Ist Abdul El-Sayed der linke Hoffnungsträger der USA?
Abdul El-Sayed will in den US-Senat. Der Demokrat gilt als Hoffnungsträger der progressiven Linken und sorgt für heftige Konflikte innerhalb seiner Partei.

Abdul El-Sayed gehört zu den bekanntesten Gesichtern des progressiven Flügels der Demokratischen Partei. Bei den Zwischenwahlen am 3. November 2026 kämpft er in Michigan um einen Sitz im US-Senat.
Seine Kandidatur sorgt weit über die Grenzen des Bundesstaates hinaus für Aufmerksamkeit. Denn der 42-Jährige verbindet linke politische Forderungen mit einer wirtschaftspolitischen Haltung, die nicht dem klassischen sozialistischen Selbstverständnis entspricht.
Im August gewann El-Sayed die demokratischen Vorwahlen gegen die etablierte Parteikollegin Haley Stevens. Laut dem «Surplus Magazin» entschied er das Rennen mit weniger als einem Prozentpunkt Vorsprung für sich.
Bernie Sanders unterstützt El-Sayed
Der linke Senator Bernie Sanders würdigte den Erfolg ausdrücklich. Er bezeichnete El-Sayeds Vorwahlsieg als aussergewöhnliches Ereignis in der modernen politischen Geschichte der Vereinigten Staaten.
Obwohl El-Sayed dem linken Parteiflügel zugerechnet wird, ist er kein Mitglied der Democratic Socialists of America (DSA). Der Politiker versteht sich vielmehr als überzeugter Kapitalist.
Diese Einordnung macht ihn zu einer besonderen Figur innerhalb der amerikanischen Linken. Seine politische Ausrichtung und seine wirtschaftspolitischen Überzeugungen lassen sich deshalb nicht einfach gleichsetzen.
Haley Stevens stellt sich nach Wahlniederlage hinter Republikaner Rogers
Im Zentrum seiner Kandidatur steht der Anspruch, die Interessen gewöhnlicher Bürger stärker zu berücksichtigen. Gleichzeitig positioniert er sich gegen das politische Establishment seiner eigenen Partei.
Besonders deutlich wurde dieser Konflikt im Verhältnis zu Haley Stevens. Nach ihrer Niederlage bei den demokratischen Vorwahlen stellte sie sich öffentlich hinter den republikanischen Senatskandidaten Mike Rogers.
Wie der «Spiegel» am 1. November berichtete, begründete Stevens ihre Entscheidung mit El-Sayeds Wahlkampfrhetorik. Sie warf ihrem früheren Konkurrenten vor, mit seiner Kampagne Hass zu schüren.
Israelpolitik verschärft den Streit um El-Sayed
Rogers begrüsste die Unterstützung und verwies auf mögliche Gefahren für jüdische Menschen. Auch Donald Trump und republikanische Vertreter griffen El-Sayed wegen seiner politischen Positionen scharf an.
El-Sayed reagierte demonstrativ gelassen auf den Seitenwechsel seiner früheren Konkurrentin. Gegenüber Journalisten erklärte er, dass er sich eigentlich nicht mit Haley Stevens beschäftige.
Ein wesentlicher Hintergrund der Auseinandersetzung ist El-Sayeds Haltung gegenüber Israel. Der Demokrat fordert ein Ende der amerikanischen Unterstützung und Militärhilfen für den israelischen Staat.
Israel-Anzeige löst Streit und Parteiausschluss aus
Besonders umstritten war eine Werbeanzeige einer unabhängigen linken Gruppierung. Diese stellte einen Zusammenhang zwischen den hohen Lebensmittelpreisen in den USA und der amerikanischen Unterstützung Israels her.
El-Sayed distanzierte sich ausdrücklich von der Anzeige. Er stellte klar, dass sie weder von seinem Wahlkampfteam stamme noch seine inhaltliche Position wiedergebe, schreibt «Die Zeit».
Die parteiinternen Spannungen hatten inzwischen auch personelle Konsequenzen. Am 2. November berichtete «Die Zeit», dass die Demokraten in Michigan Haley Stevens aus ihrer Partei ausgeschlossen hatten.
Historische Bedeutung einer möglichen Wahl
El-Sayed tritt bei der Senatswahl gegen den Republikaner Mike Rogers an. Die Abstimmung in Michigan gehört zu den besonders wichtigen Rennen im Kampf um die Mehrheit des US-Senats.
El-Sayed liegt in den aktuellen Umfragen knapp vorne. Ein Wahlsieg hätte zudem historische Bedeutung für die Vereinigten Staaten.

Der 42-Jährige hat ägyptische Wurzeln und gehört dem muslimischen Glauben an. Sollte er die Wahl gewinnen, wäre er der erste muslimische Senator in der Geschichte der USA.












