Im Mai: Solar deckte zu Spitzenzeiten fast 100% des Strombedarfs
In den letzten zwei Wochen wurde in der Schweiz deutlich mehr Solarenergie als Atomstrom produziert. Die Branche hofft auf eine weitere Steigerung.

Das Wichtigste in Kürze
- Mit dem schönen Wetter hat die Solarstrom-Produktion die AKWs überholt.
- Zu Spitzenzeiten wurde fast der gesamte Schweizer Strombedarf durch die Sonne abgedeckt.
- Man sei beim Solarstrom in einer ganz neuen Phase, heisst es beim Verband Swissolar.
In den letzten 14 Tagen war die Produktion von Solarstrom in der Schweiz höher als die von Atomstrom. Dies zeigt das Energie-Dashboard des Bundes, und es ist natürlich sofort einleuchtend, wieso: «Es war jetzt sicher auch eine spezielle Situation, mit der langen Schönwetterphase», sagt David Stickelberger, Politikberater beim Verband Swissolar.
Zudem vermitteln die GWh-Zahlen mit Nachkommastellen etwas eine Scheingenauigkeit: «Dies sind Schätzwerte, es gibt keinen direkten Messwert», betont Stickelberger.
Schweizer Strom: Manchmal fast 100 Prozent Sonne
Nichtsdestotrotz: Solar lässt Atom deutlich hinter sich. Mit über 640 produzierten Gigawattstunden gegenüber 520 Gigawattstunden innert zwei Wochen, also fast einem Viertel mehr. Der Mai ist zwar generell ein guter Sonnenmonat, aber es folgen noch drei mindestens ebenso gute.

«Wir kommen in eine ganz neue Phase, in der der Solarstrom substanziell zur Versorgungssicherheit beiträgt», sagt deshalb Stickelberger.
In den letzten Tagen habe es Spitzenzeiten gegeben, in denen Solarenergie fast 100 Prozent des Schweizer Strombedarfs abgedeckt habe. «Letzten Samstag waren es 94 Prozent. Unter der Woche war der Stromverbrauch höher, dementsprechend gab es maximal 80 Prozent Anteil.»
Das kann wiederum auch zu viel des Guten sein. «Wichtig ist, dass dieser Strom möglichst vor Ort verbraucht und während den Produktionsspitzen nicht einfach ins Netz gespiesen wird.»
Oder dass er in-house gespeichert wird – doch das tun je länger je mehr der privaten Solarstromproduzenten, weiss Experte Stickelberger: «Wir gehen davon aus, dass die Batterieverkäufe massiv zugenommen haben.»

Dazu beitragen dürfte auch der heutige Bundesrats-Entscheid zu Einspeisevergütungen. «Das neue Vergütungsmodell schafft Anreize, Solarstrom dann ins Netz einzuspeisen, wenn er tatsächlich gebraucht wird», teilt Swissolar mit. «Bei tiefen Strompreisen kann der Strom stattdessen im Quartier verkauft oder in Batterien gespeichert werden.»
Holt Solarstrom bald AKW-Produktion ein?
Der Anteil der Sonnenenergie am Schweizer Strommix steigt in den letzten Jahren stetig an. 2025 waren es 12 Prozent, im laufenden Jahr, inklusive gutem Mai, waren es schon 15 Prozent.
Und so soll es weitergehen: «Wir rechnen damit, dass wir übers Jahr auf mindestens 17 Prozent kommen», sagt David Stickelberger. «Weniger würde es nur, wenn Sommer und Herbst sonnenarm wären, wie das zum Beispiel 2024 der Fall war.»

Was die nackten Zahlen nicht zeigen: Das AKW Gösgen war ab Mai 2025 ausserplanmässig während rund zehn Monaten gar nicht am Netz. «Wenn die Solarenergie nicht so massiv ausgebaut worden wäre, hätten wir im letzten Winter wohl ein Problem gehabt. Auch in dieser Zeit liefern Solaranlagen viel Strom und entlasten die Wasserkraftwerke», streicht Stickelberger heraus.
Aus der Patsche helfen kann die Solarproduktion den Atomkraftwerken also bereits. Kann sie sie aber auch überrunden?
Kann sie, beziehungsweise soll sie, zeigt David Stickelberger von Swissolar auf. «Es gibt einen Zielwert des Bundes: 18,7 TWh bis 2030, also knapp so viel wie die AKWs.»
Sofern dies erreicht wird, denn es sei ein sportliches Ziel, mahnt Stickelberger. «Das funktioniert nur, wenn es weiterhin Anreize gibt, in die Solarenergie zu investieren.» Realistisch scheint es aber, wenn die Solar-Produktion im gleichen Tempo weiterwächst. So müssen sich wohl ab 2030 die AKWs warm anziehen, wenn sie mit der Sonne mithalten wollen.












