Der Grenzkonflikt zwischen Äthiopien und dem Sudan spitzt sich weiter zu. Äthiopien ist jedoch nicht bereit in den Krieg zu ziehen.
Abiy Ahmed im November
Abiy Ahmed im November - AFP/Archiv

Das Wichtigste in Kürze

  • Äthiopiens Ministerpräsident will keinen Krieg mit dem Sudan.
  • Trotzdem wachsen die Spannungen im sudanesischen-äthiopischen Grenzkonflikt.
  • Im Grenzkonflikt geht es um die landwirtschaftlich geprägte Region Al-Fashaqa.

Mit Blick auf wachsende Spannungen im sudanesisch-äthiopischen Grenzkonflikt hat Äthiopiens Ministerpräsident Abiy Ahmed betont: Keinen Krieg mit dem Nachbarland zu wollen. Äthiopiens Regierungschef räumt Präsenz eritreischer Soldaten in Tigray ein.

«Wir brauchen keinen Krieg»

«Äthiopien hat viele Probleme, und wir sind nicht bereit, in den Kampf zu ziehen. Wir brauchen keinen Krieg», sagte Abiy am Dienstag in einer live im Fernsehen übertragenen Rede vor dem Parlament.

In dem Grenzkonflikt geht es um die landwirtschaftlich geprägte Region Al-Fashaqa. Diese wird sowohl von Äthiopien als auch vom Sudan beansprucht. Der Konflikt um die fruchtbare Region hatte sich im Zuge der Kämpfe im vergangenen Jahr zugespitzt.

Tödliche Gefechte

Während der Kämpfe in Tigray hatte die Regierung in Khartum Soldaten nach Al-Fashaqa geschickt. Sudanesische und äthiopische Soldaten lieferten sich in der Folge tödliche Gefechte.

Vor wenigen Wochen erklärte die sudanesische Regierung: Die Kontrolle über weite Teile von Al-Fashaqa erlangt zu haben. Während Addis Abeba den sudanesischen Streitkräften vorwarf, in äthiopisches Territorium «eingedrungen» zu sein.

Die Spannungen hatten die Furcht vor einem grossen regionalen Konflikt im Osten Afrikas angeheizt. Die Situation in der Region ist seit Beginn der Kämpfe in Tigray höchst instabil; rund 60.000 Menschen flüchteten bereits aus der äthiopischen Region in den Sudan.

Soldaten aus Eritrea

In seiner Rede am Dienstag räumte Abiy nach wochenlangen Dementis erstmals ein: Dass sich in Tigray auch Soldaten aus dem Nachbarland Eritrea befänden. Menschenrechtsgruppen hatten in den vergangenen Wochen Massaker an der Zivilbevölkerung durch eritreische Soldaten angeprangert.

«Jeglicher Schaden», den eritreische Soldaten in der äthiopischen Bevölkerung verursacht hätten, sei «inakzeptabel», betonte Abiy. «Der Militäreinsatz (in Tigray) war gegen unsere Feinde gerichtet, nicht gegen unsere Bevölkerung.»

Offensive in Tigray

Die äthiopischen Truppen hatten Anfang November eine Offensive gegen die in Tigray regierende Volksbefreiungsfront TPLF begonnen. Gut drei Wochen später verkündete der äthiopische Regierungschef Abiy Ahmed die Einnahme der Regionalhauptstadt Mekele und das Ende des Militäreinsatzes.

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