BiCT-Konkurs: Diese Firmen haben Prakti-Stellen für Berner Lernende
Die BiCT-Lernenden im 1. und 2. Lehrjahr werden von der Technischen Fachschule übernommen. Zudem würden dutzende Firmen Praktikumsstellen anbieten.

Das Wichtigste in Kürze
- Der ICT-Lehrlingsausbildner BiCT AG geht Konkurs.
- Nun wurden unter Vermittlung des Kantons Lösungen für die rund 150 Betroffenen gefunden.
- Kritische Fragen gab es trotzdem – aber auch Mitgefühl für die BiCT-Gründer.
Am Informationsanlass der BiCT für die rund 150 Mediamatik- und Informatik-Lernenden und deren Eltern diese Woche herrschte zunächst dicke Luft: Beim Rückblick, wie es dazu kommen konnte, dass die BiCT nun Konkurs geht, gab es kritische Fragen, berichtet M.* aus Bern, Vater einer Zweitjahr-Lernenden, dem BärnerBär.
«Der grösste Kritikpunkt war die schlechte und späte Kommunikation», so der Vater. «Wie wir jetzt erfahren haben, war bereits seit Februar ein Mentor im Einsatz, aber erst im Juli wurde kommuniziert.»
Dass nämlich die BiCT in finanziellen Schwierigkeiten steckte, die sich als unüberbrückbar erweisen sollten. Die 150 Lernenden standen vor dem Nichts.
Kanton vermittelt: Technische Fachschule übernimmt
Bereits gestern wurde bekannt, dass für die rund zwei Dutzend Lernenden des 10. Schuljahrs eine Lösung gefunden werden konnte.
Als dann gestern die Vereinbarung mit der Technischen Fachschule Bern für das 1. und 2. Lehrjahr präsentiert wurde, sei die Stimmung auch gelöster gewesen, berichtet M.*

Die TF Bern nimmt bis spätestens Anfang November alle rund 80 Lernenden dieser beiden Lehrjahre auf. Dazu werden auch die Coaches der BiCT AG übernommen.
Regierungsrat und Bildungsdirektor Reto Müller zeigt sich erfreut: «Ich bin froh, dass wir innerhalb einer solch kurzen Zeit nach zwei runden Tischen tragfähige Lösungen finden konnten.»
Lob gibt es auch von M.*, dem Vater der Zweitjahr-Lernenden: «Von den Leuten beim Kanton bin ich sehr positiv überrascht, die haben wirklich Gas gegeben.»
Empfehlung: Orientiert euch um
Mahnende Worte gab es am Info-Abend indes von Thomas Riesen zu hören, dem Präsidenten von ICT Berufsbildung Bern. Dieser berichtete aus der Praxis: Es sei in den letzten Jahren schwierig gewesen, nach der Lehre Anschlusslösungen zu finden. Entsprechend empfehle er denjenigen, die sich jetzt noch umorientieren möchten, das unbedingt zu tun.

«Das war hart», sagt M.* zum BärnerBär, «aber sachlich und logisch.» Im Moment aber überwiegt die grosse Erleichterung: «Ich bin sehr froh, dass es eine Lösung gibt. Es ist jetzt halt etwas mehr Arbeit, die auf uns zukommt, mit der Suche nach einer Praktikumsstelle für nächsten Sommer.»
Denn für die (künftigen) Lernenden im 3. und 4. Lehrjahr gibt es zwar Hilfe vom Kanton, aber keine pfannenfertige Lösung. Weil die Partnerfirmen der BiCT wegfallen, hat die Abteilung Berufliche Bildung innerhalb der Bildungsdirektion Unternehmen gesucht. Mehrere Dutzend zeigten sich grundsätzlich interessiert, Lehrlinge zu übernehmen.
Darunter sind Grossunternehmen wie Alpiq, Galenica und Krankenkassen. Aber auch IT-Spezialisten wie die Bedag und Liip. Auch Gemeinden und der Bund mit dem Kommando Cyber sind vertreten. Bei ihnen können sich die Lernenden nun bewerben, um neue Lehrfirmen für die praktische Ausbildung zu finden.
Kosten für Kanton Bern
Kein Thema war eine finanzielle Unterstützung oder gar Rettung der BiCT durch den Kanton. Kosten entstehen ihm aber dennoch, etwa indem er die Lernenden an der kantonalen Technischen Fachschule Bern aufnimmt.
«Zudem setzte der Kanton für die Lösungsfindung bereits erhebliche personelle Ressourcen ein», betont BKD-Kommunikationsleiter Yves Brechbühler auf Anfrage. Und er werde dies auch weiterhin tun: «Damit die betroffenen Lernenden ihre Ausbildung erfolgreich abschliessen können und eine tragfähige Lösung für die aktuelle Situation gefunden wird.»
BiCT-Gründer: «Tun mir fast leid»
Doch bei aller Kritik über die mangelnde Kommunikation der letzten Monate: Man zeigt Verständnis und Respekt gegenüber dem BiCT-Gründer-Ehepaar, Armin und Rosmarie Wyss.
Sein Eindruck sei, dass sie auch etwas von der IT-Welt rund um Bern im Stich gelassen wurden, sagt M.*.

«Sie haben das jahrelang erfolgreich gemacht, aber am Schluss den Moment verpasst, um rechtzeitig reagieren zu können.» Wie Armin Wyss gegenüber dem BärnerBär ausführte, sank das Interesse an Mediamatik-Lernenden, während gleichzeitig ein Covid-Kredit die Bilanzen belastete.
M.* findet deshalb: «Sie tun mir fast etwas leid. Es haben viele Junge und Firmen von ihnen profitieren können.»
*Name von der Redaktion geändert






