Drei Jahre nach der Tragödie vor Pylos: Prozess weiter ungewiss
Drei Jahre nach dem Untergang des überladenen Fischkutters «Adriana» vor der griechischen Küste mit hunderten Opfern kommt die juristische Aufarbeitung eines der schlimmsten Unglücke mit Migranten im Mittelmeer nicht voran.

Das Boot war in der Nacht vom 13. auf den 14. Juni 2023 rund 50 Seemeilen südwestlich von Pylos in internationalen Gewässern innerhalb der griechischen Such- und Rettungszone gekentert. Nach Schätzungen kamen dabei etwa 650 Menschen ums Leben, 104 überlebten.
Nach Darstellung der Menschenrechtsorganisation Refugee Support Aegean (RSA) wurden die griechischen Behörden und die EU-Grenzschutzagentur Frontex bereits am Vormittag des 13. Juni 2023 über ein in Seenot geratenes Boot mit hunderten Menschen an Bord informiert.
Kritiker werfen den beteiligten Stellen vor, Such- und Rettungsmassnahmen nicht rechtzeitig oder nicht ausreichend eingeleitet zu haben. Demnach soll der Kutter gekentert sein, nachdem ein Boot der griechischen Küstenwache ihn ins Schlepptau genommen hatte.
Die griechischen Behörden widersprechen dieser Darstellung und verweisen darauf, dass das Boot infolge einer plötzlichen Verlagerung vieler Insassen gekentert sei. Eine Bergung des Wracks sei aufgrund der Lage in rund fünf Kilometern Tiefe in einem der tiefsten Bereiche des Mittelmeers nicht möglich gewesen.
In den folgenden Jahren wurden in Griechenland strafrechtliche Ermittlungen eingeleitet und mehrere Anklagen erhoben, unter anderem gegen Angehörige der Küstenwache. Ein Hauptverfahren vor Gericht hat bislang nicht stattgefunden. «Die Ermittlungen ziehen sich in die Länge», sagte RSA-Sprecherin Eirini Gaitanou der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Es sei völlig unklar, «wann und ob überhaupt» ein Prozess stattfinden wird. Anwälte der Menschenrechtsorganisation vertreten die Familien der Opfer und die Überlebenden.










