Schweizer Armee

    Schweizer Armee: Sexismus und Belästigung weit verbreitet

    Peter Müller
    Peter Müller

    Bern,

    Eine neue Studie deckt gravierende Missstände in der Schweizer Armee auf. Diskriminierung und sexuelle Belästigung sind demnach an der Tagesordnung.

    Schweizer Armee
    Das Militär ist auch für private Aktivitäten hilfreich. - Keystone

    Das Wichtigste in Kürze

    • Laut einer Umfrage wurde jede zweite Frau in der Armee sexuell belästigt.
    • Auch viele Männer, besonders Homosexuelle, berichten von sexualisierter Gewalt.
    • Die Armee ergreift deshalb nun zusätzliche Massnahmen.

    Die Ergebnisse der Untersuchung sind alarmierend. Eine vom Bund in Auftrag gegebene Studie kommt zum Schluss: Jede zweite Frau in der Schweizer Armee wurde bereits sexuell belästigt.

    Und nicht nur Frauen sind betroffen. Auch zahlreiche homosexuelle Männer erlebten Diskriminierung und Übergriffe. Die Armeeführung sieht dringenden Handlungsbedarf.

    Reaktion der Armeeführung

    Armeechef Thomas Süssli reagierte mit deutlichen Worten. Er droht Soldaten mit «persönlichen Konsequenzen», wie die «Berner Zeitung» schreibt.

    Hast du schon einmal sexuelle Belästigung erfahren?

    Die Armeeführung will den Schutz der Angehörigen verbessern. Sie hat zusätzliche Massnahmen beschlossen. Damit soll ein Kulturwandel beschleunigt werden.

    Nulltoleranz-Strategie

    Seit 2023 verfolgt die Armee eine Nulltoleranz-Strategie. «Die Armeeführung toleriert keine Fälle von Diskriminierung, Sexismus, Belästigung oder andere Formen der Verletzung der menschlichen Würde», heisst es auf «admin.ch».

    Die neue Studie zeigt jedoch, dass weitere Schritte nötig sind. Die Armee will konsequent gegen Fehlverhalten vorgehen. Wegschauen soll nicht mehr toleriert werden.

    Gian Beeli
    Gian Beeli, Co-Direktor Eidgenoessisches Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann (EBG), spricht während einer Medienkonferenz zu den neuen Massnahmen nach der Studie: Diskriminierung und sexualisierte Gewalt in der Schweizer Armee. - keystone

    Umfassende Befragung

    Die Untersuchung wurde von der Fachstelle Frauen in der Armee und Diversity durchgeführt. Wie der Bund mitteilt, fand die Befragung zwischen Januar und März 2023 statt.

    Eine repräsentative Gruppe von Armeeangehörigen nahm teil. Die Teilnahme war anonym und freiwillig. Die Ergebnisse sollen Ende 2023 veröffentlicht werden.

    Teil der Armeekultur

    Das Problem scheint tief in der Armeekultur verwurzelt zu sein. Die «Solothurner Zeitung» zitiert aus der Studie: Diskriminierung und sexualisierte Gewalt seien «Teil der Kultur» in der Armee.

    Thomas Suessli
    Korpskommandant Thomas Süssli, Chef der Armee, spricht während der Medienkonferenz rund um sexualisierte Gewalt in der Armee. - keystone

    Diese Erkenntnis ist besonders besorgniserregend. Sie deutet darauf hin, dass oberflächliche Massnahmen nicht ausreichen werden. Ein grundlegender Wandel scheint notwendig.

    Weitere Untersuchungen geplant

    Die Aufarbeitung soll weitergehen. Wie «mediarelations.unibe.ch» berichtet, hat die Armee ein Forschungsteam der Universität Bern beauftragt. Es soll die Diskriminierung homosexueller Menschen in der Armee untersuchen.

    Diese Studie ist die erste offizielle Aufarbeitung dieser Art in der Schweiz. Sie soll auch mögliche Wiedergutmachungen prüfen. Die Ergebnisse werden in vier Jahren erwartet.

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    Kommentare

    User #3331 (nicht angemeldet)

    Es ist einfach furchtbar was alles inzwischen als sexuelle Belästigung gilt. Es kann auch nicht sein dass beim Militär von menschlicher Würde gesprochen wird, denn die menschliche Würde und die Menschlichkeit geht beim Eintritt ins Militär verloren. Denn dort gelten nur noch die Befehle, denen man zu gehorchen hat.

    User #6350 (nicht angemeldet)

    Es ist eine „Verletzung der menschlichen Würde“, wenn Rekruten zu nächtlicher Stunde in striktem Kreis Liegestützen auf Kommando ausführen müssen, und wer das Pech hat, in einer Wasserpfütze zu stehen, hat diese dort zu absolvieren, ob er will oder nicht. So gehört im Zug Thun-Bern vor ca. 20 Jahren von zwei empörten Rekruten der Rekrutenschule Thun.

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