Die EU bereitet weitere Sanktionen gegen Russland vor. Nach der Kehrtwende Deutschlands soll nun auch ein Öl-Embargo zur Diskussion stehen.
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Öl-Raffinerie in Moskau. - AFP

Das Wichtigste in Kürze

  • Die EU bereitet weitere Sanktionen gegen Russland vor.
  • Der nächste Schritt soll ein Embargo für russisches Öl beinhalten.
  • Deutschland vollzieht laut Diplomatenangaben Kehrtwende.

Ein europäischer Importstopp für russisches Öl rückt offenbar näher: Wie am Sonntag aus Diplomatenkreisen verlautete, bereitet die EU-Kommission derzeit ein weiteres Sanktionspaket gegen Russland vor, das auch ein Einfuhrverbot für russisches Öl vorsehen soll.

Ermöglicht wird der Importstopp demnach durch eine politische Kehrtwende Deutschlands, das einem Öl-Embargo bislang skeptisch gegenübergestanden hatte.

Der neue Sanktionstext könnte den Mitgliedstaaten bereits am Mittwoch vorgelegt werden, hiess es aus den Diplomatenkreisen. Um noch skeptische Mitgliedstaaten zu überzeugen, ist demnach eine schrittweise Umsetzung des Importstopps vorgesehen. So soll den EU-Mitgliedstaaten sechs bis acht Monate Zeit gegeben werden, ihre Bezugsquellen für Öl zu diversifizieren.

Blockiert nun Viktor Orban das Embargo?

Als potenzieller Blockierer eines nötigen einstimmigen Sanktionsbeschlusses gilt nach dem Einlenken Berlins vor allem das in hohem Masse von russischem Öl abhängige Ungarn. Regierungschef Viktor Orban, dem eine grosse Nähe zum Kreml nachgesagt wird, hatte nach seiner Wiederwahl Anfang April ein Veto gegen jede Form von Energieembargo angekündigt.

Viktor Orban
Viktor Orban ist in Ungarn seit 2010 an der Macht. - keystone

Orbans Kabinettschef Gergely Gulyas sagte laut der Nachrichtenagentur Bloomberg am Sonntag im staatlichen Rundfunk, ein solches Embargo sei kontraproduktiv. Die EU-Staaten müssten «zur Vernunft kommen».

Sorge über Öl-Stopp auch in anderen Ländern gross

Doch auch in anderen EU-Hauptstädten wird ein Öl-Embargo kritisch gesehen. Befürchtet werden noch stärker steigende Treibstoffpreise. «Wir müssen mit Blick auf die Marktreaktion sehr wachsam sein», sagte ein EU-Vertreter, der anonym bleiben wollte, der Nachrichtenagentur AFP. Es gebe Lösungen, um letztlich ein Importverbot umzusetzen. «Aber wir müssen mit grosser Umsicht vorgehen.»

Russland exportiert rund zwei Drittel seines Öls in die EU. Befürworter eines Embargos argumentieren, dass Russland durch einen solchen Schritt eine wichtige Einnahmequelle abhanden käme, die es zur Finanzierung seines Kriegs in der Ukraine benötigt.

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US-Finanzministerin Janet Yellen warnt vor den möglichen Folgen der Zahlungsunfähigkeit der USA. (Archivbild) - Keystone

Die EU-Kommission führte am Wochenende Gespräche mit Vertretern der besonders skeptischen Mitgliedstaaten sowie mit Vertretern der Internationalen Energiebehörde und US-Vertretern. US-Finanzministerin Janet Yellen hatte kürzlich vor einer Fehlkalkulation im Falle der Verhängung eines Öl-Embargos gewarnt. Ein solcher Schritt könne «entgegen der Intuition» möglicherweise einen nur «sehr kleinen negativen Effekt auf Russland» haben, sagte sie mit Verweis auf mögliche weitere Preissteigerungen bei Öl, die Russland nutzen könnten. Die EU-Energieminister wollen bei ihrem Sondertreffen am Montag über das Thema beraten.

Neben dem schrittweisen Einfuhrverbot für russisches Öl sieht das nunmehr sechste Sanktionspaket gegen Russland den Diplomaten zufolge auch Strafmassnahmen gegen die russische Sberbank vor. Wie bereits andere russische Banken soll nun auch das grösste russische Finanzinstitut vom internationalen Zahlungssystem Swift ausgeschlossen werden.

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