Steuern

    Zöliakie-Betroffene sollen wieder mehr Steuern abziehen können

    Bettina Zanni
    Bettina Zanni

    Bern,

    Der Bund reduziert den Steuerabzug für Menschen mit Zöliakie. Mitte-Nationalrat Giorgio Fonio kämpft mit einem neuen Vorstoss dagegen.

    Zöliakie
    Mitte-Nationalrat Giorgio Fonio will die Reduktion des Steuerabzugs bei Zöliakie rückgängig machen. - keystone

    Das Wichtigste in Kürze

    • Künftig können Zöliakie-Betroffene 1000 Franken weniger von den Steuern abziehen.
    • Mitte-Nationalrat Giorgio Fonio bezeichnet dies als «diskriminierend».
    • SVP-Nationalrat Erich Hess fände den Abzug fair, wenn alle profitierten.

    Brotkrümel am Buttermesser genügen, um heftige Bauchkrämpfe und Durchfall auszulösen. Denn: Glutenhaltige Produkte sind für Menschen mit Zöliakie tabu. In ihrem Einkaufskorb können sie deshalb nur Brot oder Spaghetti legen, wenn darin kein Klebereiweiss steckt.

    Die Betroffenen von Zöliakie können dafür 2500 Franken von den Steuern abziehen. Ab 2027 soll der Steuerabzug jedoch auf 1500 Franken sinken. Der Bund hat diese Pauschale im September überarbeitet. Der Bundesrat begründet die Reduktion mit den Kosten.

    Die durchschnittlichen Mehrkosten einer glutenfreien Ernährung lägen heute deutlich unter dem bisherigen Pauschalabzug von 2500 Franken, schrieb der Bundesrat. Darauf deuteten Studien hin.

    Stattdessen befänden sich die Kosten in einer Grössenordnung von rund 1500 Franken pro Jahr. Anders als noch 2005 seien zahlreiche glutenfreie Alternativprodukte im Detailhandel erhältlich.

    «Niemand entscheidet sich für Zöliakie»

    Der Tessiner Mitte-Nationalrat Giorgio Fonio will die Reduktion des Steuerabzugs jedoch rückgängig machen. «Ich werde in der Wintersession eine entsprechende Motion einreichen», bestätigt er gegenüber Nau.ch. Zuerst berichtete die Tessiner Zeitung «La Regione» darüber.

    Sollen Zöliakie-Betroffene weiterhin 2500 Franken von den Steuern abziehen können?

    Giorgio Fonio bezeichnet den reduzierten Pauschalabzug als «diskriminierend» für Betroffene von Zöliakie. «Niemand entscheidet sich dafür, Zöliakie zu haben und glutenfreie Produkte kaufen zu müssen», sagt Fonio. Der Pauschalabzug von 2500 Franken sei nichts anderes als sozial gerecht.

    Der Nationalrat macht auf die steigenden Prämien und die abnehmende Kaufkraft der Bevölkerung aufmerksam. «Können Familien mit Zöliakie für die nach wie vor teuren glutenfreien Produkte weniger abziehen, ist dies ein zusätzliches finanzielles Problem.»

    «Fair wäre, Steuerabzug von 2500 Franken für alle einzuführen»

    Auch von Seiten der FDP bekommt der Vorstoss Unterstützung. Er habe diesen zusammen mit FDP-Nationalrat Alex Farinelli ausgearbeitet, sagt Fonio.

    Gegen Steuerabzüge hat SVP-Nationalrat Erich Hess nichts einzuwenden.

    «Fair wäre aber, den Steuerabzug von 2500 Franken für alle einzuführen», sagt Hess. Heute könne sich jede Person von einem Arzt «irgendeine Unverträglichkeit» attestieren lassen.

    Auch gebe es Krankheiten, die Kosten verursachten und nicht abzugsberechtigt seien. «Bei einem Steuerabzug für alle würde auch der bürokratische Aufwand sinken.»

    Mehl soll sechsmal so teuer sein

    Bei Patientenorganisationen führte die Reduktion des Pauschalabszugs zu einem Aufschrei. Für Menschen mit Zöliakie bedeute dies eine weitere Kürzung einer staatlichen Unterstützung, teilte die IG Zöliakie der Deutschen Schweiz mit. «Obwohl glutenfreie Ernährung nach wie vor Mehrkosten verursacht.»

    Die IG kündigte an, weitere politische Schritte zu prüfen und voranzutreiben. «Selbstverständlich freuen wir uns, wenn das Thema Zöliakie im Parlament aufgegriffen wird», sagt Tina Toggenburger. Sie ist Geschäftsführerin der IG Zöliakie der Deutschen Schweiz. So könnten sie mit vereinten Kräften ein strategisches Vorgehen planen und umsetzen.

    Zöliakie
    Tina Toggenburger ist Geschäftsführerin der IG Zöliakie der Deutschen Schweiz. - zoeliakie.ch

    Für die IG ist klar, dass Betroffene für glutenfreie Produkte immer noch tief in die Tasche greifen müssen.

    Das billigste herkömmliche Mehl koste bei Coop einen Franken pro Kilo, sagt Toggenburger. «Das glutenfreie Mehl kostet 6,40 Franken pro Kilo.» Sie bezieht sich dabei auf das Produkt der Marke «Schär». Dieses sei sehr beliebt, sagt Toggenburger.

    Gewöhnliche Hörnli gebe es für 1,75 Franken pro 500 Gramm. «Glutenfreie Hörnli kosten dagegen CHF 3,30 pro 400 Gramm.»

    Wie viel mehr Geld Zöliakie-Betroffene im Alltag für Lebensmitte ausgeben, kann Toggenburger nicht angeben. Leider gebe es keine aktuelle entsprechende Studie, sagt sie. «Wir sind deshalb daran, hier eine Datenbasis zu schaffen.»

    Die IG will mit belastbaren Fakten nachweisen, dass Menschen mit Zöliakie auch heute noch höhere Kosten tragen müssen. «Und dadurch finanziell benachteiligt werden.»

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