Davos öffnet heute Langlaufloipe – dank altem Kunstschnee
Hinter der Schweiz liegt ein Rekordsommer mit viel Hitze und Trockenheit. Dennoch kann in Davos GR heute eine Langlaufloipe eröffnen. Nau.ch war vor Ort.
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Das Wichtigste in Kürze
- In Davos GR eröffnet am heutigen Freitag eine Langlaufloipe.
- Snowfarming, also das Konservieren von Kunstschnee der letzten Saison über den Sommer, macht das möglich.
- Ob das im nächsten Jahr wegen des Wassermangels infolge des Rekordsommers 2026 noch klappt, ist ungewiss.
Der Sommer 2026 geht in der Schweiz in die Geschichtsbücher ein.
Denn: Es war heisser und trockener als jemals zuvor seit Messbeginn. Besonders eindrücklich ist dabei die Tatsache, wie lange es heiss blieb.
Erstmals wurde es in der Schweiz am 22. Mai über 30 Grad heiss. Letztmalig knackte das Thermometer die 30-Grad-Marke am 27. September.

Das ist nur etwas mehr als einen Monat her. Dennoch startet im Bündner Schneesportort Davos am heutigen Freitag im Flüelatal bereits die Langlauf-Saison. Und das bei sechs Grad.
Erwartet werden viele Profis, sogar aus Nachbarländern. Denn in der Region ist Davos die erste Destination, die öffnet.
Wie ist das möglich? Nau.ch war vor Ort und hat sich angesehen, wie in grünbrauner Landschaft eine Loipe entsteht.
Konservierter Kunstschnee macht Loipen-Eröffnung möglich
Dass bereits eine Loipe entstehen kann, verdankt man in Davos vorausschauender Planung – und Snowfarming.
Zu Beginn des Jahres produzierte man vor Ort Kunstschnee. Dieser wurde den Sommer über nahe der Langlaufloipe konserviert, also haltbar gemacht.
Nun kommt er zum Einsatz und zaubert weiss in die Herbstlandschaft. So kann die Wintersaison in Davos normal starten – Hitzesommer hin oder her.
Doch ist das noch zukunftsfähig, wenn man bedenkt, wie viel Wasser es braucht, um Kunstschnee herzustellen?
«Das hat gezeigt, dass Snowfarming sehr gut funktioniert»
Gegenüber Nau.ch meint Werner Putzi, Abteilungsleiter Langlauf Davos: «Ja, mehr denn je.» Denn es habe sich gezeigt, dass der Schneeverlust vom Einlagern bis zum Auspacken gleich gross sei wie in anderen Sommern. «Das hat gezeigt, dass Snowfarming sehr gut funktioniert.»
Und Putzi ergänzt: «Aus der Erfahrung und der Rückmeldung aus umliegenden Gebieten und dem nahen Ausland zeigt sich: Es wollen mehr Destinationen künftig auf Snowfarming setzen.»

Wie es dann im nächsten Jahr aussehe und ob dann genügend vorproduzierter Schnee für eine Loipe zusammenkomme, sei nicht abzuschätzen.
«Produzieren werden wir, sobald es kalt wird», so Putzi. Das könne im November sein, denkbar sei aber auch Dezember oder gar Januar. Was aber klar sei: «Es hat sicher weniger Wasser als in anderen Jahren.»
«Gegen Snowfarming ist grundsätzlich nichts einzuwenden»
Wie das aber genau aussehen werde und wie niederschlagsreich der nächste Sommer werde, lasse sich nicht abschätzen. «Ich mache mir aktuell nicht zu viele Gedanken. Wir sind einfach wachsam in Bezug auf Wasser und die Wasserressourcen.»
Doch was meinen Umweltschützer zur Snowfarming-Methode?
Gegenüber Nau.ch meint Greenpeace Schweiz: «Gegen Snowfarming ist grundsätzlich nichts einzuwenden, ist es doch eine einigermassen nachhaltige Methode, Eis und Schnee für Trockenzeiten zu konservieren.»
Die Methode werde beispielsweise auch in trockenen Gebieten im Himalaya angewandt. So könne Wasser gespeichert werden. Aber: «Bei Kunstschnee ist es etwas komplizierter, denn dessen Umweltbilanz hängt von mehreren Faktoren ab.»
Davos ist beim Snowfarming vorbildlich
Entscheidend sei, ob das Wasser energieintensiv – also über weite Strecken oder in die Höhe – gepumpt werden müsse.
Wichtig sei auch, ob man mit nährstoffreichem Wasser nährstoffarme Magerwiesen zerstöre. Und ob sensible Bergbäche als Wasserressource genutzt und so trockengelegt würden.

Zur Loipe in Davos meint Greenpeace: «In diesem Fall scheint keiner der Punkte zuzutreffen.»
Denn der Kunstschnee werde mit Wasser aus dem benachbarten Bach produziert und der Schnee werde nicht auf Magerwiesen ausgebracht. «Sofern dem Bach nicht zu viel Wasser entnommen wird, ist es darum okay.»
Langlauf bald nur noch in Hallen?
Doch es sei wichtig, sich ins Bewusstsein zu rufen, dass man beim Snowfarming von einer «Anpassungsmassnahme» spreche, erklärt Greenpeace.
«Solange wir die Klimaerhitzung einigermassen in Schach halten, können solche Massnahmen durchaus ihre Wirkung entfalten. Wird es weiter heisser und trockener, dürfte es irgendwann nicht mehr möglich sein oder der Aufwand wird zu gross.»
Am Ende bleibe nur, dass die Schweiz mit Klimaschutzmassnahmen vorwärts mache. «Leider ist bereits jetzt absehbar, dass die Schweiz ihre selbst gesteckten Ziele massiv verfehlen wird.»

Greenpeace warnt daher: «Wenn alle so weitermachen wie die Schweiz, werden wir bald nur noch in Schneehallen langlaufen – Snowfarming hin oder her.»
Auch die Berner können schon auf die Piste. Die Tschentenalp in Adelboden hat eine Skipiste bereits vergangenes Wochenende eröffnet. Auch das dank Snowfarming.











