Kellner dürfen künftig auf Masken verzichten – so fern alle ein Zertifikat vorweisen können. Dass das zur Realität wird, bezweifelt die Branche allerdings.
Kellner Maske
Der Bundesrat hat den Boden für eine Zertifikatspflicht für die Innenräume von Restaurants und Bars vorbereitet. - Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Bundesrat will die Zertifikatspflicht künftig auch auf Beizen und Bars ausdehnen.
  • Das Personal ist von dieser Regelung ausgeschlossen, muss dafür aber eine Maske tragen.
  • Die Branche selbst vermutet aber, dass es bei der Maskenpflicht bleiben wird.

Der schlimmste aller denkbaren Fälle ist eingetreten: Die Spitalbetten füllen sich wieder – und zwar rasant. Allein seit Anfang Monat hat sich die Zahl der Hospitalisierten verdreifacht.

Als Lösung schlägt der Bundesrat eine Ausdehnung der Zertifikatspflicht vor. Konkret sollen Innen-Bereiche von Restaurants, Kinos, Zoos oder Fitnesscentern nur noch Geimpften, Genesenen und Getesteten offenstehen.

Alain Berset
Bundesrat Alain Berset verkündete am Mittwoch die neuen Massnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus. Dazu gehört eine Ausdehnung der Zertifikatspflicht. - Keystone

Gastro-Personal von Zertifikatspflicht ausgenommen

Brisant: Gastro-Mitarbeitende wären von der möglichen Regelung ausgeschlossen. «Für dieses gelten allerdings weitergehende Massnahmen wie etwa eine Maskenpflicht», so der Bundesrat. Nur wenn sämtliche anwesenden Mitarbeitenden die Zertifikatspflicht erfüllen, dürfe auch das Personal auf eine Maske verzichten.

Damit dürfte die Impfdebatte künftig auch hinter der Theke für reichlich Zündstoff sorgen. Denn: Geimpfte Kellner müssen sich gegenüber den ungeimpften beziehungsweise ungetesteten Kollegen ergeben und ebenfalls eine Maske tragen.

Gastro Maske
Können alle Gastro-Mitarbeitende ein Covid-19-Zertifikat vorweisen, dürfen sie auf die Maskenpflicht verzichten. - Keystone

Führt dieser Konflikt früh oder später also auch beim Gastro-Personal zu einer Zertifikatspflicht? Wohl kaum, meint Alexander Bücheli von der Schweizer Bar und Club Kommission. Die meisten Betriebe würden auch in Zukunft lieber auf eine Maskenpflicht beim Personal setzten.

Denn: «Von einer 100-prozentigen Impfrate kann in keiner Branche ausgegangen werden», betont Bücheli. Auch bezweifelt er, dass jeder Mitarbeitende genügend Zeit und Geld für das ständige Testen habe.

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Rückendeckung erhält Bücheli von Bindella, eines der grössten Gastro-Unternehmen der Schweiz: «Unsere Mitarbeitenden entscheiden selber, ob sie sich impfen lassen wollen», heisst es auf Anfrage. Mit dem Schutz der Maske sei man weiterhin zufrieden.

Gastrosuisse spricht von Gesetzesverstoss

Gastrosuisse probt inzwischen bereits den Aufstand. Nicht aber wegen der Sonderregelung fürs Personal, sondern wegen der allgemeinen Zertifikatspflicht. «Es ist verfassungswidrig», betont Präsident Casimir Platzer. Als Folge der neuen Massnahme befürchte er grosse Umsatzeinbussen.

Casimir Platzer
Casimir Platzer, Präsident von GastroSuisse. - Keystone

Platzer sehe, dass die Impfung «ein zentrales Element bei der Bekämpfung der Pandemie» sei. Aber: «Zur Impfung zwingen sollte man niemanden. Und schon gar nicht sollte man das Gastgewerbe zur Erhöhung der Impfquote missbrauchen.»

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