Für Trams: Bund hat zu viel Geld im Budget – und niemand will es

Antun Boskovic
Antun Boskovic

Bern,

Während der Bund Eisenbahn-Ausbauten selbst zahlt, müssen sich Kantone & Gemeinden beim Bau neuer Trams beteiligen. Dadurch bleiben Gelder des Bundes unbenutzt.

Tram Zürich
Ein Tram am Hauptbahnhof in Zürich. - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Bund hat nicht genug Geld für den Eisenbahn-Ausbau und muss Projekte streichen.
  • Gleichzeitig bleibt er zum Teil auf für den Tram-Bau vorgesehenen Geldern sitzen.
  • Das liegt am unterschiedlichen Finanzierungssystem. Das will der Bundesrat nicht ändern.

Unter anderem auch, weil es alleine für den Eisenbahn-Ausbau 135 Projekte im Rahmen von über 62 Milliarden Franken gab. Das Resultat: Das ETH-Gutachten hat die Investitionen für die nächsten 20 Jahre auf 24 Milliarden Franken gesenkt.

Doch während der Bund beim Eisenbahn-Ausbau aus Kostengründen Projekte zusammenstreicht, hat er für den Bau neuer Trams zu viel Geld. «In diesen haben wir mehr Geld zur Verfügung, als wir ausgeben können», erklärte Verkehrsminister Rösti vor einigen Tagen.

Kantone müssen bei Tram-Ausbauten mindestens die Hälfte zahlen

Grund dafür ist laut den «CH Media»-Zeitungen der Unterschied in der Finanzierung zwischen Eisenbahn und Tram. Eisenbahn-Ausbauten finanziert der Bund nämlich via Bahninfrastruktur-Fonds (BIF) alleine.

Braucht es in der Schweiz mehr Tramstrecken?

Das Fonds-Geld stammt zwar auch aus Beiträgen der Kantone. Doch diese sind fix und vergleichsweise tief. Heisst: Das Kantonsbudget wird bei einem Ausbau der Eisenbahn nicht zusätzlich belastet.

Anders sieht es bei Trambau-Projekten aus: Diese werden vom Bund maximal zur Hälfte über die Agglomerationsprogramme finanziert. Für den Rest müssen Kantone und Gemeinden aufkommen.

Bundesrat lehnt Änderung der Finanzierung ab

Es gibt zwar einige grosse Projekte für Tram-Ausbauten in den nächsten Jahren. So etwa in Basel (Umfang von knapp 400 Millionen Franken), in Zürich (900 Millionen) oder in Genf (1,1 Milliarden). Alle grösseren Tramprojekte, die geplant sind, können laut Rösti auch umgesetzt werden.

Doch es dürften durchaus mehr Projekte sein. Viele Kantone wünschen sich «CH Media» zufolge, dass der Bund auch Trambau-Projekte künftig komplett bezahlt. Denn: An gewissen Orten wäre ein neues Tram sinnvoller als nun geplante Eisenbahn-Ausbauten.

Demnach hat der Bundesrat über diesen Wunsch diskutiert, lehnt dies aber ab: Das jetzige Förder-Modell habe sich «im Grundsatz bewährt». Offenbar wolle er sich keine weiteren Ausgaben aufbürden.

Gutachter: Trams haben «oft eine hohe Wirkung zu einem finanzierbaren Preis»

Die Gefahr dabei: Wegen knapper Kassen könnten die Kantone trotz Verkehrsproblemen auf Tram-Bauten verzichten. Dabei hat das ETH-Gutachten gezeigt, dass Trams gerade in Städten oder Vorstädten sehr effiziente Verkehrsmittel sind.

Sollte der Bund auch die Kosten für Tram-Ausbauten komplett übernehmen?

Laut Michael Nold, Mitautor des Gutachtens, haben Trams «oft eine hohe Wirkung zu einem finanzierbaren Preis». Einen Kilometer Tramlinie zu bauen, kostete in den letzten Jahren nämlich im Schnitt 58 Millionen Franken. Der Eisenbahn-Ausbau kostet ein Mehrfaches davon.

Als Musterbeispiel gilt die Ende 2022 eröffnete Limmattalbahn zwischen Spreitenbach AG und Zürich-Altstetten. Ein Bericht des Kantons Zürich zeigt: Trotz stetigem Bevölkerungswachstum sank die Zahl der Fahrzeuge im Limmattal zwischen 2015 und 2024 um 10 Prozent.

Limmattalbahn
Dank der Ende 2022 eröffneten Limmattalbahn nahm die Zahl der Fahrzeuge im Limmattal zwischen 2015 und 2024 ab und die der ÖV-Reisenden zu. - keystone

Gleichzeitig stieg die Zahl der ÖV-Reisenden um rund 14 Prozent. Die grösste Zunahme gab es demnach dort, wo die Limmattalbahn das ÖV-Angebot verbessert hat.

Kommentare

User #5123 (nicht angemeldet)

Jedes mal das gleiche Theater, auch in der Privatwirtschaft: schöpf das Budget aus (auch für Unnötiges), sonst gibt es nächstes Jahr weniger und wird zusammengestrichen! Weshalb kann das Budget nicht gleich bleiben und der Überschuss für später als Reserve bereitstehen, wenn dannzumal ggf. höhere Kosten anfallen? Oh man - würden Privathaushalte nicht vorausschauend planen (sofern sie denn tatsächlich genügend finanzielle Mittel haben) und so wirtschaften, wäre wohl das Gros der Bürger chronisch pleite.

User #3590 (nicht angemeldet)

Einfach krank in Bundesbern oben

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