Die moderat-islamistische Ennahda-Partei in Tunesien verliert immer mehr Anhänger. Sie werfen der Parteiführung vor, die Ennahda isoliert zu haben.
Kais Saied
Kais Saied, Präsident der moderat-islamistischen Ennahda-Partei. - Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Die tunesische Ennahda-Partei steckt in einer schweren Krise.
  • Immer mehr Anhänger verkünden ihren Austritt aus der Partei.
  • Sie werfen der Parteiführung vor, die Ennahda isoliert zu haben.

Aus Verärgerung über den fehlenden Reformwillen ihrer Partei sind in Tunesien mehr als 100 Mitglieder aus der moderat-islamistischen Ennahda-Partei ausgetreten. Sie werfen der Parteiführung vor, die Ennahda isoliert zu haben, wie aus einem öffentlichen Kündigungsschreiben von Samstag hervorgeht.

Die Partei steckt in einer Krise, seitdem Präsident Kais Saied vor zwei Monaten Regierungschef Hichem Mechichi abgesetzt und die Arbeit des Parlaments auf unbestimmte Zeit eingefroren hat.

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Zahlreiche Menschen versammeln sich vor dem Stadttheater von Tunis während einer Protestaktion gegen den tunesischen Präsidenten Kais Saied. - Keystone

Die Ennahda ist dort stärkste Kräft, sie sprach von einem «Putsch». Saied hatte sich zuvor monatelang einen Machtkampf mit der Partei geliefert. Die nun ausgetretenen Mitglieder geben unter anderem Parteichef Rached Ghannouchi eine Mitschuld an Saieds umstrittenen Massnahmen.

USA fordert Regierungsbildung

Besonders die Ennahda hat viel Vertrauen eingebüsst, viele Tunesier werfen den Islamisten Korruption und Machtgier vor. Ein Grossteil der Bevölkerung unterstützte deshalb Saieds Schritte.

Die USA forderten Saied am Samstag erneut auf, eine Regierung zu bilden und einen Zeitplan für Reformen festzulegen. Washington sei besorgt über die Sondermassnahmen ohne absehbares Ende, sagte der Sprecher des US-Aussenministeriums, Ned Price, laut einer Erklärung der US-Botschaft in Tunesien.

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