Festnahme von deutschem Ex-Geheimdienstchef irritierte US-Dienste
Nach der Festnahme des früheren Chefs des deutschen Auslandsgeheimdienstes Bundesnachrichtendienst (BND), August Hanning, vor einigen Wochen haben US-Geheimdienste ihre deutschen Kollegen nach Medienberichten vor Konsequenzen gewarnt.

Die Botschaft lautete nach Recherchen des Westdeutschen Rundfunks (WDR), des Norddeutschen Rundfunks (NDR) und der Süddeutschen Zeitung (SZ): Der deutsche Auslandsnachrichtendienst sei zwar ein wichtiger Partner, doch komme die bisherige Kooperation mit dem Dienst auf den Prüfstand.
Trotzdem gebe es in der Zusammenarbeit zwischen dem BND und den Nachrichtendiensten der USA keine Einschränkung, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur (dpa) aus Sicherheitskreisen.
Der Hinweis erreichte den BND dem Bericht zufolge wenige Tage nach Hannings Festnahme Anfang Oktober. Der Ex-BND-Chef soll mit seinem früheren Büroleiter Manfred D. vermutlich 2010 vereinbart haben, dass D. dem fünf Jahre zuvor aus dem Amt geschiedenen Hanning gegen Bezahlung fortlaufend wertvolle BND-Erkenntnisse besorgen solle. Diese Informationen soll Hanning gewinnbringend bei seiner Beratertätigkeit verwertet haben.
Inzwischen sitzt Hanning wegen Spionageverdachts in Untersuchungshaft. Die Bundesanwaltschaft wirft dem 80-Jährigen geheimdienstliche Agententätigkeit, landesverräterische Ausspähung, Auskundschaften von Staatsgeheimnissen und versuchten Landesverrat vor.
Es ist üblich, dass Nachrichtendienste befreundeter Staaten Informationen austauschen – allerdings mit dem Verständnis, dass die Quelle vertraulich behandelt wird und mit strikten Auflagen zur Weitergabe.
Die Irritation der US-Amerikaner habe die Kooperation bislang aber nicht beeinträchtigt, hiess es. «Die Zusammenarbeit befindet sich im Normalzustand der Kooperation», erfuhr die dpa aus Sicherheitskreisen. «Es sind lediglich ein paar Arbeitsgespräche verschoben worden.» Diese seien inzwischen neu terminiert.
Auf dpa-Anfrage wollte sich der BND selbst nicht äussern. «Der Bundesnachrichtendienst nimmt zu Angelegenheiten, die etwaige nachrichtendienstliche Erkenntnisse oder Tätigkeiten betreffen, grundsätzlich nicht öffentlich Stellung. Dies schliesst naturgemäss auch alle Aspekte internationaler Kooperationen ein», hiess es. Damit werde keine Aussage darüber getroffen, ob Sachverhalte zutreffend seien oder nicht.










