KI und Geschwindigkeitsrekorde der Wissenschaft auf dem Prüfstand
Künstliche Intelligenz steht im Mittelpunkt des Gipfels des Genfer Zentrums für Wissenschaftsdiplomatie (GESDA). Zu Beginn der Tagung vom Mittwoch betonte GESDA-Präsident Peter Brabeck, wie wichtig es sei, sich bei wissenschaftlichen Durchbrüchen Zeit zu lassen.

«Wir erleben in der Wissenschaft weiterhin jeden Tag neue Geschwindigkeitsrekorde», sagte der ehemalige Nestlé-Chef Brabeck-Letmathe. Forschungsarbeiten, die früher Jahre dauerten, liessen sich inzwischen auf Monate, Wochen und sogar Tage verkürzen.
Nach Initiativen zu Quantencomputern, zur weltweiten Ausbildung in Wissenschaftsdiplomatie und zur Schnittstelle zwischen Gehirn und Computer stehe diesem Jahr auf dem GESA-Gipfel künstliche Intelligenz wie überall auf der Tagesordnung. Dies erklärte Generaldirektorin Marilyne Andersen auch mit Blick auf den für kommenden Juni in Genf geplanten Weltgipfel zur KI.
Dazu gehört insbesondere das erste Treffen eines neuen Kooperationsnetzwerks zum Thema Innovation im Zusammenhang mit den dualen Anwendungsmöglichkeiten dieser Technologie.
Angesichts der Herausforderungen gelte es, Wissenschaftler und politische Entscheidungsträger, Diplomaten sowie Vertreter der Privatwirtschaft näher zusammenzubringen, so Brabeck-Letmathe. Das Problem sei nicht, dass Regierungen langsam, sondern dass sie zu spät handelten.
Politik hinkt hinterher
Staatssekretär Alexandre Fasel vom Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) räumte ein, dass die Politik oft erst auf wissenschaftliche Durchbrüche reagiere. «Das haben wir beim Internet gesehen. Das haben wir bei den sozialen Netzwerken gesehen. Und ja, das sehen wir auch bei der KI», erklärte er.
Die GESDA versucht jedes Jahr in ihrem Radar zu bewerten, wie wissenschaftliche Innovationen in 5, 10 und 25 Jahren aussehen könnten. Zu den Themen, die in diesem Jahr behandelt wurden, gehört eine mögliche durch Pilze verursachte Epidemie, die bei immer mehr Akteuren aus Wissenschaft und Gesundheitswesen Besorgnis auslöst. Der Klimawandel könnte die Bedrohung durch solche Krankheitserreger verstärken.
In fünf Jahren, so prognostiziert der Radarbericht der GESDA, würden voraussichtlich die ersten beiden Medikamente gegen die Auswirkungen einer solchen Epidemie vorgestellt worden sein. In zehn Jahren dürfte ein Impfstoff auf den Markt kommen. Und in 25 Jahren könnten KI und synthetische Biologie es ermöglichen, direkt auf die DNA von Pilzen einzuwirken.
Insgesamt kommen am GESDA-Gipfel fast 1000 Personen für zwei Tage zusammen. Neben dem Thema KI sollen sie auch an Diskussionen teilnehmen, die vom Abschmelzen der Gletscher über Robotik, Weltraum und Quantencomputer bis hin zur synthetischen Biologie reichen.










