Der Bund vertont seine Erklärvideos jetzt mit KI
Die Bundesverwaltung muss in der Kommunikation jährlich über 6 Millionen Franken einsparen. Durch KI-Stimmen kann sie bereits 35’000 Franken weniger ausgeben.
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Das Wichtigste in Kürze
- «Stimme mit KI generiert», heisst es unter den Erklärvideos des Bundes.
- Bereits seit März übernimmt die Künstliche Intelligenz die Aufgabe von Sprechern.
- Nur für Rätoromanisch gibt es derzeit noch keine KI-Lösung.
Ende September stimmt die Schweiz über zwei Vorlagen ab: die Neutralitätsinitiative und die Ernährungsinitiative.
Wer nicht durch die 32 Seiten des Abstimmungsbüchleins ackern will, kann auch auf YouTube wechseln.
In einem 5-Minuten- und einem 4-Minuten-Video erklärt der Bund in einem nüchternen Ton die beiden Vorlagen. In allen vier Landessprachen.
Erklärungsvideos vor Abstimmungen veröffentlicht der Kanal des Schweizer Bundesrates zwar schon länger. Seit März 2026 übernimmt aber die Künstliche Intelligenz (KI) das Vertonen der Beiträge.
Grund: Die KI-Stimmen sollen das Bundesbudget entlasten. Für das laufende Jahr beläuft sich die Einsparung dadurch auf rund 35’000 Franken, heisst es auf Nau.ch-Anfrage.
Bund muss in der Öffentlichkeitsarbeit 6 Millionen einsparen
Die Bundeskanzlei verweist dabei auf das Finanzhaushaltgesetz. Dieses sieht vor, dass die Verwaltung ihre Mittel wirksam und wirtschaftlich einsetzen muss.
Zudem beschloss das Parlament im Dezember, die Ausgaben für die Öffentlichkeitsarbeit für den Zeitraum 2026 bis 2029 zu kürzen. Der Bund soll jährlich 6,25 Millionen Franken weniger dafür ausgeben.
Urs Bruderer von der Bundeskanzlei erklärt: «Im Zuge der Sparmassnahmen wurde in der Bundeskanzlei die Qualität der Vertonung mit KI-Stimmen geprüft und für gut befunden.»
Nau.ch weiss: Der Bund hatte zuvor keine eigenen Sprecherinnen und Sprecher angestellt. Die Aufträge wurden auf Mandatsbasis vergeben – bis der Brief kam, dass der Bund künftig auf KI-Stimmen wechsle.
KI-Stimmen kosten Bund 800 Franken im Jahr
Die Verwaltung habe dafür keine eigenen Stimmen erstellt oder individuell lizenziert, sagt Bruderer. Stattdessen setzt sie auf die Stimmenbibliothek der US-Softwarefirma «Eleven Labs».

Pro Jahr überweist der Bund also rund 800 Franken an «Eleven Labs». Dafür gibt's Stimmen in über 70 Sprachen – darunter auch Deutsch, Französisch und Italienisch.
Keine rätoromanische KI-Stimme verfügbar
Aber kein Rätoromanisch. Dafür braucht die Bundesverwaltung auch künftig einen Menschen.
«Die Kosten für die rätoromanische Vertonung eines Videos liegen bei rund 700 Franken», verrät Bruderer. Allerdings nur so lange, bis die Technik keine Alternative biete.
Gäbe es «qualitativ überzeugende rätoromanische KI-Stimmen», würde die Bundesverwaltung diese auch einsetzen, sagt Er.
Branchenverband kritisiert KI-Stimmen beim Bund
Jonas Rüegg findet den Einsatz von KI-Stimmen bei der Bundeskanzlei «bedenklich». Er ist Co-Präsident des Branchenverbands Vereinigung Professioneller Stimmen.
Rüegg sagt auf Anfrage von Nau.ch: «Der Bund schafft in einer Zeit, in der noch um einen sinnvollen Umgang mit KI-Anwendungen gerungen wird, fragwürdige Tatsachen.»
Seine Vereinigung stellt sich auf den Standpunkt, dass es zuerst eine sinnvolle KI-Regulierung brauche, ehe Bundesstellen darauf zugreifen.
Rüegg ist zudem der Meinung: «Die Steuergelder sollten besser hierzulande Arbeitsplätze generieren, als an KI-Firmen im Ausland zu fliessen.»
KI-Vertonung «eher schlecht als recht»
Die Vertonung der Abstimmungsvideos findet er denn auch «eher schlecht als recht». Der «Feinschliff» fehle.
Auch abseits der Bundesverwaltung sieht Rüegg den Einsatz von KI-Stimmen kritisch. Neben der «realen Angst vor einem Job-Verlust durch die KI» stört ihn vor allem: «Viele KI-Sprachmodelle lernen mit geklauten Inhalten, auch mit den Stimmen professioneller Sprecherinnen und Sprecher.»
Umso wichtiger seien Gesetze, die die menschliche Stimme schützten. «Sprecherinnen und Sprecher müssen zudem bestimmen können, wofür ihre Stimme verwendet wird. Werden KI-Modelle damit trainiert, braucht es eine Entschädigung», fordert Rüegg.
Ob der Job langfristig durch KI wegfallen wird, kann er zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht abschätzen.
Hirn reagiert anders auf KI-Stimmen
«Hoffnung machen mir Studien, dass das Hirn auf KI-generierte Stimmen noch immer anders reagiert», verweist der Branchenvertreter. «Die Emotionalität, die etwa für Werbungen nötig ist, kann noch nicht erreicht werden.»
Und: «Erste Auftraggebende kommen bereits wieder von den KI-Stimmen weg. Weil das letzte bisschen fehlt.»
Weiterhin menschengemacht bei den Erklärvideos zu den Abstimmungen sind auch die Illustrationen und Animationen. Die Bundeskanzlei verfolge hierbei nämlich einen «zurückhaltenden Ansatz», so Urs Bruderer.
Mitarbeitende dürfen KI-basierte Werkzeuge in Programmen wie Photoshop punktuell einsetzen. Allerdings nur, wenn sie damit effizienter und schneller arbeiten können – vor allem bei aufwendigen Bearbeitungsschritten.











