die Wirtschafts- und Finanzpolitik. «Die Regierungen in Berlin und Wien sollten in Brüssel klar machen, dass wir keine permanente Schuldenunion wollen.»

Österreichische Volkspartei
Österreichs Kanzler Karl Nehammer ist auch Parteichef der österreichischen Volkspartei. - keystone

Beide Staaten sollten sich Nehammer zufolge «mit ganzer Kraft dafür einsetzen. So dass die Aufnahme von Schulden durch die EU-Kommission als Antwort auf eine aussergewöhnliche Krise durch die Corona-Pandemie einmalig bleibt. Sie soll nicht zum Einfallstor für noch mehr gemeinsame Schulden und noch mehr gemeinsame Haftung werden».

Dies wäre eine schwere Belastung für die Steuerzahler in Deutschland und Österreich. «Es braucht starke Partner, um das zu verhindern.» Das sagte Nehammer, der auch Parteichef der konservativen österreichischen Volkspartei in seinem Land ist, der «Welt».

Schulden durch Corona-Pandemie

Zur Finanzierung der EU-Coronahilfen verschuldet sich die EU-Kommission in diesem Jahr erstmalig am Kapitalmarkt. Die Schulden betragen rund 750 Milliarden Euro. Sollten ein Land oder mehrere Länder ihre Schulden nicht zurückzahlen können, so müssen die restlichen Mitglieder der Währungsunion dafür geradestehen.

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Zwei Personen mit Mund-Nasen-Schutz gehen über eine Einkaufsstrasse. (Symbolbild) Foto: Michael Gruber/AP/dpa - sda - Keystone/AP/Michael Gruber

Die Verhinderung einer «Schuldenunion» ist seit langem eine Kernforderung der österreichischen Regierung. Hintergrund ist ein EU-weiter Streit um die Reform der gemeinsamen Regeln zu den Staatsfinanzen. Frankreich hält den sogenannten Stabilitäts- und Wachstumspakt, der die nationale Staatsverschuldung eindämmen soll, für «obsolet». Gemeinsam mit Italien und anderen Staaten dringen sie auf eine Lockerung.

Schuldenunion in Europa

Dagegen stemmt sich eine Gruppe «sparsamer» Staaten um Österreich, die Niederlande und Schweden. Sie fürchten, für die deutlich höheren Schulden der sogenannten Südländer zur Kasse gebeten zu werden. Der neue deutsche Finanzminister Christian Lindner (FDP) hatte in der Vergangenheit immer wieder vor einer «Schuldenunion» in Europa gewarnt. Auch der neue Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hatte im Wahlkampf einer Lockerung der europäischen Schuldenregeln eine Absage erteilt.

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Bundeskanzler Olaf Scholz Foto: ProSieben/dpa - dpa-infocom GmbH

Nehammer war erst Anfang des Monats Kanzler in Wien geworden. Dies nachdem sein Vorgänger Alexander Schallenberg nach nur zwei Monaten zurückgetreten war. Nehammer ist bereits der fünfte österreichische Kanzler seit 2016.

ÖVP: Nehammer zuvor Innenminister

Er war unter Schallenberg sowie dessen Vorgänger Sebastian Kurz Innenminister. Kurz war wegen einer Korruptionsaffäre zurückgetreten. Später kündigte er seinen kompletten Rückzug aus der Politik an, woraufhin auch Schallenberg zurücktrat.

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