Guy Parmelin

    Guy Parmelin zum Rücktritt über «schwierige Familie Bundesrat»

    Matthias Bärlocher
    Matthias Bärlocher

    Bern,

    Der Bundespräsident erklärt seine Beweggründe und erinnert sich an besondere Momente mit «Kollege Berset», Putin und Biden.

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    Guy Parmelin spricht bei Nau.ch über seinen Rücktritt. - Nau.ch/Matthias Bärlocher

    Das Wichtigste in Kürze

    • Guy Parmelin tritt per Ende Jahr als Bundesrat zurück.
    • Er habe lange überlegt und der Entscheid sei gestern Abend gefallen, erzählt er im Interview.
    • Er blickt zurück auf besondere Momente und voraus auf viel Freizeit.

    Nach über zehn Jahren im Amt tritt Bundespräsident Guy Parmelin zurück. Nicht einmal seine Frau war eingeweiht, erzählt der SVP-Bundesrat im Nau.ch-Interview. Denn mit ihr habe er viel darüber diskutiert.

    Doch stets habe er gesagt: «Ich überlege, ich weiss es noch nicht. Gestern Abend habe ich ihr gesagt: Es ist entschieden.» Das sei dann ein bisschen überraschend gewesen, schmunzelt der Waadtländer.

    War Guy Parmelin ein guter Bundesrat?

    Anders in der wöchentlichen Bundesratssitzung, denn schliesslich hatte es seit Wochen Gerüchte über seinen bevorstehenden Rücktritt gegeben. Da verlief die Rücktrittsankündigung Parmelin-typisch pragmatisch: «Das war kurz, wir haben diskutiert, dann haben wir noch einen Kaffee zusammengetrunken, jetzt muss man noch drei Monate zusammenarbeiten», fasst Parmelin zusammen. «Das ist die Hauptsache.»

    Der Kapitän geht von Bord

    Seit August habe er sich gefragt: «Willst Du noch?» Er habe nicht mehr das gleiche Feuer verspürt wie in früheren Jahren. Darum sei es jetzt Zeit, dass sich neue Kräfte engagierten.

    Parmelin Cassis Jans Bilaterale
    Bundespräsident Guy Parmelin und die Bundesräte Ignazio Cassis und Beat Jans unterhalten sich im Vorzimmer des Ständerats kurz vor ihrem Einsatz in der Debatte um die «Bilateralen III», am 28. September 2026. - keystone

    Mitten in der Debatte um das EU-Dossier geht damit der Kapitän von Bord. Doch Parmelin widerspricht: «Nein – jedes Dossier ist ein Dossier des Bundesrates. Nächstes Jahr ist Cassis der Kapitän, wenn ich gehe, kommt jemand anderes.»

    Der Bundesrat sei ein Team, und, wie Parmelin gegenüber den Medien betonte: Jeder ist ersetzbar. «Das funktioniert immer so», hält er im Interview fest.

    Gute, schwierige und besondere Momente

    Parmelin ist noch heute froh, sich 2015 für die Kandidatur als Bundesrat entschieden zu haben. Natürlich habe es gute wie auch schwierige Momente gegeben: «Covid, zum Beispiel, das war nicht angenehm.»

    Oder aber besondere Momente, wie das Treffen in Genf mit Präsident Biden und Präsident Putin. Auf dieses habe er sich genau vorbereiten müssen.

    Parmelin
    Bundespräsidnet Guy Parmelin begrüsst im Juni 2021 den russischen Präsidenten Wladimir Putin und US-Präsident Joe Biden in Genf. - keystone

    «Ich habe mich mehrmals gefragt: Was passiert, wenn du nicht mehr weisst, was du sagen musst?» Denn das sei im Voraus sehr klar festgelegt worden. «Ich konnte nicht vor den Kameras der ganzen Welt ein Spässchen machen.»

    Der Bundesrat, fast eine Familie

    Parmelin betont immer wieder, wie wichtig der Austausch mit Personen sei, die eine andere Meinung vertreten. Doch mit wem hat er sich am liebsten gestritten? «Ah, da gab es viele Kolleginnen und Kollegen», schwelgt der Bundespräsident in Erinnerungen.

    Alain Berset Guy Parmelin
    Mit Kollege Berset seien während Covid die Diskussionen jeweils «animiert» verlaufen, berichtet Guy Parmelin. - keystone

    Einer ist im besonders geblieben: «Mit Kollege Berset war es immer interessant, während Covid auch nicht so einfach.» Niemand habe gewusst, was als nächstes komme. Entsprechend seien die Diskussionen sehr «animiert» gewesen.

    Sich zoffen und sich danach wieder vertragen und zusammen essen gehen: Ist der Bundesrat wie eine Familie? «Ja», räumt Parmelin ein, «aber manchmal eine etwas schwierige Familie.»

    Zukunft offen

    Als Weinbauer wurde Parmelin in den Bundesrat gewählt. Doch nach dem Rücktritt gehe es nicht zurück in die Weinberge. «Das ist ein Moment der Ruhe», stellt Parmelin klar. «Keine Engagements, ich will mir wirklich mit meiner Frau etwas Zeit lassen.»

    Guy Parmelin Weingut Bursins
    Porträt von Guy Parmelin von 2015, damals noch Nationalrat (SVP/VD), inmitten von Weinreben im heimatlichen Bursins VD. - keystone

    Er habe viel zu tun, wolle viel lesen, Konzerte besuchen und spazieren gehen. Aber dabei werde es nicht bleiben. «Später kommt wohl die Notwendigkeit, etwas anderes zu machen. Aber es ist zu früh zu sagen wie, wann und was.»

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