Trotz Rekordhitze: Bundesräte tragen Hemden
Bei brütender Hitze reist der Bundesrat durch den Kanton Waadt. Der Aussenminister und der Justizminister tanzen mit ihren langärmligen Hemden aus der Reihe.

Das Wichtigste in Kürze
- Die Bundesräte Ignazio Cassis und Beat Jans tragen auf der Bundesratsreise Hemden.
- Ihre Kollegen setzen wegen der Hitze hingegen auf Kurzarm-Hemden.
- «Die andern Herren sehen aus wie irgendeine beliebige Rentner-Gruppe», sagt Stilexperte Jeroen van Rooijen.
Die Schweiz ist im Hitze-Ausnahmezustand. Wegen der anhaltend hohen Temperaturen machen sogar einige Schulen Hitzefrei.
Auch Firmen müssen improvisieren. Bauarbeiter starten ihre Arbeit früher, um den heisseren Stunden tagsüber auszuweichen. Gleichzeitig platzen Badis aus allen Nähten.
Aussenminister Ignazio Cassis und Justizminister Beat Jans scheint die Hitze hingegen nicht viel anzuhaben. Auf der traditionellen Bundesratsreise im Kanton Waadt sind sie mit langärmligen Hemden unterwegs.
Am Donnerstag und Freitag führt Bundespräsident Guy Parmelin seine Kolleginnen und Kollegen durch seinen Heimatkanton.
Rösti und Pfister mit Kurzarm-Hemden
Die beiden Bundesräte stechen mit ihren Hemden aus dem Gremium heraus. Cassis und Jans sind die einzigen, die auf dem gemeinsamen Foto vom Donnerstag auf die wenig luftige Kleidung setzen.
Guy Parmelin hat sich für ein gemustertes Kurzarm-Hemd entschieden. Auch Verteidigungsminister Martin Pfister trägt ein kurzärmliges Hemd, die Sonnenbrille lässig in den Ausschnitt gehängt.
Energieminister Albert Rösti zeigt sich ärmellos in einem hell gestreiften Hemd. Noch etwas legerer ist Bundeskanzler Viktor Rossi mit seinem Poloshirt unterwegs.
Tatsächlich könnten der Aussenminister und der Justizminister hitzeerprobter sein als der Durchschnittsschweizer: Ignazio Cassis stammt aus dem Tessin, wo es grundsätzlich immer ein paar Grade wärmer ist als im Norden der Schweiz. Beat Jans stammt aus dem Kanton Basel, wo immer wieder Hitzerekorde fallen.
«Eindeutig die Stil-Könige»
Die Mediensprecher der beiden Bundesräte lassen auf Anfrage ausrichten, dass diese ihre Kleidung je nach Anlass auswählten.
Ignazio Cassis scheint aber besonders darauf bedacht zu sein, sich auf dem Bundesratsreisli keinen Sonnenbrand zu holen. «Ein langärmliges Hemd hat bei diesen Temperaturen den Vorteil, dass es vor Sonnenbrand schützt», ergänzt sein Sprecher.
Während die Hemdenträger bei vielen Hitzegeplagten für Kopfschütteln sorgen dürften, punkten sie beim Stilexperten.
«Jans und Cassis sind ganz eindeutig die Stil-Könige auf diesem Foto», sagt Jeroen van Rooijen. «Die andern Herren sehen aus wie irgendeine beliebige Rentner-Gruppe.» Zum Glück gebe es hier noch die Frauen. «Die bessern das Ganze doch etwas auf!», findet er.
Kurzärmelhemden? «Für die höchsten Magistraten irgendwie ungenügend»
Ratgeber empfehlen laut dem Stilexperten für Respektspersonen eigentlich immer das langärmlige Hemd. «Weil das kurzärmelige Hemd einfach immer wie ein Bauer oder Tierarzt vom Lande aussieht.»
Für eine Wandergruppe könne dies gerade noch passen. «Aber für die höchsten Magistraten des Landes finde ich es doch irgendwie ungenügend.»
Auch hochgekrempelte Ärmel sind keine Stilsünde. «Das sieht immer schöner aus als diese kastrierten Freizeithemden», sagt van Rooijen.
«Wenigstens trägt keiner kurze Hosen»
Auf das Hemd von Martin Pfister reagiert der Stilexperte entsetzt. Es sei «eines der schlimmsten, das man sich denken kann», sagt er.
«Formlos, dazu kurzärmlig, und dann noch diese Kontrastknöpfe – der Horror.» Die Hose sei auch komplett unentschlossen, gleich wie die Schuhe.
Geht es nach dem Stilexperten, kämpft der Aussenminister beim Fototermin mit den Outfits gewisser Kollegen. «Man sieht dem Signore Cassis an, dass er sich ein bisschen für seine männlichen Kollegen schämt.»
Er sehe auf dem Foto ein bisschen gequält aus. «Er bemüht sich sichtbar um Haltung, während das den anderen Herren offenbar egal ist.»

Bundesrat Jans sehe zwar auch sehr freizeitlich, aber trotzdem gekonnt angezogen aus, sagt van Rooijen. «Man merkt sofort, dass er aus seinem urbanen Umfeld kommt.»
Trotzdem bekommen die Bundesräte insgesamt vom Stilexperten einen Pluspunkt. «Positiv wäre noch festzuhalten, dass wenigstens keiner kurze Hosen oder Kletter-Sandalen trägt», sagt van Rooijen.
«Dies wäre ja auch noch im Bereich des möglichen gewesen.» Tatsächlich: Auf seiner ersten Bundesratsreise im Sommer 2016 sorgte Guy Parmelin mit seinen kurzen Hosen für Schlagzeilen.













