Gericht

Armeniens Kirchenoberhaupt steht vor Gericht

Keystone-SDA
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Armenien,

In einem Machtkampf zwischen Regierung und Kirche in Armenien ist das orthodoxe Kirchenoberhaupt Karekin II. vor Gericht gestellt worden – ein bislang einmaliger Vorgang in den Nachfolgestaaten der Sowjetunion.

ARCHIV - Der armenische Katholikos Karekin II. (M) nimmt an der Gedenkfeier zum 110. Jahrestag des Massakers an den Armeniern im Osmanischen Reich teil. Foto: Hayk Baghdasaryan/PHOTOLUR...
ARCHIV - Der armenische Katholikos Karekin II. (M) nimmt an der Gedenkfeier zum 110. Jahrestag des Massakers an den Armeniern im Osmanischen Reich teil. Foto: Hayk Baghdasaryan/PHOTOLUR... - Keystone/PHOTOLURE via AP/Hayk Baghdasaryan

Der Katholikos und mehrere mitangeklagte Bischöfe erschienen persönlich zum ersten Prozesstermin in Etschmiadsin nahe der Hauptstadt Eriwan, wie Reporter berichteten.

Hintergrund ist ein jahrelanger Streit mit Ministerpräsident Nikol Paschinjan, dessen proeuropäische Regierung im Juni mit absoluter Mehrheit wiedergewählt worden ist.

Die Anklage legt Karekin zur Last, sich über das Urteil eines weltlichen Gerichts hinwegzusetzen. Dieses verlangt die Wiedereinsetzung eines abgesetzten, Paschinjan-treuen Bischofs. Weigert sich der Kirchenführer weiterhin, drohen ihm bis zu zwei Jahre Haft. Das Gericht nahm in geschlossener Sitzung die Personalien auf und beendete dann den Verhandlungstag, wie ein Gerichtssprecher mitteilte.

Unmut über Anklage gegen Katholikos

Die orthodoxen Kirchen in Armenien und Georgien im Südkaukasus zählen zu den ältesten der Welt, ihr kultureller und gesellschaftlicher Einfluss ist bis heute gross. «Unseren geistigen Bruder, seine Heiligkeit Karekin II., vor Gericht vorzuladen, ist unannehmbar und muss verurteilt werden», sagte ein anderer Bischof, Aram, nach Medienberichten.

Die Liste der Konflikte zwischen dem Kirchenoberhaupt und Paschinjan ist lang. Karekin II. legt dem Regierungschef die militärische Niederlage Armeniens 2020 im Krieg gegen Aserbaidschan zu Last, ebenso die kampflose Preisgabe des armenischen Siedlungsgebietes Berg-Karabach 2023.

Regierung sieht russischen Einfluss in Kirche

Paschinjan nennt die Kirchenführer Einflussagenten Russlands, während er sein Land aus dem Moskauer Machtbereich lösen und Richtung EU führen will. Er bestreitet Karekins Recht auf die Kirchenleitung und will der orthodoxen Kirche interne Reformen verordnen. Die russlandfreundliche Opposition im Parlament von Eriwan hat angekündigt, den Prozess genau zu beobachten.

Kommentare

User #5725 (nicht angemeldet)

Wieder ein gutes Beispiel warum man Staat und Kirche stets trennen sollte.... Glauben hat nichts mit der Politik zu tun, und auch wieder ein Land, welches nach Abspaltung Russland plötzlich von der Kirche so beeinflusst wird. Auch vor 110 Jahre...., lebt da noch jemand, der dafür verantwortlich ist oder gemacht werden könnte, oder ist dies eine andere Zeit gewesen?

Anton Borter

Der Weltkirchenrat kritisiert den Prozess der Regierung Armeniens gegen das Kirchenoberhaupt Karekin II. und sechs Bischöfe. Ihnen wird vorgeworfen, einen Gerichtsentscheid ignoriert zu haben. Der Prozess stockt.

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