Konflikt um Grönland: Gespräche über Zukunft der Arktisinsel
Auf Grönland leben in etwa so viele Menschen wie in Eschweiler, Neu-Ulm oder Neustadt an der Weinstrasse. Die Strassen der Hauptstadt Nuuk sind schneebedeckt, die Sonne geht früh unter. Doch von Ruhe und Frieden kann keine Rede sein – entscheidet sich nach Donald Trumps Drohung einer gewaltsamen Einnahme in den kommenden Tagen die Zukunft der riesigen Arktisinsel?

Er würde gerne einen Deal machen, sagte der US-Präsident, «aber wenn wir es nicht auf die einfache Art und Weise tun, werden wir es auf die harte Art und Weise tun». US-Aussenminister Marco Rubio kündigte für diese Woche ein Treffen mit Vertretern aus Dänemark an, zu dem Grönland offiziell gehört. Der Konflikt um die Insel dürfte auch Teil der Gespräche des deutschen Aussenministers Johann Wadephul (CDU) an diesem Montag mit Rubio in Washington sein.
Dänemark und Grönland lehnen Trumps Annexionspläne strikt ab. Auch ein Kauf der Insel – angeblich wird in der US-Regierung bereits über konkrete Summen diskutiert – kommt für sie nicht infrage. Trump begründet sein Interesse immer wieder mit Sicherheitsbedenken und einer mutmasslichen Gefahr durch China und Russland in der Arktis. Grönland ist aber auch reich an Bodenschätzen wie Seltenen Erden und Öl.
Auf Grönland berichtet die Rundfunkanstalt KNR mittlerweile in einem Liveticker über die Drohungen aus den USA und die entsprechenden Reaktionen aus der Europäischen Union, der Nato und insbesondere aus Dänemark. Die politischen Parteien Grönlands bekräftigten in einer gemeinsamen Stellungnahme: «Wir wollen keine Amerikaner sein, wir wollen keine Dänen sein, wir wollen Grönländer sein».
Die Vorsitzenden der Parteien im grönländischen Parlament Inatsisartut verlangten, dass die USA «ihre Geringschätzung gegenüber unserem Land einstellen». Grönlands Zukunft müsse «vom grönländischen Volk entschieden werden.» Ein intensiver Dialog «mit unseren Verbündeten und den Ländern, mit denen wir zusammenarbeiten» müsse sichergestellt werden.
Grönland war bis 1953 eine Kolonie Dänemarks, hat aber seit 1979 immer grössere Selbstverwaltungsrechte erhalten und ist inzwischen weitgehend autonom. Über Bereiche wie Aussen- und Verteidigungspolitik entscheidet aber weiterhin Dänemark. Der Wunsch nach einer vollständigen Unabhängigkeit besteht seit Jahren.
«Ich denke, wir haben langsam alle genug vom US-Präsidenten. Wir haben hier immer ein ruhiges und friedliches Leben geführt», zitierte BBC eine Einwohnerin von Nuuk. «Wir wollen einfach nur in Ruhe gelassen werden.» Angesprochen auf das Rubio-Treffen sagte ein Parlamentsmitglied zu der britischen Rundfunkanstalt, sie hoffe, es ende mit Verständnis und Kompromissbereitschaft.
Durch die Anbindung an Dänemark ist Grönland automatisch Teil der Nato – und daher Bündnispartner der USA. «Wir müssen den Amerikanern in diplomatischen Gesprächen deutlich machen, dass ein militärisches Vorgehen gegen ein kleines Nato-Land das letzte Vertrauen in die Allianz zerstören würde», sagte CDU-Aussenpolitiker Armin Laschet der Funke Mediengruppe.
Mehrere Nato-Staaten wie Grossbritannien hatten sich zuletzt für einen Ausbau der Bündnispräsenz in der Arktis ausgesprochen. Ein Vorschlag sieht Diplomaten zufolge einen Überwachungseinsatz mit dem Namen «Arctic Sentry» (deutsch etwa: Wächter der Arktis) vor. Er soll den Amerikanern das Argument nehmen, dass die Sicherheit in der strategisch wichtigen Region nicht ausreichend gewährleistet werden kann.
Die USA betreiben schon heute auf Basis von Abkommen mit Dänemark die Pituffik Space Base auf Grönland. Diese unterstützt unter anderem Raketenwarnsysteme sowie Raketenabwehr- und Weltraumüberwachungsmissionen. Die Entsendung weiterer Streitkräfte wäre im Rahmen der Abkommen möglich. Die dänischen Streitkräfte sind vor allem über das Arktische Kommando in Nuuk auf der Insel präsent.






