Zybach (SP): «Wenn Meiringen schweigt, muss Bern hellhörig werden»
Die Leute in den Bergregionen würden seit Generationen einen wichtigen Beitrag für die Schweiz leisten. Ein Gastbeitrag der SP-Nationalrätin Ursula Zybach.

Die Menschen in unseren Bergregionen leisten seit Generationen einen wichtigen Beitrag für die ganze Schweiz. Sie bieten Raum für wichtige Anlagen wie Wasserkraftwerke, Verkehrsverbindungen und militärische Einrichtungen. Vieles davon dient dem ganzen Land, während die Belastungen die lokale Bevölkerung vor Ort trägt. Was diese fordert, ist mehr respektvollen und ehrlichen Umgang.
Wie schwierig es geworden ist, zeigt sich derzeit im Haslital. Am 19. Oktober gehen Menschen in Meiringen BE unter dem Motto «Leise gegen Laut» schweigend über den Flugplatz.
Sie machen damit auf eine Belastung aufmerksam, die ihren Alltag seit Jahrzehnten prägt: den Lärm der Kampfflugzeuge. Die Unsicherheit, was mit der Stationierung des neuen noch lauteren US-Kampfjets F-35A auf sie zukommen wird, ist gross.
Denn bis heute fehlen ausreichend abgesicherte Grundlagen, um die künftige Lärmbelastung im Haslital zuverlässig beurteilen zu können.
Zwar hat das VBS Berechnungen vorgelegt, wonach die jährliche Lärmbelastung dank weniger Flugbewegungen sogar leicht abnehmen soll. Doch einzelne Starts des F-35A sind bekanntlich massiv lauter, als diejenigen der heutigen F/A-18.
Hinzu kommen die besonderen topografischen Verhältnisse im engen Bergtal. Wie sich der Lärm dort tatsächlich ausbreiten wird, ist eine entscheidende Frage. Belastbare Messdaten für die Talschaft liegen bis heute keine vor.

Umso unverständlicher ist es, dass der von den Gemeinden geforderte direkte Hörvergleich zwischen F/A-18 und F-35A bis heute nicht stattgefunden hat. Im April wurde er kurzfristig abgesagt, im September erneut verschoben.
Zwar würde ein einzelner Hörvergleich noch keine verlässlichen Lärmkurven liefern. Aber er wäre ein wichtiger Schritt gewesen, damit sich die Bevölkerung selbst einen ersten Eindruck verschaffen kann.
Die Unsicherheit hat ganz konkrete Folgen. In Brienzwiler beispielsweise verläuft die Grenze für die vorgesehenen Schallschutzmassnahmen mitten durch die Dorfstrasse. Auf der einen Seite erhalten Häuser neue Schallschutzfenster, auf der anderen nicht. Dabei trifft der Lärm das Dorf als Ganzes. Das ist für die Bevölkerung unverständlich.
Genau hier hätten wir im Nationalrat Verbesserungen erreichen können. Im Rahmen der Armeebotschaft 2026 beantragte Priska Seiler Graf (SP), den Kredit für Lärmschutzmassnahmen an den Militärflugplätzen Meiringen, Emmen und Payerne von 30 auf 88 Millionen Franken zu erhöhen.
Damit hätten auch ältere Schallschutzfenster ersetzt und zusätzliche Liegenschaften im Bereich einer berechneten Belastung von 60 bis 65 Dezibel geschützt werden können.
Matthias Jauslin (GLP) brachte einen Kompromissvorschlag über 51 Millionen Franken ein. Dieser hätte zumindest den Ersatz bereits bestehender Schallschutzfenster ermöglicht. Sein Argument war ebenso einfach wie überzeugend: Wer möchte, dass die Bevölkerung weiterhin Vertrauen in unsere Armee hat, muss auch bereit sein, in ihren Schutz zu investieren.
Doch beide Anträge wurden von der bürgerlichen Mehrheit im Nationalrat abgelehnt. Das enttäuscht mich sehr. Für neue Kampfflugzeuge und ihre Infrastruktur werden Milliarden bewilligt. Gleichzeitig scheitern bescheidene Millionenbeträge für den Schutz jener Menschen, die die Belastungen unmittelbar tragen.

Seit zwei Jahren engagiere ich mich im Kontaktgremium. Ich konnte einer Delegation aus der Region, darunter die Gemeindepräsidenten von Meiringen und Brienz, ein Gespräch mit Bundesrat Martin Pfister ermöglichen und konnte mit dem VBS zusätzliche Schutzmassnahmen prüfen.
Besonders dankbar bin ich den Gemeinden, die eng zusammenarbeiten und sich mit grossem Engagement für ihre Bevölkerung einsetzen. Ihr zentrales Anliegen: bessere, nachvollziehbare Grundlagen für die Lärmberechnungen und darauf aufbauend wirksamere Schutzmassnahmen.
Infos
Der Schweigemarsch vom Montag, 19.10.2026, in Meiringen BE startet um 19 Uhr beim Flugplatz Meiringen-Unterbach. Gäste sind willkommen.
Die Schweiz braucht eine glaubwürdige Sicherheitspolitik. Und kritische Infrastrukturen benötigen die Akzeptanz der Regionen, die ihre Lasten tragen. Dafür braucht es mehr Vertrauen, Beteiligung und vor allem einen möglichst umfassenden Schutz der Bevölkerung.
Die Menschen im Haslital erwarten keine Sonderbehandlung. Sie erwarten, dass ihre Sorgen gehört und ernst genommen werden.
Ich freue mich auf eine rege Anteilnahme am Schweigemarsch und hoffe, dass Bundesbern nun endlich hellhörig wird!
Zur Autorin
Ursula Zybach (*1967) ist seit 2023 Berner Nationalrätin für die SP.








