Der Bundesrat beisst bei den Kantonen mit seinen Plänen auf Granit. Stattdessen fordern diese ein klares Impfziel, ab welchem alle Massnahmen aufgehoben werden.
Kantone Bundesrat Impfziel Coronavirus
Kantone wie Zürich mit Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli (SVP) fordern vom Bundesrat ein klares Impfziel. Wird dieses erreicht, sollen alle Massnahmen wegfallen. - Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Praktisch alle Kantone lehnen die jüngsten Pläne für eine Impfoffensive ab.
  • Viele fordern aber ein klares Impfziel, ab welchem alle Massnahmen aufgehoben werden.
  • Der Bundesrat steht vor heftigen Diskussionen. Krebst er am Mittwoch zurück?

Ein Land nach dem anderen erklärt die Covid-Pandemie für beendet. In den skandinavischen Ländern Dänemark oder Schweden etwa gibt es keine Schutzmassnahmen mehr. Auch kein Zertifikat.

In der Schweiz dagegen stehen viele Aktivitäten nur zertifizierten Personen offen. Gleichzeitig will der Bundesrat eine Impfoffensive starten – mit Prämien, Beratern und mobilen Impfstationen. Die Kantone haben allerdings überhaupt keine Lust darauf.

Impfbus Basel
Der Impfbus steht bereit in Basel, am Montag, 13. September 2021. - Keystone

Sie fühlen sich überrumpelt und argumentieren, viele der Massnahmen seien weder umsetzbar noch zielführend. Was bei den geharnischten Stellungnahmen auffällt: Die Kantone stellen ungefragt klare Forderungen im Hinblick auf das Ende der Pandemie.

Kanton Zürich sieht Dänemark als Vorbild

Der Kanton Zürich etwa nennt ganz konkret das «Beispiel Dänemark», welches «auch für die Schweiz» dienen könnte. Deshalb wünscht sich der Regierungsrat die Definition eines klaren Impfziels, «bei dessen Erreichen sämtliche Massahmen aufgehoben werden».

Natalie Rickli Zürich Coronavirus
Natalie Rickli, Zürcher Gesundheitsdirektorin. - Keystone

Genau gleich tönt es aus dem Kanton Thurgau. Der Regierungsrat wird aber noch konkreter. In die Impfquote sollen künftig alle genesenen Personen hineingerechnet, unter 12-jährige hingegen gestrichen werden. Dies würde vielen ausländischen Impfquoten entsprechen, so der Kanton.

Befürworten Sie ein klares Impfziel, ab welchem alle Massnahmen aufgehoben werden?

Der Bundesrat müsse einen klaren Schwellenwert festlegen, «der automatisch zur Aufhebung aller Massnahmen führt», argumentiert der Ostschweizer Kanton. Der Kanton Baselland kommt zur gleichen Einschätzung. Auch hier sollen Genesene zu den Geimpften dazugezählt werden.

Schwyz erinnert an 3-Phasen-Modell

Einen Frontalangriff auf die Strategie der Landesregierung startet der Kanton Schwyz. Es stellt sich die Frage, «inwiefern das 3-Phasen-Modell des Bundesrats noch Gültigkeit hat». Gemäss dem offiziell weiterhin gültigen Fahrplan sollten alle Massnahmen aufgehoben werden, wenn alle Impfwilligen geimpft sind.

berset lockerungsschritt coronavirus
Der Gesundheitsminister Alain Berset. (Archivbild) - Keystone

Nun sei es zumindest angezeigt, dass ein klares Impfziel definiert werde, ab dem auch die Zertifikatspflicht fällt. Weitere Kantone schliessen sich dieser Forderung an. Ob der Bundesrat tatsächlich zurückkrebst, darf indes bezweifelt werden.

BAG-Lévys Versprechen: Ab wann fällt die Zertifikatspflicht?

Sicher ist: Am Mittwoch dürfte es bei der nächsten Sitzung der Landesregierung zu heftigen Diskussionen kommen. Schliesslich sagte etwa BAG-Direktorin Anne Lévy vor einem Monat: «Sinken die Zahlen, wird die Zertifikatspflicht aufgehoben.»

Coronavirus Anne Lévy
Anne Lévy, Direktorin des BAG, spricht an einem Point de Presse zur Pandemie des Coronavirus. - Keystone

Zu diesem Zeitpunkt meldete ihre Behörde täglich rund 3000 positive Fälle des Coronavirus. Dieser Wert ist mittlerweile auf rund 1000 gefallen, also dreimal tiefer.

Ane Lévy Coronavirus
Am 11. September erklärte BAG-Chefin Anne Lévy, dass die Zertifikatspflicht zurückgenommen wird, wenn die Fallzahlen sinken. Damals wies sie rund 3000 Fälle pro Tag aus.
BAG Fallzahlen Sinkflug
Seither ist die Zahl der täglichen Fälle konstant gefallen und beträgt noch rund 1000 pro Tag.

Lévy legte sich nicht auf eine bestimmte Zahl fest. Allerdings verlieren offensichtlich auch die Kantone langsam die Geduld, weil auch die Spitaleinweisungen sowie die Auslastung der Intensivstationen zurückgegangen sind.

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