St. Galler SP-Nationalrätin Claudia Friedl tritt zurück
Die St. Galler SP-Nationalrätin Claudia Friedl hat in einem Interview vom Freitag ihren Rücktritt angekündigt. Sie wird ihr Amt am 26. April dieses Jahres niederlegen. Für Friedl rückt Arbër Bullakaj aus Wil nach.

«Irgendwann weiss man: Es ist Zeit, aufzuhören. So ist es im Beruf, und so ist es auch in der Politik», sagte die 65-jährige Claudia Friedl in einem am Freitag im «St. Galler Tagblatt» erschienenen Interview. «Ich war jetzt dreizehn Jahre im Nationalrat und habe immer noch sehr viel Freude an dieser Arbeit. Aber irgendwann muss man einen Punkt setzen und Abschied nehmen», ergänzte Friedl auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.
Für sie sei klar, dass sie zu den Nationalratswahlen in zwei Jahren nicht mehr antreten wolle. «So hat mein Nachfolger auch die Chance, sich zwei Jahre zu profilieren und gut einzusteigen», sagte Friedl weiter.
Bei ihrem Rücktritt Ende April wird die Stadtsanktgallerin 33 Jahre aktive Parlamentspolitik hinter sich haben. Ab 1993 sass sie im St. Galler Stadtparlament. 1996 wechselte sie in den Kantonsrat, dem sie bis 2013 angehörte. In diesem Jahr trat sie die Nachfolge von Hildegard Fässler im Nationalrat an. Dort ist sie Mitglied der Aussenpolitischen Kommission. Mehrere Jahre war Friedl Präsidentin der Sozialdemokratischen Partei des Kantons St. Gallen.
Als Auslöser für den Start ihres politischen Engagements nannte Claudia Friedl den Frauenstreik von 1991. «Die Kraft dieses Anlasses motivierte mich so sehr, dass ich bei den Gemeinderatswahlen 1993 antrat und in das St. Galler Stadtparlament gewählt wurde», wird Friedl in einer Mitteilung der SP des Kantons St. Gallen vom Freitag zitiert. Gleichstellungsthemen und der Kampf gegen Gewalt an Frauen seien ihr bis heute wichtig.
Die kantonale SP würdigte im Communiqué den «jahrzehntelangen Einsatz» Friedls, unter anderem für Frauenrechte, Gleichstellung und soziale Gerechtigkeit. Mit ihr ziehe sich eine erfahrene, besonnene und kompetente Frau aus der Politik zurück.
Die SP der Stadt St. Gallen wiederum schrieb in einer Mitteilung, dass sie den Rücktritt mit «grosser Wertschätzung und Anerkennung» zur Kenntnis nehme. Der Nationalrat verliere eine profilierte sozialdemokratische Vertreterin. Die Umweltwissenschaftlerin habe sich unter anderem für konsequenten Klimaschutz und den Erhalt der Biodiversität eingesetzt.
Angesprochen auf die grössten Erfolge im Nationalrat, auf die sie besonders stolz sei, antwortete Friedl im St. Galler Tagblatt: «Der ganz grosse Hammer ist nicht unbedingt eingetreten. Aber ich habe bei vielen Projekten mitgeholfen und Ideen eingebracht. Eine Zeitlang ging es zum Beispiel in der Klimapolitik voran.» Ein lauter Politikstil und das Rampenlicht zu suchen, habe ihr nie gelegen.
Friedl zeigt sich aber überzeugt, über die Jahre hinweg entscheidende Akzente gesetzt zu haben. Im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA zählt sie einen ganzen Strauss an Themen auf: Darunter der Einsatz gegen Glyphosat und PFAS, der Kampf gegen Lohnungleichheit und häusliche Gewalt, ihr Einsatz für eine Entlöhnung von unbezahlter Care-Arbeit oder die Bekämpfung von Armut. «Zudem habe ich mich viel in der Aussenpolitik engagiert. Das EU-Dossier etwa begleitete ich von Anfang an», so Friedl weiter.
Dass sie die weiteren Arbeiten rund um das EU-Dossier nicht mehr begleiten kann, bedauere sie zwar. Allerdings dauert es noch einige Zeit, bis das Geschäft im Nationalrat behandelt wird. «Weil es noch so lange dauert, war für mich dann klar, dass ich bei den Beratungen nicht mehr dabei sein werde», so Friedl.
Die Nachfolge von Claudia Friedl im Nationalrat tritt Arbër Bullakaj aus Wil an. Von 2013 bis 2020 politisierte der 1986 geborene Bullakaj im Stadtparlament von Wil. Von 2013 bis 2019 war er Vizepräsident der SP Kanton St. Gallen. 2023 hatte ihn die Partei als Ständeratskandidaten aufgestellt.










