Israel vertreibt Muslime, Christen dürfen bleiben
Israel befiehlt Schiiten, den Südlibanon zu verlassen. Christen aber dürfen bleiben, wenn sie schiitische Geflüchtete vertreiben.

Das Wichtigste in Kürze
- Israel vertreibt schiitische Südlibanesen, Christen und Drusen aber dürfen bleiben.
- Schiiten, die in christliche Dörfer geflüchtet sind, müssen aber weggeschickt werden.
- Die Hisbollah droht den Dorfvorstehern mit Vergeltung.
Kurz nach den US-israelischen Angriffen auf den Iran attackierte die Hisbollah aus dem Libanon Ziele in Israel. Daraufhin eröffnete das Land eine zweite Front. Mitte März marschierten israelische Soldaten in den Südlibanon ein und befahlen Tausenden Bewohnern, das Gebiet zu verlassen.
Doch wie nun die «New York Times» berichtet, vertreibt Israel nur Schiiten, Angehörige der christlichen und drusischen Minderheit dürfen bleiben.
Die Zeitung lässt den 26-jährigen Schiiten, Ali Naser, zu Wort kommen. Er und seine Familie flüchteten von der Farm in ein nahes, grösstenteils christliches Städtchen. Dort wurden sie herzlich aufgenommen. «Wir waren sehr dankbar.»
Doch nach zwei Wochen wurden sie von den Vorstehern des Städtchens aufgefordert, sofort zu gehen. Israel übe grossen Druck auf sie aus, hätten sie gesagt. Naser und seine Familie gingen in eine andere Stadt, fanden dort aber keine Plätze in den Notunterkünften. Deswegen zogen sie auf einen Bauernhof von Verwandten ausserhalb der Evakuierungszone.
So wie Ali Naser ging es vielen Schiiten. Zuerst wurden sie in christlich geprägten Dörfern aufgenommen. Dann aber aufgefordert, zu gehen.
Gegenüber der «New York Times» berichten mehrere Bürgermeister christlicher Dörfer von Anrufen von israelischen Beamten. Diese hätten ihnen gesagt, sie könnten in der Evakuierungszone bleiben. Doch sie müssten schiitische Geflüchtete wegweisen. Andernfalls könnten die Beamten nicht garantieren, dass die Dörfer von Angriffen verschont würden, so die Dorfvorsteher.

Doch das bringt die christlichen und drusischen Dörfer in eine Zwickmühle. Die schiitische und vom Iran finanzierte Hisbollah droht ihnen. Ein Dorfvorsteher erzählt, dass er den israelischen Anweisungen Folge geleistet habe, dann aber von der Hisbollah kontaktiert worden sei. Diese drohte mit Vergeltung nach dem Krieg.
Laut der UN wurden seit dem Beginn des Iran-Kriegs mehr als eine Million Libanesen vertrieben. Human Rights Watch spricht von Vertreibungen «entlang religiöser Zugehörigkeiten». Israel könne nicht geltend machen, die Zivilbevölkerung aus zwingenden Gründen zu evakuieren, wenn nur schiitische Zivilisten zur Flucht gezwungen würden.
Israel will Teile des Südlibanons besetzen
Die israelische Seite betont stets, dass die Evakuierungen nur temporär seien und die Geflüchteten nach dem Krieg zurückkehren könnten. Neben Panzern sind aber auch immer mehr Bagger und Bulldozer im Südlibanon zu sehen. Berichten zufolge werden schiitisch geprägte Dörfer systematisch zerstört, was eine Rückkehr praktisch unmöglich macht.
In der Folge wird eine «Gazafizierung» des Südlibanons befürchtet. Verteidigungsminister Israel Katz teilte mit, dass sich die Armee nach dem Ende des Einsatzes in einer Sicherheitszone niederlassen werde. So soll das Gebiet von der Grenze bis zum Fluss Litani besetzt werden. Bis die Sicherheit im Norden Israels gewährleistet sei, werde die Rückkehr der Vertriebenen verhindert.




















